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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-14 · Heft 24 (14.6.1881) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 24 (14.6.1881)
Date
1881-06-14
Page
Seite 388 (sequence 6)
Language
German
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388 Der Gemeinderath von Kiew hat 3000 Rubel für die von circa 70 russischen Bahnarbcitern angestistct wurden, unglücklichen Juden gespendet. Die Unruhen in Woloczyska waren vorbereitet. Die An- Der "Porjadok" meldet: „Der Metropolit von Kiew > fälle wiederholten sich durch drei Nächte, trotzdem verhielten soll alle Priester seiner Eparchie ansgesordert haben, in beit Kirchen gegen die Judenverfolgungen zu predigen. Eine! ähnliche Verordnung soll auch der Metropolit von Moskau! erlassen haben. Es verlautet, daß auch die h. Synode in j diesem Sinn allgemeine Maßregeln ergreifen wird." Ob J diese Maßregel, die nebenbei bemerkt, ergriffen wird, nachdem die Judenhetze sich gelegt hat, von Erfolg sein wird? Ausl Kiew wird jetzt nämlich gemeldet, daß in den Dörfern des j dortigen Gouvernements zwei Popen, welche zum Frieden mahnten, auf's Gröblichste von den Unruhestiftern insultirt wurden. Ihre Häuser wurden zerstört und der Eine von ihnen sogar geschlagen. — In Odessa wurden bei vielen Verhafteten antisemitische Proklamationen, aus Velinpapier mit goldenen Buchstaben gedruckt, gesunden. Die Unterschrift lautet Alexander III. und im Texte wird behauptet, daß es des Czars Wille sei, die Juden zu massacriren, daß jedoch die Minister dagegen seien. Darum wolle der Czar, daß die Behörden von dem Ukas nichts erfahren, weshalb Niemandem der Ukas gezeigt werden soll. Warschau, 21. Mai. (Germania). Sie haben bereits betont, in welch' hervorragender Weise die in allen Kirchen Warschaus verlesene Ansprache des Herrn Erzbisthumverwesers Sotkiewicz dazu beigetragen hat, daß die hier gleichfalls beabsichtigt gewesene Judenverfolgung von vornherein verhindert worden ist. Dem genannten Prälaten, sowie dem gesummten katholischen Elerus haben aus diesem Grunde die hiesigen Juden die gebührende Anerkennung und Dankbarkeit nicht versagt. Diese Gefühle fanden zunächst Ausdruck in einer in den hiesigen Synagogen zur Vorlesung gelangten Ansprache des hiesigen Rabbinats, in der daraus hingewiescn wird, daß die Ruhe in Folge der Haltung des katholischen Clerns und der polnischen Zeitungen nicht gestört worden ist. Gestern begab sich außerdem eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde zu unserem Erzbisthumsverwescr, um demselben persönlich den Dank der Gemeinde für den ihr zu Theil gewordenen Schutz darzubringen. Die Deputation gab zugleich ihrer Hochachtung der katholischen Kirche gegenüber Ausdruck und versicherte, daß die Juden bestrebt sein tvürden, die ihnen obliegenden Pflichten ihren Mitbürgern gegenüber zu erfüllen; die Deputation erklärte, sie würde cs sich zur Ausgabe machen, diese Gefühle der großen Masse ihrer Glaubensgenossen einzuprägen, um so mehr, als die Haltung der katholischen Kirche ihr diese Ausgabe so bedeutend erleichtere. Podwoloczyska, 22. Mai.') Meldung des „N. W. Tageblatt": Es ist jetzt konftatirt, daß die Juden-Maffakres i) Wir erinnern, daß Podtvoloczyska, das österr. Städtchen, von dein russischen Woloczyska nur durch ein Flüßchen getrennt ist. Redakt. sich die russischen Behörden passiv, ja sogar provozirend. Major v. Oglio soll sogar thätigen Antheil an dem Judenkrawall genommen haben. Der Telegraphenleiter in Woloczyska unterdrückte eine Depesche, in welcher um Militär angesucht wurde. Der Stations-Vorstand in Woloczyska, den ein verfolgter Jude um ein Asyl für seine Familie bat, wars denselben mit den Worten: „Verkaufst den Zucker zu theuer, das Pfund zu 21 Kopeken, Jud!" hinaus. Nur Major Karoloff wird rühmend genannt. Drrselbe wollte dem Judenkrawall ein Ende machen und verhaftete vierundzwanzig Rädelsführer, welche jedoch Oglio befreien ließ. Oglio erhielt von Petersburg die lakonische Depesche: „Beruhigen Sie das Volk'." trotzdem schritt er nicht ein. Thatsächlich waren russische Beamte Anstifter. Diese entsendeten anfangs Arbeiter, welche weitere Helfer warben, die Arbeiter, die Nachts die Juden übersielen, hatten in ihren Händen verschiedenfarbige Bahnlaternen. Oglio hatte den Juden verboten, Revolver zu gebrauchen. In Woloczyska weilt jetzt eine Kommission von Stary-Konstantinow, die sich mit den letzten Judenkrawallen beschäftigt. Gegen die Excedenten in den Dörfern ist bereits heute mit schweren Strafen vorgcgangcn worden. Zehn Rädelsführer wurden verhaftet und nach Stary-Konstantinow geschickt. Hingegen verschloß sich die Kommission gegenüber den verhörten Juden bezüglich deren Aussagen über maßgebende Personen und Beamte, welche die Judenkrawallc hervorgerusen hatten. Als die Juden darüber erzählen wollten, antwortete die Kommission: Genug, wir wissen dies schon! Major Oglio soll aus Furcht vor Strafe entflohen sein. Heute expedirte das hiesige UnterstützungS-Äomite 200 Personen nach Woloczyska; jede Familie erhielt einige Rubel. Hier befinden sich noch 200 geflüchtete russische Juden, meistentheils reichere Geschäftsleute. Petersburg, 25 Mai. Zu der Judenhetze veröffentlicht die konservative und streng evangelische deutsche „St. Petersburger Zeitung" ein Eingesandt „von einem Christen", dem wir die folgenden treffenden Bemerkungen entnehmen: „Als vollkommen Unparteiischer, soweit es möglich ist, für das Recht nicht Partei zu ergreifen, — möchte ich nämlich jene obscönen Publicisten, die ihre Ansichten durch bissige, persönliche Angriffe verthcidigcn, fragen, ob sie wohl eine Idee davon haben, wie viel jene geschmähten Juden, deren Einige sie glaubten an den Pranger der Oeffentlichkeit stellen zu müssen, für das Wohl Rußlands gethan haben? Nicht etwa nur für die jüdischen Gemeinden, die jüdischen Schulen, die jüdischen Asyle, nein ich meine, für reinchristliche Anstalten, oft für speziell christliche Zwecke, für den Bau von Kirchen und Schulen, für Arnrenhäuser und Wohlthätigkeits-

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