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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-16 · Heft 124 (16.10.1838) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 124 (16.10.1838)
Date
1838-10-16
Page
Seite 501 (sequence 3)
Language
German
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501 Lager stehenso sähe ich jetzt schon Dein Schwert in der Lust, und Deine trotzigen Schaaren an dem Feinde. Mögen tapste Männer immerhin das Recht haben, sich hoch über andere zu stellen, aber über des Vorgesetzten Haupt sollen sie nicht die verwegene Stirn erheben. Das duld' ich nicht, in meinem Heere nicht, Dich rief ich zum Rath, weit ich Dich hoch genug achte, aber Du willst nicht rathen, sondern befehlen, weil Du Dich zu hoch achtest. Geh', und erwarte meine Befehle. Mithradates, sprach der Jude mit starker drohender Stimme, und legte die nervige Faust an den Griff seines Schwertes. Aber als er seinen funkelnden Blick durch den Kreis der Anwesenden schweifen ließ, und überall Schrecken und Mißbilligung über sein kühnes Auftreten sichtbar ward, da kehrte die Besonnenheit zurück, und indem er das Schwert in die Scheide zurückstieß, verbeugte er sich geziemend vor dem Feldherrn, und kehrte zu den Seinen zurück. Ich gehe, sagte er scheidend, aber Du rufst mich bald genug zurück. Die syrischen Feldobersten zitterten über Antipaters Trotz, und wagten den Blick nicht zu dem Befehlshaber zu erheben, aus Furcht, Gegenstand seines Zorns zu werden. Aber sie irrten sich in Mithradates Charakter, welcher viel weniger despotisch war, als man von einem asiatischen Machthaber hatte erwarten sollen. Nur gegen Antipater war er jetzt aufgebracht, gütig gegen die Uebrigen, und ohne ein herrisches Wort zu gebrauchen, befahl er, Anstalt zum Sturme zu treffen. Die Feldherren entfernten sich schweigend, und im Kurzen stand das ganze Lager unter Waffen. Indessen rückten die ungeduldigen Feinde von neuem zum Kampfe heran, und schon stritt man um die Verschanzungen, als Mithradates mit seiner gesammten Macht hervorbrach, und den linken Flügel der Feinde heftig angriff. Ueberrascht wichen diese zurück, und mit Schmerz bemerkte Antipater, welckftr langsam gegen den rechten Flügel vordrang, wie unvorsichtig schnell und kühn der Syrer den Weichenden nachfolgte. Er mahnte die Seinen zur Ruhe und Mäßigung, und fand bald Gelegenheit, sich von den guten Folgen dieses Zauderns zu überzeugen. Mit der größten Wuth entbrannte der Kampf auf dem rechten Flügel der Syrer, und immer mehr drängte sich die Macht der Feinde auf diesem Hauptpunkte zusammen, wahrend Antipater gegenüber nur eine verhaltnißmaßig starke Schaar stehen blieb. Bald wankte indeß die Schlachtreife der Syrer, und Antipater sah' seine Prophezeiung eines unglücklichen Ausgangs schon halb erfüllt, denn gegen die Uebermacht war im offenen Felde kein Sieg zu hoffen. Dennoch mußte ein schleuniger Rückzug in das Lager die größte Gefahr bringen, und darum beschloß er, den ihm gegenüberstehenden Haufen schnell zu werfen, und dann die Hauptmacht in der Flanke zu fassen. Mit unwiderstehlicher Gewalt stürmte das jüdische Fußvolk und die arabische Reiterei aufdie Aegypter ein, und jagte die halb Sorglosen in einem raschen Angriffe auseinander. Wol suchten die Anführer ihre Krieger von neuem zu ordnen, allein die Pfeile der Araber vermehrten mit jedem Augenblicke die Verwirrung, und bald zerstreute sich Alles auf der Ebene, um auf Umwegen das Hauptheer zu erreichen. Von diesem hatte Antipater sie mit aller Gewalt und Kunst abzuschneiden gesucht. Aber der Tug war für die Aegypter noch immer unverloren, denn auf dem linken Flügel kämpften sie siegreich und vordringend. Die Syrer wichen. Unordnung schritt vernichtender durch ihre Reihen, als der Feinde Schwert, und Mithradates gedachte zaghaft an Antipaters Worte. Nur der Zorn hatte ihm Vertrauen zu sich eingeflößt, der Anblick seiner weichenden Schaaren zerstörte es gänzlich. Durch einen möglichst guten Rückzug glaubte er allein zu seinem Ziele zu gelangen, und eilte durch die Reihen der Weichenden, um wenigstens den Schein von Ordnung herzustellen. Aber die Aegypter stürmten, von Roß und Wagen und Siegesahnung getragen, immer wilder herein. Dahin stob ein Haufen der Syrer und dorthin. Einzelne Führer kämpften noch mit den Tapfersten zusammengedrängt. Die Glieder des Heer's waren zerrissen, der Geist daraus entwichen, das Haupt rathlos. Siegsgeschrei der Aegypter zitterte furchtbar durch der Syrer Herz. Mithradates war außer sich. Da mit einem Male sieht er die Bewegung der Feinde stocken; ihr Jubel verstummt vor wildem Kampfgeschrei; es entsteht eine Lücke zwischen Verfolgern und Verfolgten. Zu den Waffen ruft er mit neuem Lebensmuthe, und sein Ruf geht von Mund zu Mund. Bald ist der Kampf wieder zum Stehen gebracht. Syrische Lanzen und Schwerter strecken sich vorwärts. Antkpater hatte seinen Plan mit Geschick und Muth ausgeführt. Unerwartet hatte er die Feinde im Rücken und in der Flanke genommen, und der zermalmende Schrecken schritt als mächtiger Vorkämpfer vor der muthigen Schaar einher. Mit ihm im Bunde freilich Antipater selbst und der gewaltige Eleazar und alle die jüdischen Kampfer, welche sich heute unter ihren beiden ritterlichen Anführern unüberwindlich vorkamen. Unüberwindlichkeit aber besieht fast ganz allein in dem festen Glauben Aller daran, und kommt und geht daher gewöhnlich mit einem Siege oder Verluste. Bald hielten die Aegypter jeden Widerstand für Tollkühnheit. Die racheschnaubmden Syrer fanden nur noch kraft-

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