Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1881)
- Date
- 1881-06-21
- Page
- Seite 413 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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413 Falle gerade ihre ÄNajorennität erreicht und erklärt hatte, freiwillig.zur muselmännischen Religion übergetreten zu sein. Diesmal ist aber der Fall verschieden; die junge Jüdin ist blos 14 Jahre alt, und ihre Erklärung, das; sie nicht gewaltsam zurückgehalten werde, sondern von freien Stucken bleiben wolle, kann nicht in Betracht gezogen werden. Ter Baker ist in Verzweiflung und bestürmt das italienische Consulat mit Bitten, ihm sein Kind wieder zu verschaffen. In Berücksichtigung der warmen Vorstellungen der italienischen Botschaft hat die Pforte das Kind aus dem Hause des alten Türken, in dem es sich befand, nach dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten bringen lassen, in dem ihm ein Zimmer eingeräumt worden ist und wo es von den italienischen DragomauS gesprochen werden kann, aber stets in Gegenwart von Zaptiehs, damit es nicht entführt werde. Assim Pascha hat erklärt, daß das Mädchen nach den türkischen Gesetzen volljährig sei und daß man es daher nicht ansliefern werde. Auf der anderen Seite droht aber Graf Eorti, wie gesagt, mit einem Bruche, falls das Mädchen nicht dem Vater zurückgegeben wird. Pest, im Mai. ^Literarische Notizen.) Neulich erhielten wir eine Biographie Moses Mendelssohn'» in rumänischer Sprache. Dieselbe, von Herrn Lazar Sa in versaßt, erschien zuerst in der Zeitschrift „Fraternitatea“ und dann auch besonders unter dem Titel: .Aloise Mendelsohn viata si activitatea sa" (Bucuvesti 1880). Ter Verfasser stellt das Leben Mendelssohn'» dar, skizzirt die Hauptwerke des Philosophen und betrachtet in einem besonderen Capitel den Einfluß, welchen er direct und indirect auf die Verbesserung der politischen und socialen Zustände der Juden geübt hat. Tie Schrift welche nichts Neues enthält, wird in Rumänien hoffentlich Gutes wirken. — Von Herrn Sain erscheint demnächst eine rumänische Uebcrsctzung der Schrift Schleidens „lieber die Bedeutung der Juden für Erhaltung der Wissenschaften im Mittelalter". Kg. A e ui silder aus dem jüdischen Familienleben. Bon Lmmy Ztos1l-28utsfsohn. l - Nachdruck verboten. Ein rauher siürmischer Herbsttag, der letzte September des Jahres 1820. Tie Verkäufer ans dein Schweriner Wochenniarkte beeilten sich, ihre Waare loszuschlagcn, um dem schneidenden Sstwind zu entgehen. „Will die Jungfer nicht lieber die ganze Schlage Butter kaufen?" srug die Bäuerin das mit ihr feilschende Mädchen. „Jcb laß' ihr auch das Pfund zu fünf Schillingen." „Gott betvahre", rief dieses lebhaft, das wellige, üppige Braunhaar schüttelnd, „das ist ja ein Heidengeld'. Ich bin nur so ohne Tuch und Korb aus dem Hanse gelaufen, sonst ginge ich weiter und kaufte billiger. Aber wenn Ihr mir das ganze Stück für eine Mark lassen wollt, so behalt ich's." „Na, wenn die Jungfer meine Kundin bleiben will, soll sie es dafür haben," entschied die alte Bäuerin und wollte die grünen Runkelblätter, welche die schützende Hülle der goldgelben Butter bildeten, entfernen, aber die Jungfer that Einspruch. „ Laßt nur die Blätter darum, ich habe nur das Teller chen, da ich nicht so viel zu kaufen gedachte, sonst bringe ich sie nicht heim." Sie legte das Markstück nieder und wandte sich ihrem nahen Hause zu, als um die Ecke der Königsstraße eine Anzahl Sfsicicre traten, unter welchen ihr scharfes Auge den Großhcrzog erkannte. Rasch flog sie der offenen Hausthüre zu, aber o u>el,' — lleton. sie vergaß darüber das große Stück Butter auf dem kleinen Teller, und die ganze Bescheerung fiel gerade vor die Füße der inzwischen herangeschrittcncn Militairs. Ter joviale Friedrich Franz, ein Kenner holder Frauen schöne blieb, gefesselt von dem Anblick des reizenden, verivirrten Mädchens, plötzlich stehen und sah sic mit Bewunderung, in welche sich ein wenig Begehren stahl', an. Tie schöne Tina raffte die umhüllte Butter auf, schlug ihr brannwollenes Schürzchen darüber, und mit einem ehrerbietigen Knir lief sie rasch davon, dem entzückten Monarchen den schönsten Fuß im blüthenweißen Strumpf und rothen hochfarbigen Pantöffelchen durch den schnellen Lauf verrathend. Als sie im Hause des alten Bär entschwand, wandte sich der Großherzog im Weiterfchrcitcn lachend an seinen Adjutanten: „Wahrhaftig, im Bärenzwinger füttert man also auch Turteltäubchen. Donnerwetter, der alte Jude hat eine schone Köchin, viel zu schön für den Brummbär," und er bückte sich etwas näher an Graf Bülow's Shr: „Ein goldner Käfig wäre für. das Täubchen paffender als die düstere Bärengrube." Ter Adjutant sah bei dieser Erörterung sehr ernst aus: „Hoheit, das Mädchen ist keine Köchin, sondern die einzige Tochter des alten Bär. Seine Frau ist früh gestorben, deßhalb ist feine Tochter bei Verwandten erzogen, und erst seit acht Tagen in ihres Vaters Haus zurückgekehrt." „So, mein lieber Graf, — und woher wissen Sie denn so genau die Biographie der Bärenbrut?" srug ironisch lachend der Fürst, und blickte forschend seinen Adjutanten in's Auge.