Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1881)
- Date
- 1881-06-21
- Page
- Seite 411 (sequence 13)
- Language
- German
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411 seits mildert die außerordentlich lebhafte Coneurrenz, welche diese Letzteren einander bereiten, alle jene Uebel, welche sonst aus dem ihnen zufallenden Monopol entstünden, so daß beide Theile sich dabei ganz gut befinden. Gegen diese intelligente und an jener Stelle geradezu unersetzliche Klaffe der Bevölkerung wendet sich die von Beamten theils direkt, getragene, theils geduldete panflavistifche Agitation. Während der bevorstehenden Wahlen, wo der Branntwein ohnehin in freigebigster Weife den geschätzten Wählern zur Disposition gestellt wird, werden die Panslavistcn nicht ermangeln, mit diesem leichtfaßlichen Mittel die Massen zu Hetzen, und es kann geschehen, daß der sträfliche Unverstand einzelner Verwaltungs-Organe ihnen dabei behilflich wäre. Diese Bebindung der ärgsten Feinde des ungarischen Staates mit den Dienern der Staatsgewalt könnte leicht zu sehr bedauerlichen Conseguenzen führen. Wir haben dagegen im voraus warnen wollen, weil man bei uns zu Lande gewohnt ist, solche Tinge erst dann zu beachten, wenn die Gefahr schon in Hellen Flammen sichtbar ist." Pest, 30. Mai. (Privatmitth.) Das hiesige israelitische Landes-Taubstummen-Jnstitut hat gegenwärtig 48 Zöglinge, unter ihnen sind 3 Katholiken. Ta alle Freipläne besetzt sind, so ist das Institut nicht in der Lage, Zöglinge gratis aufzunehmen, es sei denn, daß demselben durch neue Stiftungen und sonstige Beiträge die Entfaltung einer intensiven Thätigkeit ermöglicht wird. In Preßburg verschied vorgestern nach längerem Leiden R. Feisch -Fischmann, der Magid der dortigen orthodoxen Gemeinde. In einer Versammlung, welche hier über die Angelegenheit der verfolgten russischen Juden jüngst berieth, machte sich nach „Egyetetes" die Meinung geltend, „daß die ungarischen Juden sich mit den russischen nicht als solidarisch betrachten können, nachdem erstere ungarische Staatsbürger find und sie die Judcnschast nicht als internationale Confession betrachten können!"') 1) Ein solcher Ausspruch ist uns unbegreiflich. Ist etwa der Katholizismus, der Protestantismus u. s. w. keine „internationale Conseision", und thut dies der Nationalität einen wesentlichen Abtruch? Wollen die magyarischen Juden magyarischer sein als die magyarischen Christen? Oder wollen sie ihre Religion verleugnen, und vergessen, daß sie gerade ebenso „Schema Israel" bekennen wie unsere russischen Glaubensgenoffen? Und überhaupt, giebr es der Noth und dem Elend gegenüber ein nationales Bedenken? Nicht im Kriege, viel weniger im Frieden. Haben etwa die deutschen Juten Bedenken getragen, für Szegedin zu spenden? Wenn die Gesinnung, die sich in dem Beschlüße der betreffenden Conferenz aussprach eine allgemeine würde, so wäre dies ein Beweis für die Zersetzung des Judenthums auch als Religion, der nicht stärker sein könnte. Wir begriffen, daß die dänischen Juden zu dem Denkmal für Rießer nichts beitragen wollten, weil er für Deutschland gegen Dänemark eingctreten war. Wir begreifen selbst, daß die Pester Äuranda jüngst nicht beglückwünschen wollten, weil er gegen den Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn gestimmt hatte. Aber daß die ungarischen Jyraufmcf). Paris, 10. Juni. Tic -Alliance isr. univ.- versendet Bulletins über die Erfolge der für die russischen Juden eröffneten Sammlung. Das erste desselben ist vom 10. Juni. Einer der ersten, der sich an der Sammlung betheiligte war ein Pariser Christ, Herr Cernnschi, der 12,000 srcS. spendete- Außerdem haben sich bereits hervorragende Christen, namentlich der Pastor Lichtenberger, Doyen der protestantisch-theologischen Fakultät von Paris, Pastor Paul de Fölice und Andere durch beträchtliche Gaben ausgezeichnet. Tie Freimaurerlogen in Frankreich veranstalten Subscriptionen, die Familie Oppenheim in Brüssel hat 10,000 frcs. gesandt, die übrigen Beträge befassen bisjctzt kleinere Summen, werden sich jedoch bald nach allen Seiten hin ansdehnen. Großbritannien. London, 8. Juni. Der Rechtsanwalt der britischen Botschaft in Petersburg, Mr. Gade, gab ein Gutachten ab, : des Engländers Lewyfohn Ausweisung ans Rußland, weil er Jude, verstoße gegen die russischen Gesetze; die Sache kommt; demnächst wieder vor das Unterhaus. Bradford, 2. Juni. (Privatmitth.) Seit etwa 30 Jahren haben sich in hiesiger Stadt nach und nach einige Israeliten, meist deutschen Ursprungs, niedergelassen,' deren Zahl mit dem kommerziellen Aufschwung der Stadt wuchs. Mehrfache Versuche, eine israelitische Gemeinde zu bilden, scheiterten, bis 1873 das Bedürfniß, einen Friedhof zu erhalten, in überraschender Weise zur Bildung einer Gemeinde führte, welche einen regelmäßigen Gottesdienst und den Religionsunterricht der Jugend durch die Anstellung des Rev. Joseph Strauß bewerkstelligte. Ter Wunsch, eine eigene Synagoge zu besitzen, erwachte, und nachdem Herr Bernhard Cohen 700 L. St. zum Ankauf eines Grundstücks gespendet hatte, wurden die Kosten des Baues mit ca. 3000 L. St. durch die opferwilligen Gaben der Mitglieder gedeckt und Herr Jacob Moser übernahm es, die innere Einrichtung der Synagoge und Schule auf seine Kosten herzustellcn. Im April 1880 wurde der Grundstein gelegt, und in diesen Tagen fand die Einweihung der verhältnißmäßig kleinen, aber prachtvoll im maurischen Style ausgeführten Sunagoge statt. Ter Gottesdienst ist nach dem der englischen Reformgemeinde eingerichtet. Ter Einweihung wohnten viele Honoratioren, auch christliche Geistliche, bei, und machte die Feier einen tiefen und erhebenden Eindruck. Das Weih- und das Schlußgcbet hielt Rev. I. Strauß, die Festpredigt Rev. A. Juden für ihre unglücklichen, alles Eigenthums beraubte:!, verhungernden russischen Glaubensbrnder nichts lhun wollen, weil diese Russen sind — das ist unerhört, nicht blas in der Geschichte des Judenthums, sondern auch in der ganzen Geschichte der Humanität! Redaction der Allg. Zrg. d. Jndenrhums.