Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1881)
- Date
- 1881-06-21
- Page
- Seite 412 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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412 Löwy aus London. Die Synagoge erfreut sich an jedem Sabbath zahlreichen Besuches; und jeden Sabbath wird gepredigt, abwechselnd englisch und deutsch. Am Sonntage findet der Religionsunterricht statt, und zwar in der Reli- und polnischen Juden keine Schuld. Vom Gefühle echt jü discher Solidarität durchdrungen, sind Letztere stets bereit, ihren spanischen Brüdern versöhnlich und liebevoll cntgegenzukommen. Leider besteht zwischen den rumänischen und Nnmänien. gionslehre, biblischen und jüdischen Geschichte und im Heb-i den polnischen ebenfalls ein scharfer Antagonismus. Diese räischen.! Gegensätze auszugleichen, ging ich vor einigen Jahren über! eine an mich ergangene Aufforderung daran, eine Zions-! löge, die sich in Bukarest segensreich bewährte, auch in Jassy Bukarest, 1. Juni. (Deputirtenkammer.) Bon dem I zu gründen. Leider aber mußte ich da die betrübende Wahrnch- Deputirten Jonesku wurde abmals eine Interpellation über mung machen, daß hier für das Gedeihen eines so heiligen die maffenhafte Einwanderung von Juden aus Rußland an die Institutes, wie es die Zionsbrüderschast ist, noch kein geeig- Regierung eingcbracht. neter Boden vorhanden ist, denn anstatt der eines Bereinig- Jassy, 20. April. Wie es nun die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Rumänien steht, ist allgemein bekannt. Weniger aber ist dies der Fall mit den internen Verhältnissen derselben, und doch ist dies dem unparteiischen Beobachter ungspunktes, wurde die Loge zum Tummelplatz turbulentester Leidenschaften. Tie rumänischen Juden haben gar zu balo durch ihre Animosität gegen die ausländischen polnischen Inden den Bestand der Zionsbrüderschast untergraben. Seit von Wichttgkeit, wenn er sich die Frage vorlegt: warun^der Zeit nämlich, als die Judenfrage in Rumänien an die unsere Glaubensgenossen in dem neugeschafienen Königreiche j Tagesordnung gekommen, machte sich bei den rumänischen nur so langsame Fortschritte in der Cultur machen? Eine Juden, die zwar gleich den polnischen Juden nicht autochthon Correspondenz vom obigen Datum im Lembergcr „Israelit" sind, die meist nur affectirte Meinung geltend, daß die polgiebt uns hierüber einigen Aufschluß und wir citircn deshalb j irischen Juden an allen Anfeindungen und Calamitäten schuld aus ihr folgende Stellen. j wären. Erst die eigenthnmliche Auslegung, die der Absatz „Der Haß und der Zwiespalt unter den Juden ist ein | 44 des Berliner Vertrages erfahren, wonach sämmtliche, so- Auswuchs der neueren Zeit. Hier in Rumänien haben sich! wohl eingeborene als eingewanderte Juden in Rumänien als in dieser Richtung Zustände hcrausgebildet, die wenn sie Fremde betrachtet werden, und erst nach larrgen und mühsenicht gar so traurig wären, hochkomisch sein müßten. ligcn Prozeduren das Bürgerrecht als Gnadengeschenk erhalschaut der spanische Jude hier aus den rumänischen und pol-! tcn können, bat ernüchternd aus unsere heißblütigen Jung nischen Glaubensgenoffen mit einem Hidalgostolz herab, derlrumäncn gewirkt und sie in unliebsamer Weise daraus ausseine Berechtigung weder in einer höheren Intelligenz, noch | merksam gemacht, daß auch sie sich zu den Juden zu zählen in irgend einer sonstigen Ueberlegenheit findet. Jeder! haben. sogenannte Franke oder Spaniole in Bukarest betrachtet! Möge der gemeinsame Druck wenigstens die eine gute sich als direkten Abkömmling des Maimonides, Jbn Esra Seite für uns haben, daß das Gefühl der Zusammengehörig :c., ohne von denselben etwas mehr als den bloßen Ramen,l keit geweckt, das Streben nach Verbrüderung gestärkt würde'. - - oft auch diesen nicht — zu kennen. Unsere Portugiesen > Dr. L. verwalten nicht nur ihr Gemeindewesen ganz gesondert, son-! ‘"Mnrf'ei dern bethätigen auch in solchen Sachen, die das Gemeindcin-; teresse des Judcnthums betressen, einen starrsinnigen Separa Konstantinopcl, im Mai. Ein Brief der „Pol. Corr." tismus. Als seinerzeit Herr David Popper in Bukarest dem aus Konstantinopcl berichtet von einem eigcnthümlichen Eon- Herrn Chalsen den Vorschlag machte, der daselbst zu grünslicte des italienischen Botschafters Grasen Corti mit der denden Filiale der Alliance Israelin beizntreten, verwarf! Hohen Pforte. Es ist ein junges Mädchen von 14 Jahren, Letzterer diesen Vorschlag mit der Bemerkung, daß Spanioeine Jüdin italienischer Nationalität, welche den Anlaß zu len mit Polnischen nichts gemein haben können, und cs beeinem Eonfliete gegeben hat. Es giebt hier türkische Weiber, durfte erst der eindringlichen Empfehlung seines Schwiegerwelche junge, hübsche Mädchen cbristlicher oder jüdischer Relivaters Herrn Comando in Constantinopel, damit sich die gion anfsnchen und ihnen goldene Berge versprechen, falls sic Spaniolen der Alliance Jsraälite anschlössen. sich zum Islam bekehren und in den Harem dieses oder Bis vor 18 Jahren hatten beide Gemeinden in Bukajenes Paschas eintreten. Ans diese Weise gelang es kürzlich rest noch einen gemeinschaftlichen Friedhof, so daß die im einer dieser galanten Vermittlerinnen, eine junge Italienerin Leben Unversöhnlichen im Tode wenigstens neben einander zu verlocken, und trotz aller Anstrengungen konnte Graf Corti ruhen konnten. Seitdem haben die Gemeinden gesonderte dieselbe nicht aus dem Harem, in den sie gebracht worden Friedhöfe. An dieser Lostrcnnung tragen die rumänischen war, wieder befreien, weil das Mädchen in diesem