Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1881)
- Date
- 1881-06-21
- Page
- Seite 415 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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415 »Ich weiß, daß Ihr allem zu Hause seid, schönes Kind, und eben deßhalb bin ich hier. Es ist nicht von Geschästen die Rede. Ihr habt mir jüngst außerordentlich gut gefallen, holde Schöne, und weil ich gewissermaßen Schuld trage, daß Ihr Eurer Einkäufe verlustig wurdet, suhle ich mich bewogen. Euch ein Anerbieten als Entschädigung zu machen." „Hoheit zu dienen, ich heiße Tina." „Adieu schöne Dina, aus Wiedersehen morgen Abend." „Morgen Abend acht Uhr. nicht wahr Hoheit?" „Die Zeit wird bis dahin bleierne Flügel haben" — „Hoheit sind allzngütig"---—- Nun war Dina allein und sie dachte noch über die Der Souverain hielt inne, als er den fragenden Blick merkwürdige Angelegenheit nach, als ihr Bater eintrat und der schönen Goldaugen begegnete. mit Umarmung und Stirnkuß sein holdes Töchterlein segnete. Wieder völlig unbefangen rief lächelnd das erröthende Tann fragte er schelmisch — der alte Brummbär konnte Mädchen: „O, Hoheit, wie mögen Sie nur des kleinen Versogar bei ihrem sonnigen Anblick scherzen -— lustes gedenken. Mein Taschengeld ist reich genug, um solchen „Was meinst du Dina, wen ich draußen getroffen Hab?" Schaden zu decken, aber ich bin gerührt von Hoheit's Güte, Dina wurde roth und gedachte ihres seltsamen Besuchers, welche an dem größten wie kleinsten Betrübniß seiner Unterdoch brachte sie kein Wort hervor. thanen freundlichen Antheil nimmt." Lachend öffnete der Bater die Stubenthüre. Vergessen „Aber für den Schreck, den ich Euch cingeiagt, bin ich war die Begegnung mit dem Regenten —- da stand ja auf Euch Entschädigung schuldig", begann etwas unsicher der der Schwelle ihr lieber, guter Onkel Veitel, in dessen Hause Gepriesene wieder, und da will ich es machen, wie die Krönsie erzogen war, ihr zweiter Bater, und neben ihm dessen Prinzen im Märchen: ich gewähre Euch die Erfüllung dreier Sohn Abraham, der in Rostock „Doktor" studirte. Wünsche — aber es ist eine Bedingung dabei", fuhr er Einen Augenblick lag sie in des Alten Umarmung, der rasch fort und senkte einen Moment die flammenden Blicke vor seine schöne Nichte küßte und segnete, dann wandte sie sich, dem sanften Unschuldsstrahl, der dem seinigen begegnete, „die über und über roth, ihrem jungen Vetter zu. Bitten dürft Ihr nicht hier, sondern in meinem Schlosse thun." Sie umarmten sich nicht, aber ihre Blicke küßten fick „In Hoheits Schloß?"-- Dina's naives Staunen und Hand ruhte in Hand. Beitel stieß schmunzelnd seinen war grenzenlos über die widerfahrene Ehre. Schwager an, und der alte Bär sah so vergnügt und zu- „Ja, holdes Kind", rief der entzückte Fürst und faßte frieden aus, wie zu jenen Zeiten, als er sein geliebtes Weib ihre weiße Hand, welche von Brillanten strahlte, wünscht heimführte. was Ihr wollt, und ich gewähre es. Morgen Abend erwarte Ter Vater schnitt das Sabbathbrod, den mohnbestreuten ich Euch in meinem Gartcnschlößcheu. Aus dem linken Flügel Barches, an und sprach das Gebet, dann trug die Köchin werdet Ihr drei-Laternen am Eingänge brennen sehen, dort die Fische aus, und der süßsäuerliche Tust derselben durchsindet Ihr inich. Ihr werdet kommen, reizendes Wesen? drang den weiten Raum des hohen Wohngemachs. Eine fragte er emphatisch, und drückte die Nasenspitzen der feinen Flasche Wein wurde zu Ehren der Gäste entkorkt und als Finger an seine Brust. Tina und Abraham mit ihren Gläsern ansließen, war ihr Tina lächelte vergnügt: „Ja, wenn Hoheit erlauben; Bund im Himmel und auf Erden beschlossen, bin ich so frei." Thränen traten plötzlich in die noch eben Bald lenkte sich das Gespräch auf Abrahams Studien, lustsunkelndcn Augen. „Ich bedarf zwar Nichts. Das Er hatte fein Doktorexamen glänzend bestanden, und war im Einzigste was mir zu meineni Glücke fehlt, kann selbst Je- Begriffe, sich als Arzt in einem kleinen Städtchen niederzuhovah mir nicht wieder gehen; hin ist hin! Aber bis morgen lassen, aber sein Vater meinte: „Ick' Hab' ihm gerathen einft- Abend denke ich mir etwas recht Schönes für meinen lieben weilen im Ausland eine Stelle als Assistenzarzt anzunehmen, Vater aus und wenn Hoheit das erfüllen, werde ich Ihnen und sich soviel zu ersparen, um dann gleich in einer rechten ewig dankbar sein, ewig!" Stadt, hier in Schwerin wünsch' ich, sich niederzulassen. Ter Großherzog beugte sich zu dem rosigen Ohr der Tenn mein Abi will nicht, das; ich um seinetwillen Schulden Schönen und flüsterte: „Aber Niemand etwas sagen', mach, und der Verdienst ist alleweil schlecht. Wenn man Verstanden?" aber nicht gleich groß austreten kann, so kommt Einer von Dina schlug fröhlich die Händchen zusammen: „Nein, unsere Leut' nicht zu einer ordentlichen Praxis." nein, gewiß nicht, sonst wäre es ja keine Ueberrafchung. O, „Aber wie Ihr sprecht, Schwager! V-ozu heiß ich denn ich danke schon im Voraus, Hoheit, aber" — fügte sie vorder reiche Bär, wenn meinen eigene Mespoche nicht davon sichtig um sich blickend fort: „Bater wird gleich wiederkommen profmren will. Ich gab' Abi die nöthigen Gelder, und wenn und wenn wir es nicht verrathen wollen so" — — — er ein großer Ncann mit reicher Praxis Jewvrden, zahlt er „So soll ich mich jetzt entfernen, nicht wahr schönes sie mir wieder." Und der Alte kniff schlau das linke Auge Mädchen? Nur noch ein Wort. Wie heißt Ihr?" und nickre feiner Tochter zu. (Fortsetzung folgt.)