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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-28 · Heft 26 (28.6.1881) · p. Seite 423

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 26 (28.6.1881)
Date
1881-06-28
Page
Seite 423 (sequence 5)
Language
German
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423 derartigen Bedingungen abhängig machen würde, ob man im Gegensatz dazu nicht hier eine einseitige Machtstellung dem kleinen Rumänien gegenüber in Anwendung gebracht hat und zwar in einer Frage, die ich als eine interne für bedenklich halte. Damals ist die Verhandlung im Sinne des Abgeordneten Lasker ohne jeden Widerspruch im Hause verlausen. Ich möchte bezweifeln, daß das heute noch geschehen würde, wo auch in Deutschland mehr und mehr das nationale Bewußtsein dem internationalen gegenüber zum Vorschein kommt. Heute, glaube ich, würde eine derartige Widerspruchslosigkeir im Reichstag bei sehr Bielen im Lande nicht mehr verstanden werden. (Widerspruch links.) Deshalb hätte ich gewünscht, daß der Herr Abg. Lasker diesen Punkt überhaupt nicht berührt hätte, wobei ich zum Schluß nur noch hervorheben will, daß ich selbstverständlich nicht im Austrage meiner Freunde, sondern nur für meine Person gesprochen habe. (Herr v. Minnigerode ist bekanntlich der Führer der streng eonservativen Rechten und Förderer der antisemitischen Versammlungen, in denen er öfter das Wort nimmt. Diese Tendenz leuchtet aus jedem Worte hervor.) Geh. Legationsrath Reichardt: Ich weiß zwar nicht, in wie weit die von dem Abg. Schalscha angeregte Frage für die Genehmigung dieses Vertrages von Belang sein kann, ich kann dieselbe aber dahin beantworten, daß bei Gelegenheit derjenigen Verfassungsänderung, die in Folge des Berliner Vertrages in Rumänien vorgcnommen wurden, die Principien der Naturalisation eine neue Feststellung gesunden haben; und daß danach die Bedingungen der Naturalisation in Rumänien viel strenger und schwerer sind, als bei uns zu Lande. Dieselbe tritt erst nach einem zehnjährigen Ansenthalt ein und zwar im Wege der Gesetzgebung. Abg. Lasker: Ich habe vor drei Jahren ausdrücklich erklärt, daß es nicht entfernt meine Absicht sei, mich in die Gesetzgebung eines fremden Landes einzumischen oder unsere Regierung dazu zu veranlassen. Der Abg. v. Minnigerode hatte also zu seinen Bemerkungen nicht die geringste Veranlassung. Seine Rede hatte offenbar den Zweck, eine Diseussion iibcr eine Frage zu provociren, welche der Reichstag bisher mit1 Takt vermieden hat. Es wird ihm aber nicht gelingen, durch seine Provocation eine solche Debatte im Hanse herbeizusnhren, um so weniger, als er selbst gesagt hat, er spreche blos für sich selbst. Abg. v. Minnigerode: Tie Verhandlungen ans dem Jahre 1878 sind mir vollständig bekannt, und ich habe um so mehr jetzt Kenntniß von ihnen genommen, »veil ich damals dem Reichstage überhaupt nicht angehörte. Ich weiß sehr wohl, daß der Abg. Lasker damals geäußert hat, es handle sich für ihn um die Bürger des Deutschen Reiches in Rumänien; aber gerade in Rumänien knüpft sich für jeden, der die Verhältnisse dort kennt, daran unmittelbar die Stellung der rumänischen Juden. Das ist auch der Kernpunkt der weiteren Verhandlungen gewesen und derjenige, womit sich der Berliner Vertrag beschäftigte, und erst ans dieser neu geschaffenen Sachlage folgt aucb das neu geregelte Berhältniß der dortigen deutschen Israeliten. Daraus ergeben sich erst die weiteren Conscquenzen auch für die deutschen Israeliten. Also insofern ist der Zusammenhang, wie ich ihn hervorhob, sachlich durchaus berechtigt. Wenn der Abg. Lasker es mir in die Schuhe geschoben hat, als wenn ich durch das weitere Eingehen ans diese Frage, die ich sehr delikat behandelt habe, eine Provokation habe aussprechen wollen, so widerspreche ich dem aus das Lebhafteste. Ich habe ausdrücklich von vornherein gesagt, der Tank des Abg. Lasker gerade zu dieser Zeit wäre besser unterblieben, da er zu Mißdeutungen bei vielen Leuten im Lande führen könne, und dabei bleibe ich stehen. Wenn wir aus diese Frage allgemein hätten cingehen wollen, so war Gelegenheit genug dazu bei den wiederholten Provokationen des Herrn Abg. Richter in! diesem Hause, die wir aber einfach todtgeschwiegen haben und die, wenn ste wieder in der ihm eigenthümlichen Art erersolgen sollte, da er noch zum Worte gemeldet ist, wir auch heute gewillt sind todt zu schweigen. Abg. Richter (Hagen): Dann hätte der geehrte Herr auch besser gethan, überhaupt nicht meinen Namen zu nennen; denn er wird wissen, daß ich es verstehe, wenn er eine mich betreffende Bemerkung macht, ihm eine anderthalbfache darauf zu setzen. Es ist in der That für uns Deutsche ein nichts weniger als erhebendes Gefühl, wenn man sich der Zeit vor zehn Jahren erinnert, wo alle Deutschen ohne Unterschied der Religion zusammenstanden in der Abwehr des äußeren Feindes und Alles übereinstimmte im Preise und Lobe der deutschen Nation und ihrer Tugenden, und jetzt es so dargestellt wird, als ob diese ganze deutsche Nation in Gefahr käme, wenn hinten herum in Rumänien ein paar Juden mehr einwandern. Das ist doch der Kernpunkt der Rede des Abg. v. Minnigerode, wenn er ihn auch hier, wie er sagt, nur delikat andeutet; draußen versteht er die Farben desto deutlicher auszutragen, dort wird ergänzt, was er hier aus guten Gründen beizusügen unterläßt. Der Abg. Lingens. der den Strom der Auswanderung nach Rumänien gelenkt wissen will, scheint seinerseits doch den Umstand, daß in Rumänien 13 Proc. Juden sind, für nichts weniger als abschreckend zu halten. Es ist die beste Politik des preußischen Staates gewesen, und eine ruhmreiche Politik gerade der Hohenzollern, allen einwandernden Fremden ohne Unterschied, zumal denen, die ihres Glaubens wegen bedrückt wurj den. in Preußen eine Freistätte zu eröffnen. Es sind wahrlich nicht die schlechtesten Bürger in Preußen, und gerade > hier in Berlin, die damals eine Zuflucht gefunden haben, j Wie klein erscheinen wir dagegen, wenn wir uns hier da-

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