Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1881)
- Date
- 1881-06-14
- Page
- Seite 389 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Anstalten, für das Rothe Kreuz und das Gesängnißkomit6, für Ueberschwemmte und Abgebrannte, ohne Ansehen ber | Konfession! — Und wie dankt ihnen das Land? Nicht allein mit Spott und Hohn, mit Fluch und Verachtung lohnt es ihnen, nein auch an Hab' und Gut, an Leib und Leben bedroht es sie! — Freilich doch! Haben sie doch Reichthümer gesammelt, die Andere zu sammeln nicht verstanden, haben sie doch Schätze gefunden, die Andere nicht entdecken konnten, haben sie doch Wege gebahnt, die für Andere verschlossen blieben. Da steckt schließlich die eigentliche Spitze des Dolches, den man dem Juden auf die Brust setzt: reich ist er geworden! Man haßt eben, wen man beneidet! Nun aber frage ich, wie stünde es denn, wenn der Jude nicht reich geworden wäre? Ganz abgesehen von den Tausenden Juden, die arm und mühselig „im Staube der Straße" dahinziehcn und kaum das tägliche Brod verdienen, wie stünde cs denn, wenn der praktische und intelligente Jude sich nicht des Handels und der Industrie bemächtigt und sie auf einen relativen Höhepunkt gebracht hätte? Stünde cs dann wirklich besser nni die Andern? Würdet Ihr Anderen es besser haben, wehr verdienen? Das Gesetz legt doch nicht Euch, sondern gerade dem Juden Hindernisse in den -Weg! Er überwindet sie, Ihr aber — ja warum schlaft denn Ihr, statt Euch Zu rühren, ihm den Weg zu verlegen?! Ihr seid doch die Mehrzahl, die Geschützten, die Bevorzugten, ja selbst die Reicheren, denn Ihr selbst sagt es ja, der Jude beginne arm und werde dennoch schnell reich. Auch hierauf habt Ihr eine Antwort: „Der Jude scheue kein Mittel, um zu verdienen, er sei gewissenlos, darum könne man mit ihm nicht konkurriren!" O, Ihr Tugendhelden! O, Ihr Splitterrichter; Ich habe bis ci t*i 11 icj >1 Deutschland. Berlin, 1. Juni. (Privatmitth.) Die Eouservativen halten jetzt hier Versammlungen in verschiedenen Bezirken behufs Wahlagitation. Sie finden auch eine Anzahl An Hänger; doch sieht man immer dieselben Gesichter in allen diesen Versammlungen. Die Conservativen gehen aber auch offen zu Wege, und haben die Verschämtheit abgelegt, in welche sie sich früher hüllten. 'Als einen wesentlichen Punkt ihres Programms stellen sie „den christlichen Staat" ans und erklären diesen sofort als einen solchen, in welchem nur christliche Obrigkeit, christliche Richter, christliche Lehrer u. s. w. geduldet, also die Juden von dem gesammten öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Dies wird also ein Moment der Wahlagitation bei den bevorstehenden Wahlen sein, und wenn es conservative Männer geben sollte, die diesen jetzt in den schlimmsten Jndenseindeu nichts weniger als die moralischsten und gewiffenszartesten Seelen gesunden. Scheut Ihr denn die schlechten Mittel, wenn ihr sie kennt und es versteht, sie ohne „Gefahr" zu benutzen? Ist Euer Gewissen rein und vorwurfsfrei in Geschäft und Verkehr, in Amt und Stellung? O nicht doch! Aber an Intelligenz, an Arbeitskraft und Arbeitslust, au Ausdauer fehlt cs Euch, und das; der Jude diese Eigenschaften besitzt und Euch dadurch überj slügelt, wurmt Euch. Seid doch froh, daß er für euch mit denkt, und wenn er aus den Quellen des Landes, aus Handel und Industrie Reichthümcr zieht, so vergeßt nicht, daß die Reichthümer dem Lande bleiben und ihm zu Gute kommen, l Euch auch, jedem Einzelnen im Kleinen, dem Ganzen aber j im Großen! Hieraus — wosern ich nicht Unrecht habe — folgt, daß es nicht um ein Haar besser um Rußland stunde, wenn kein Jude darin existirte, kein Jude reich wäre. Schlechter vielmehr stunde cs um Land und Leute; denn der Jude hat neben seinen unleugbaren Nationalfehlern auch seine Ratio - naltugenden, und dazu gehört nächst seinem Sinne für die Familie, den kein Volk in diesem Maße besitzt, in erster Reihe sein Wohlthätigkeitssinn. Ter Jude thut wohl im Kleinen, wie im Großen, und über das ganze Land hin kann man die Spuren davon sehen. Wäre der Jude nicht reich. Andere wären trotzdem sicher nicht wohlhabender, als sie cs eben durch eigene Kraft werden konnten (eher haben Konkurrenz und Vorbild ihren Eifer gespornt), dem Armen . dagegen ginge verloren, was der wohlhabende, was der reiche Jude spendet, und ich wünschte nur, es ließe sich eine Statistik darüber znsammenstellen, wieviel das ist; die Welt würde ’; staunen!" Umsturz unserer Staatsverfaffnng nicht billigen, jedoch der konservativen Partei sich nicht entziehen wollen, so müssen sie jenen stillschweigend mit ans sich nehmen, und dies wissen die Führer der Agitation recht wohl. — Hiesige Blätter versichern, daß Richard Wagner, der der Ausführung seiner „Nibelungen" hier beigcwohnt, vor seiner Abreise 400 M. an I>>. Bernhard Förster als Beitrag zu den Kosten der Antisemitenpetition geschickt habe. Daß dies in den bekannten Gesinnungen Wagner's keinen Widerspruch findet, wissen unsere Leser. Tie nicht geringe Zahl von Juden, z. B. auch die Redakteure des Börsen- Couriers", welche Wagner nicht allein mit ihren Huldigungen umgaben, sondern angestrengt dahin gearbeitet haben, ihm Hierselbst das Terrain zu ebenen, werden in dieser That Wagner's ihren Lohn finden! — Indeß sind wir reichlich entschädigt durch den großen Erfolg, den die Sammlungen für das Lessingdenkmal erlang