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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-14 · Heft 24 (14.6.1881) · p. Seite 386

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 24 (14.6.1881)
Date
1881-06-14
Page
Seite 386 (sequence 4)
Language
German
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386 belehrt uns in zahlreichen traurigen Beispielen, daß abtründeutschen Konservatismus gehüllten Revolutionäre dann das nige Juden die ärgsten Verfolger ihrer früheren Glaubens-! Feuer nach den preußischen Grcnzprovinzen verpflanzen zu genoffcn waren, welche den Haß des Volkes auf jede Weise,| können. Das polnische Volk und die polnische Geistlichkeit auch durch schändliche Erdichtungen, gegen die Juden zu! blieben aber für diese Wühlereien unzugänglich, und somit entflammen suchten. Rußland selbst hatte jüngst in dem : fällt diese Schmach auf die preußischen Antisemiten zurück, berüchtigten Bravmann ein Beispiel davon. Warum sollten! Wenn aber die Anarchisten die Juden zu einem Experialso vom Judenthum abgcfallene Nihilisten nicht von ähnmcntirfelde ausersahen, um das revolutionäre Fieber im russischer Gesinnung fein und ihre Genossen abhalten wollen,; scheu Volke anzufachen, so mußten sie dabei eine Scheiihre Pläne durch den Sturm auf die Juden zur Ausführung i düng und Absonderung zwischen dem letzteren und den Juden zu bringen? — Dabei ist nicht zu verkennen, daß die Lässigvoraussctzen. Und diese Scheidung ist allerdings vorhanden, keit der Regierung, die bei den ersten Anzeichen entschiedene und bietet für lange Zeit noch den Grund zu einer gewissen Befehle zur Unterdrückung jedes Versuches hätte geben müssen, Spannung, die leicht zu Feindseligkeiten ausartet. Wäre es viel dazu beigetragen hat, daß der Aufstand sich so leicht nun möglich, diese Scheidung zu beseitigen und auf welche und so weit ausdehnen konnte. Dies wäre um so mehr ihre Weise? Um dies zu beantworten, muß man die Ursachen Pflicht gewesen, als schon viele Wochen lang die Gerüchte derselben aufsuchen. Die beiden hauptsächlichsten Momente über beabsichtigte Judenverfolgungen in Südrußland verbrcijener Absonderung werden in der Religion und in der Getet und bereits selbst im Westen Europas bekannt waren.! setzgebung gefunden werden. Daß die Religion und Con- Bei der sonderbaren Lage der Tinge in Rußland wußten : fession eine Trennung zwischen den Menschen, eine Entsremdaher viele Beamte nicht, ob sie Gewalt gegen das Volk düng, einen Gegensatz hervorzubringen nicht brauche, sondern gebrauchen sollten, und andere, die den Juden übel wollten, ein friedliches Neben- und Miteinanderleben recht wohl zuhatten freies Spiel, die frevlerischen Banden vielmehr aufzulaste, das ist eine Anschauung, die zuerst in den gebildetsten muntern als abzuschrecken.— Diese beiden Momente erscheinen Kreisen Platz greift, und dann erst nach längerer Zeit in uns als die Hauptursachen, auf welche wir die Schuld legen einem durchgebildeten Volke herrschend wird. Wir begegnen müffen. Dafür spricht einerseits, daß es nur Verhältnisihr gegenwärtig am meisten in Nordamerika, Frankreich, Belmäßig kleine Haufen von Plünderern und Mordbrennern gien und Italien. Selbst in Deutschland braucht man nur waren, welche die Mistethaten vollführten, und die zum auf die Stellung der Protestanten und Katholiken zu einangrößten Theil von außen in die Städte und Ortschaften einder zu blicken, um die trennende Einwirkung der Confession drangen, und daß die eigentliche Bevölkerung nur müßig zunoch zu erkennen. Wie sollte also die Religion in einem sah und jetzt zum Theil über das angerichtete Unheil klagt, Volke, das in der Bildung noch so weit zurücksteht, und ja sogar den unglücklichen Juden Hülfe spendete; andererseits dessen religiöse Anschauung noch so überaus zum Aberglaudaß die Behörden, sobald sie von Petersburg Weisung erhalbcu neigt, nicht eine Scheidung verursachen, welche eine tieften und Ernst machten, die wüthigen Haufen mit Leichtiggehende Wirksamkeit ansübt? Aber noch schärfer wird diese keit auseinandertrieben und den Aufstand überwältigten. Wir Absonderung durch die russische Gesetzgebung genährt und können uns deshalb der Ansicht nicht entziehen, daß das ausgeprägt. Tie Ausnahmegesetze, unter welche sie die Jueigentliche russische Volk nicht mit den Verfolgern Gemein-! den stellt, und bei fast jedem erfließenden allgemeinen Geschäft machte und durchaus die Wuth und die schändlichen! setze wieder belebt, benachtheiligen nicht allein die Juden, Triebe jener Räuber und Mörder nicht thcilte, weil sonst die! sondern stellen sie dem Volke stets als ein abgesondertes Dinge noch einen viel ärgeren Verlauf genommen hätten.! Glied, ja als ein verderbliches dar, welches besondere Maß- Auf dasselbe fällt daher nur die Unterlastungsschnld, daß cs nahmen zur Einzäunung und Beschränkung erfordern. Man gewähren ließ, wo cs hätte wehren sollen. Hieran aber > hat eS in allen eivilisirten Staaten, in welchen die Gleich» trägt wiederum die russische Presse die Hauptschuld, welche! stellung aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze zum Staatsseit Jahren in rohester Weise die Juden schmähetc und ver-! gruudsatz gemacht worden, zu sehr erfahren, wie ausgleichend folgte und in den Augen des großen Publicums als eine! und versöhnend dieselbe auf die Anhänger verschiedener Reverderbliche Menschenklasse darstellte. Ilm das Bild vollstäni ligionSbekenntnisse wirkt, um nicht zu erkennen, wie sehr das dig zu machen, darf auch nicht übergangen werden, daß in Gegentheil durch das entgegengesetzte Verfahren der Gesetzden westlichen Provinzen, namentlich in Warschau, die Ber-! gcbung erwirkt wird. Hieran kniipfen sich aber noch andere suche zu ähnlichen empörenden Scenen von den preußischen i Folgen. Althistorischc Religionen und althistorische Gesetzge- Antisemiten angezettelt wurden, welche die deutschen Arbeiter! bungen sind keine blos theoretischen Erscheinungen, sondern dazu anzufeuern suchten. Hierfür liegen thatsächliche Be-1 sie schaffen im Volke die tiefgehendsten Besonderheiten in weise vor. Wahrscheinlich hofften diese, in dein Mantel des! Sitten, Gebräuchen und Lebensweisen, die sich unangetastet.

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