Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1881)
- Date
- 1881-06-21
- Page
- Seite 403 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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403 „Einige russische Zeitungen wollen die allgemeine Juden- } fett zurückzuhalten. Im Süden sind viele Hunderte von 11n- Verfolgung im Süden durch den Versuch der revolutionären! ruhestiftern verhaftet worden." - Partei erklären, das Volk aufzuwiegeln und dadurch einen; Zusammenstoß mit der Regierungsgewalt herbeizuführen.! Wer mit den seit undenklicher Zeit bestehenden Beziehungen! der christlichen Bevölkerung des Südens zu den Juden, dem! Ueberhandnehmen der letzteren und deren Ausbeutung be» * Volkes näher bekannt ist, wird eine solche Annahme als reine Erfindung betrachten. Natürlicher und der Wahrheit entsprechender ist dagegen der Schluß, daß die große Mehrzahl der christlichen Bevölkerung des Südens (in den unteien Schichten im vollen Sinne des Wortes zu Proletariern geworden, die nichts zu verlieren haben und zum Theil obdachlos auf gut Glück massenweise nach dem Kaukasus aus wandern) der Versuchung nicht habe widerstehen können, bei den wohlhabenden Juden eine Entschädigung für ihr Elend zu suchen. Nur dem passiven Verhalten der Polizei und des Militärs ist es zuzuschreiben, wenn die Judenhetze einen solchen Umfang gewonnen. Fast will es scheinen, als sei der Regierung daran gelegen, die ungebetenen Gäste auf gute Art los zu werden; die Flucht der Wohlhabenderen auf österreichisches Gebiet nimmt mit jedem Tage zu. In Charkow sollen durch anonyme Briefe aus Petersburg an ver-! schiedene Personen Proclamationen der revolutionären Partei gerichtet worden sein, welche die Judenverfolgung anordnen. Aus Smolensk wird vom 10. d. berichtet, daß das Gerücht von einer auch hier beabsichtigten Judenverfolgung allgemeinen Schrecken unter den jüdischen Einwohnern verbreitet habe. Von der Verwaltungsbehörde wurden die nöthigen Maßregeln getroffen, und als am 1$. d. bei Gelegenheit einergroßen Procession sich eine Menge Landvolk in der Stadt einfand, wurden sechs Compagnien Infanterie und eine halbe Batterie in den Straßen aufgestellt. „Die Fama ist tausendzüngig und die Furcht hat große Augen", sagt das russische Sprichwort; waren doch die Juden in unserer guten Stadt Moskau in große Aufregung versetzt durch anonyme Ankündigungen, welche für den 21. d. eine Judenhetze vor- Sollte man glauben, daß eilte Redactiou, die svust so vorsichtig ist, dergleichen zuläßt wo die Widersprüche so klar entgegcntreten. Vorn wird geleugnet, daß die Anstöße von der revolutionären Partei ausgegaugcn, natürlich nur um die Juden desto leichter anschuldigen zu können, und gleich darauf wird berichtet, daß in Charkow Proclamationen der revolutionären Partei angelangt sind, welche „die Jndenver solgungen anordnen". Gleiches geschieht in Moskau und am Schluffe heißt es: „Im Süden sind viele Hunderte von Unruhestiftern verhaftet worden." Welche Logik? Aus allen Diesem geht nur die leidige Wahrnehmung hervor, daß die unglücklichen Juden in Rußland keine Annehmer finden, und daß die verschiedenen Parteien, nachdem die Unruhen gestillt zu sein scheinen, sich nur vereinigen, um den Gegen stand ihrer Tyrannei noch tiefer zu drücken und in der öffentlichen Meinung noch mehr zu schädigen. Ja, von wahrem Patriotismus und besserer Einsicht ist in dem durch wühlten Rußland keine Spur. Jede Partei, ohne Ausnahme, arbeitet nur dahin, die Verwirrung größer, die Zukunft ihres Vaterlandes düsterer zu machen. Hier bietet, und wir heben es gern hervor, einigen Trost nur das Verhalten der Polen. Die „Tribüne" bringt folgende Correspondenz: „Der schroffe und trotz mancherlei Versuche von hüben und drüben unbesiegbare Gegensatz zwischen Russen und Polen zeigt sich recht grell auch bei Gelegenheit der Judenverfolgungen. Während im eigentlichen Rußland und denjenigen früher polnischen Landestheilen, wo Juden zwischen dichten Massen von Russen seßhaft sind, dem jüdischen Stamme beinahe ein Vernichtungskrieg erklärt ist, der noch immer kein Ende gesunden hat, ist int ganzen Weichselgebiet sowie in Litthauen, sowohl in bctt Städten als auch auf dem platten Lande von dergleichen Schaudthaten nichts zu hören, und zwar, leider muß es gesagt werden, zum mehr oder weniger unverhohlenen Aerger gewisser russischer Preßorganc, aussagten. Der bezeichnete Tag ist ohne Störung vergandie es bitter empfinden, wie sehr die humane und noble gen, sehr natürlich, denn Moskau ist trotz seiner vielen Juden Haltung der polnischen Volkselemente den schutzlosen Juden keine eigentliche Judenstadt wie Elisabethgrad, Berditschew gegenüber die brutalen Ausschreitungen des höheren und und selbst Kiew und Odessa; überdies gehören die in Mosniederen russischen Pöbels vor den Augen Europas be kau theils ansässigen, theils zeitweilig hausirenden Juden schäme. Die polnische Presse, ganz im Gegensatz zu einigen der überwiegenden Mehrzahl nach keineswegs einer wohlrussischen Blättern, ist unermüdlich, dem Volke von Gewalthabenden Klaffe an; die wirklich reichen Juden stehen hier ans thätigkeiten gegen die Juden abzurathen und die leicht errcgeiner höheren Bildungsstufe als die Juden im Süden. Da ten Leidenschaften zu beruhigen. Das größte Verdienst jedoch, die Juden in Moskau ein Viertel bewohnen, an welches daß der bürgerliche Frieden nicht gestört worden ist, hat sich der große Gostini - dwor mit ganzen Reihen von Waarendie katholische Geistlichkeit erworben. Jene russischen Blätter Niederlagen stößt, so wurden Vorsichtsmaßregeln getroffen, behaupten freilich, daß nur der Haß gegen die Russen und nachts die Patrouillen vermehrt, und überdies den Fabrikanten die Möglichkeit, vor der ganzen civilifirten Welt aus den anbefohlen, ihre Arbeiter am 21. und 22. d. in den Fabriniedrigen Culturzustand der Judcnverfolger mit fingern hin-