Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1881)
- Date
- 1881-06-28
- Page
- Seite 421 (sequence 3)
- Language
- German
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auch das Schwert und die Gesetzgebung in seinen Dienst. I Mission und Gewalt ließen fortan zusammenwirkend dem j Christenthmne den Sieg in den damaligen Culturländern, i und sich ausdehnend später im Norden und Osten Europas, I gegen die Sachsen, Wenden, Slaven u. s. w., also im ganzen! Abendlaude, in Nordafrika und Borderasien den Sieg! gewinnen. Derselbe Streit wiederholte sich in den nenent-! deckten Welttheilen und wird noch jetzt gegen die Reste der! Eingeborenen in Amerika, Australien und auf den oceanischen Inseln geführt. Wenn hingegen die europäischen Mächte gegenwärtig ihre Herrschaft in Asien und Afrika ausdehnen, so vernachlässigen sie zwar die Mission nicht ganz, wenden aber das Schwert nicht mehr gegen die unterworfenen heidnischen Völker zu deren Bekehrung an. Das Heidenthum, wenn wir mit diesem gemeinsamen Worte alle Religionen außer Judenthum, Christenthum und Islam bezeichnen dürfen, besteht also noch jetzt in mehr als der Hälfte des Menschengeschlechtes, und somit ist der Prozeß des Christenthums selbst gegen das Heidenthum noch lange nicht abgeschlossen. Fast mit noch größerer Heftigkeit trat das Christenthum in den Prozeß mit dem Islam ein, sobald dieser aus seiner Geburtsstätte herausgeschrittcn war. Wenn das erstere dem Charakter des Stammes gemäß, aus dem es hervorgewachsen, zunächst nur durch das Wort gesiegt, so griff der Stifter des Islam selbst schon zum Schwerte, mit dem er sich die Existenz unter seinen Stämmen erwarb und sein Mutterland unterwarf. Mit dem Schwerte in der einen und dem Koran in der anderen Hand eroberte sich der Islam nicht blos Mittelasien, sondern vertrieb daS Christcnthum aus Vorderasien, Nordafrika, der Südhälfte Spaniens und der! europäischen Türkei. Die Kreuzzüge und die Türkenkriege bildeteten die beiden Hauptmomente des Kampfes. Mit z heroischen Anstrengungen versuchte das Christenthum, Klein-! asien wiederzugewinnen und selbst in Aegypten und der Barbarei zu landen. Vergebens; es gelang ihm nur, den Islam wieder aus Spanien zu verjagen, und die Mohamedaner in der europäischen Türkei in engere Grenzen zu drängen. Jndeß ist es dem Islam nur selten gelungen, kleinere christliche Stämme zu bekehren, und ebensowenig vermochte das Christenthum, islamitische Völkerschaften der Kirche einzuverleiben. Dagegen wohnt dem erstercn eine bedeutende Kraft inne, sein Bereich innerhalb der heidnischen Nationen im Süden und Osten Asiens und in Jnnerasrika auszudehnen, und bewährt dieses Vermögen in erfolgreicher Weise noch in der Gegenwart. Während die politische Herrschaft der Mohamedaner vor der, durch die Kultur gestärkten Macht der christlichen Staaten immer mehr zurückweicht, dehnt sich der Islam als Religion mit schnellen Schritten aus, auch unter der christlichen Herrschaft, wie in Indien. Dies ist das Stadium, in welchem die beiden Weltreligionen zu einander gegenwärtig stehen. Handelt es sich aber in dem Streite des Christcnthums mit dem Heidenthum und dem Islam nicht bloß um die religiöse Aneignung der Nationen, sondern zugleich um die Weltherrschaft, besitzt jedes derselben sein gesondertes Theil der Erdoberfläche, so daß nur in den Grenzdistrikten die Anhänger der verschiedenen Religionen unter einander leben, so verhält cS sich ganz anders mit dem Judenthume. Dasselbe hat niemals an die Herrschaft über andere als den ihm eigenthümlichen Stamm gedacht, so daß nur wenige Beispiele in der Geschichte vorhanden sind, daß cs in dieser oder jener kleinen Nation zur Obmacht gelangte. Auch entbehrte 1 es beinah seit dem Ursprung des Christenthums des eigenen Landes und schon früher der staatlichen Selbstständigkeit. So hat es immer nur um den ruhigen Bestand seiner Anhänger gekämpft, und zwar weithin in kleine Gruppen zerstreut inmitten der Völker und ihrer Religionen. Während; daher die genannte:: Religionen vielmehr einen äußerlichen Kampf mit äußerlichen Machtmitteln führten, und z. B. der geistige und literarische Streit zwischen Christenthum und Islam im Ganzen nur geringfügigen Umfanges lvar, mußte! dies mit dem Judenthum ganz anders sich verhalten. Dennoch wandten jene, um es zu erdrücken und zu vernichten, nicht etwa bloS die geistigen, sondern auch in ausgiebiger Weise die materiellen Mittel an. Und dennoch gelang dies ihnen nur in wenigen Landschaften, wenn sie Feuer und Sckwert zu unbedingter Ausrottung in brutalster Weise gebrauchten, wie z. B. in Spanien. Somit ist der Charakter dieses Prozesse» ein ganz anderer, und wir wollen ihn von seinem Beginn an näher beleuchten. «'Fortsetzung folgt.) verRumänische Handelsvertrag im deutschen Unchstage. Im Jahre 1878 wurde ein zwischen der Regierung des deutschen Reiches und der des damaligen Fürstenthums Rumänien vereinbarter Handelsvertrag am 14. Mai an den; deutschen Reichstag zur cvent. Genehmigung gebracht. Der Vertrag enthielt in seinem Wortlaute nichts was aus einen : Unterschied in der Behandlung deutscher Bürger christlicher > und jüdischer Religion in Rumänien hindeutete. Er gründete - sich aber auf die Zusage der Bortheile der meistbegünstigten , Nation. Diese war vertragsmäßig die österreichisch ungarische, s und in dem desfallsigen Handelsverträge waren den christlichen Staatsangehörigen Bortheile Vorbehalten. Der Abg. l>r. Lasker ss. Nr. 22 Jahrgang 1878, S. 340 ff.) richtete deshalb an den damaligen Staatssekretär deS auswärtigen Amtes von Bülow die Frage: ob, wenn gleich im Wortlaute des Vertrages nichts von der Verschiedenheit der Confessionen vorkomme, nicht nach der faktischen Lage der Dinge eine