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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-07 · Heft 23 (7.6.1881) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 23 (7.6.1881)
Date
1881-06-07
Page
Seite 377 (sequence 11)
Language
German
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377 daß hier das schönste Einvernehmen unter allen Confessioncn herrscht. , Als in unserer Nachbargemeinde Barel der Prediger und Lehrer daselbst, Herr Neumark, am 8. d. M. das 25jährige Dienstjubiläum seiner dortigen Wirksamkeit feierte, wurde ihm aus allen Kreisen der städtischen Bevölkerung die größte Thcilnahme entgegengcbracht, ein sehr großer Thcil der Häuser war zur Ehre des Tages mit Flaggen geschmückt. Auch unser verehrter Landrabb., Herr Dr. Glück von hier, war zur Beglückwünschung erschienen und hob in recht herzlichen Worten an den Jubilar dessen Verdienste rühmend hervor. Seine Gemeinde und ehemaligen Schüler ehrten ihn in Anbetracht seiner tüchtigen Leistungen durch ein Geschenk von 750 Mark. Da der Jubilar bereits 4'.» Jahre amtirt, so wird er mit Gottes Hülfe bald auch sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum feiern können. Großbritannien. London, 23. Mai. (Unterhaus.) Der Staatssekretär Dilke antwortete dem Abg. de Worms, sobald eine authentische Abschrift der Gesetze über den Aufenthalt der Juden in Rußland eingegangen sei, erwäge die Regierung, ob sie Schritte thun kann, um eine Modifizirung der Gesetze zu erlangen. Rumänien. Bukarest, 21. Mai. In Beantwortung der Interpellation des Deputirten Joncscu, betreffend die Maßregeln gegen die massenhafte Einwanderung der aus Rußland flüchtenden Juden, erklärte der Minister des Innern, daß er den Befehl ertheilt habe, daß jüdischen Vagabunden oder solchen Juden, welche nicht im Besitze eines vorschriftsmäßigen Pastes sind, der Ucbertritt nach Rumänien nicht gestattet werdensolle. (Es bedarf keines Scharfsinns, um zu wissen, was dies bedeutet — cs ist ein Verbot, sich über die rumänische Grenze zu flüchten!) Bonn, 29. Mai. (Notizen.) Man schreibt uns ans Wormditt: Am 17. d. M. feierten hier — da jedes öffentliche Aufsehen von den Betheiligten vermieden werden wollte -- die ältesten und allgemein geachteten Mitglieder hiesiger Gemeinde, Herr Lachmann Heymann und dcsien Ehefrau, Rachel, die sich im hohen Alter von 85 resp. ÖOVi Jahren befinden, nach scchszigjährigcr, glücklich verlebter Ehe, im traulichen Familienkreise das seltene Fest ihrer Diamantenen Jnbelhochzeit. Aus allen Kreisen, auch der christlichen Bürgerschaft, wurden dem ehrwürdigen Paare Beweise der Hochachtung dargebracht. Jeuilleton. Correspon-euz. Essen, 4. Mai. Die Errichtung einer Vorbeter-Bildungs-Austalt. Die folgenden Zeilen haben den Zweck, eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen, die meines Erachtens eine gar nicht unwichtige ist, und deren Lösuug über kurz oder lang erfolgen muß, wenn wir unseren Gottesdienst nicht schädigen wollen. Ich meine die Errichtung einer Anstalt zur Ausbildung von Vorbetern. Es ist gewiß überflüssig, hier die Bedeutung der heiligen Funktionen eines “iri r-'b. auseinderzusetzen; hervorgehoben aber muß werden, daß der Vorbeter der Hauptträger unseres Gottesdienstes ist. Wohl kann eine Gemeinde sich ohne Rabbiner und Prediger behelfen, nicht aber ohne einen Borbeter. Und dennoch hat man Anstalten zur Ausbildung von Rabbinern errichtet, nicht aber solche zur Ausbildung von Borbetern. Zunächst will ich bemerken, daß das Amt des Borbeters meistens — Großgemeinden ausgenommen — in Verbindung mit anderen Aemtern gebracht wird. Daß dieses geschieht, ist ganz in der Ordnung, weil die Borbeterfunktionen nur eine geringe Zeit in Anspruch nehmen und weil kleine und mittlere Gemeinden auch ihren Etat in Betracht ziehen müsien. In den östlichen Provinzen ist der 7-. Zugleich ümr und manchmal auch Religionslehrer, der aber selten oder nie ein Seminar besucht hat. Wer das eine Amt versieht, muß unter allen Umständen auch das andere versehen. Ganz anders verhält es sich in den westlichen Provinzen und meistens in Süddeutschland. Hier ist der Lehrer, d. h. der den Elementar- und Religionsunterricht ertheilt, auch zugleich Eultusbeamter; obgleich man hier im Allgemeinen nur vom „Lehrer" spricht. Meiner Ansicht nach ist die Verbindung des Lehr- und Vorbeteramts auch die richtige. Ist cs nach unseren heutigen Anschauungen etwa angemessener, daß der aus dem Schlachthause Heimgekehrte mit blutbespritzten Kleidern vor den Almemor tritt und dort den Gottesdienst abhält? Das Amt des ist in denjenigen Orten, in welchen aus der ntrnr noch eine Gemeindesteuer erhoben wird, am geeignetsten mit dem rer ■■ Dienste in Verbindung zu bringen. Die Errichtung einer Borbeterbildungsrnstalt ist nach dem vorher Gesagten nur im Anschluß an ein Lehrerseminar zu denken. In unseren jüdischen Lehrerseminaricn ist aber keine Zeit zur vollständigen und gründlichen Ausbildung von Borbetern, weil dem Seminar-Musikunterricht nur eine geringe Anzahl von Stunden zugewiesen sind. Nur wenigen, musikalisch Begabten gelingt die Ausbildung. Da aber die Seminaristen schon die Grundlage der Musik sich angeeignet

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