Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1881)
- Date
- 1881-06-14
- Page
- Seite 390 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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§90 haben. Es stehen jetzt der Ausführung 132,000 Mark zu Kirche. Ich habe mich bemüht, die Judenfrage auf das Gebote und dies ist beträchtlich mehr, als die Sammlungen Niveau der anständigen und ruhigen Diskussion zu bringen für die Schiller- und die Goethestatue erreichten. Die „Köln. j und werde mich durch eine brüderliche Ermahnung davon Z." enthielt einen ausführlichen, den glücklichen Ausgang! nicht abhalten lasten. Dr. Langerhans: Die Leute, die bei feiernden Artikel, aus welchem wir hier eine charakteristische i der schändlichen Judenverfolgung in Rußland hingemordet Stelle wiedergebcn wollen:! sind, weckt man nicht wieder auf, wenn man die Agitation „ Es läßt sich nicht leugnen, daß dieser Erfolg durch! ändert. Die Judenhetze hat in Berlin angefangen und Herr besondere Verhältnisse, die mit der Verehrung des deutschen , Stöcker hat dabei mitgcwirkt. Redner setzt dann auseinander. Dichters unmittelbar nicht viel zu thun haben, wesentlich gefördert wurde. Gerade die geschmacklosen und unwürdigen Hetzereien, die just zu jener Zeit im Schwange waren, erwiesen sich dem unternommenen Werke dienlich, und diejenigen, welche in der Verblendung des Parteihaders den großen humanistischen Dichter und Denker auf die Berhältdaß ein Abgeordneter in dieser Eigenschaft, selbst wenn er Jude ist, wohl ein Recht hat, Kritik zu üben, wenn es sich um das kirchliche Verfastungsleben und die Uebergriffe irgend welcher Kirche handelt. Gesetzt aber auch, die HH. Dr. Straßmann und Löwe hätten nach dieser Richtung hin einen Fehler begangen: giebt das uns und unseren christlichen nisie eines confessionellen Tendenzschriftstellers verkleinern! Predigern das Recht, eine allgemeine Judenverfolgung zu inwollten, haben es sich gewiß nicht träumen lasten, daß ge-> sceniren? Christliche Prediger müsten im öffentlichen Leben rade sic zu eifrigen Agitatoren für das Lessingdenkmal gevor allein christliche Liebe Hochhalten, sonst ist eine kirchliche worden sind. Ein sehr namhafter Theil der Beiträge ist Entwickelung nicht möglich. Wenn man jetzt sieht, wie die zu jener Zeit in der That von solchen beigesteuert worden, Judenverfolgungen mit Blut nnd Mord endigen, so sollten die in Lcssing eigentlich weniger den Dichter der „Minna von Barnhclm", den Verfasser der „Hamburger Dramaturgie", bezw. des „Laokoon", als im besonderen den Dichter des „Nathan" und den Freund von Moses Mendelssohn verehren. Wenige Wochen nach der Veröffentlichung des Aufrufs waren Beiträge der Privaten und der Theater so bedeutend, daß die Errichtung des Denkmals als gesichert betrachtet werden konnte." Dies ist sehr verständlich nnd wir tvollen die Anerkennung, die darin liegt, durchaus nicht ablehnen. — Am 30. Mai hielt die „Kreis-Synode Berlin- Kölln" ihre 16. Sitzung. Aus den Verhandlungen heben tvir Folgendes hervor. Bei dem Berichte über die Domgcmcinde stellt Syn. Hcckmann den Antrag: „Die Synode richtet an Syn. Hofprediger Stöcker die brüderliche Ermahnung, von seiner agitatorischen Thätigkeit in der Judenfragc als dem Amte eines evangelischen Geistlichen nicht angemessen, ablassen zu wollen." Hofprediger Stöcker: Es scheint mir nicht die richtige Art, eine so brennende Tagesfragc, wie die Judenfragc, so nebenbei in der Synode zum Austrag zu bringen. Ich bin in der Judenfragc keineswegs als Angreifer aufgetreten. doch christliche Prediger von solcher Agitation zurücktreten. Syn. Bergereau: Das Urtheil der Geschichte über die Intoleranz des Mittelalters ist nicht auszulöschen. Unser Staat ist immer ein Staat der Toleranz gewesen und es ist bedauerlich, daß der Religionshaß gerade von christlichen Predigern gefördert wird in einer Weise, aus der der Pöbel bedauerliche Consequenzcn ziehen kann. Hofprediger Stöcker: Wenn Dr. Langerhans die bedauerlichen russischen Mordthatcn auf die deutsche Bewegung schiebt, so beweist das doch einige Unkenntniß, denn selbst die „jüdische Presse" hat zugestanden, daß die Judenverfolgung in Rußland durch den Nihilismus verursacht ist. Wir bekäinpfen aber bekanntlich den Nihilismus mit aller Kraft. Bei den Vorgängen in Argenau hätte er vielleicht eher ein gewisses Recht zu einer solchen Unterstellung gehabt, aber auch hier haben die Untersuchungen ergeben, daß lediglich der von mir gemißbilligte Gesang von Reservisten „Wir ziehen nach Jerusalem" einen Juden veranlaßt hat, mit Steinen zu werfen und aus dem Fenster zu schießen. Wie man in Rußland über mich und meine Agitation denkt, beweist ein mir von einem alten russischen Israeliten zugegangener Brief, worin mich derselbe bittet, das sondern als Einer, der von unserer Kirche und unserem Volke! alte Judenthum vom Rcformjudenthum zu befreien. (Heiterdie äußerste Schmach fern halten möchte. Wenn wir die keit.) Vor dem Volke constatire ich, daß De. Langerhans unerträglichsten, schamlosesten Angriffe der jüdischen Presse das Verhalten des Dr. Straßmann gebilligt hat, daß also Jahrzehnte hindurch ruhig hingenommen haben, will man es ein jüdischer Bürger das Recht hat in unsere christlichen Anda einem evangelischen Geistlichen verdenken, wenn ihm der gelegenheiten hineinzusprechen und das christliche Gefühl von Geduldsfaden reißt und er mit all' seiner Kraft eintritt für 40 Millionen evangelischer Bürger zu beleidigen. Ich bin die evangelische Kirche und das evangelische Volk, will man geneigt, den Juden gegenüber jedes Maß der Nachsicht und cs da einem evangelischen Geistlichen verargen, wenn er em- Duldung zu üben, aber ich werde es nicht ruhig mit anpört wird über die Anmaßung zweier jüdischer Männer,' sehen, daß wir von einer Minorität in den heiligsten Gütern öffentliche Kritik zu üben über Angelegenheiten der christlichen ' unserer Nation gefährdet werden. Wenn Sie Dr. Straßmann