Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-07 · Heft 23 (7.6.1881) · p. Seite 375

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 23 (7.6.1881)
Date
1881-06-07
Page
Seite 375 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227363--39010-3308284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

375 Bezirken oushalte. Bezüglich aller in die oft-, westpreußischen und posen'schen Bezirke übertretenden oder sich dort aushaltenden russisch-polnischen Unterthanen haben die Landräthe die Entscheidung des Oberpräsidenten darüber nachzusuchen, ob der Aufenthalt, sei es innerhalb einer bestimmten Gemeinde, eines Kreises oder der ganzen Provinz, zu gestatten und an welche Einschränkungen etwa diese Erlaubniß zu knüpfen ist. Die desfallsigen Berichte sollen der Regel Israel ist ein fremdes Volk, es soll unseren Schutz genießen. es soll so viel Schutzrechte haben, als cs nur eben geht, aber mit wählen, mit gewählt werden, gewerbliche, gar obrigkeitliche Aemter einnehmen, das ist principiell absolut zu verwerfen, nur glaube ich eben, daß man die Judenfrage bei dem heutigen Standpunkt principiell gar nicht behandeln kann. Principiell ist sicherlich die Judenemancipation ein Jrrthum vom religiösen Standpunkt, wie vom nationalen und nach für jeden einzelnen Fall, unter Beifügung der über die focialen. Redner führt diesen Gedanken weiter aus. Vom persönlichen Verhältnisie der Uebergetretenen sowie über die socialen Standpunkt ist principiell die Emancipation unge- Umstände und Gründe des Uebertritts auszunehmenden Verhandlungen und alle sonstigen Ausweise, besonders erstattet werden. Nur hinsichtlich s olcher Uebergetretenen, welche zweifellos unverdächtig sind und dem ländlichen Arbeiterstande angehören, soll die Zusammenfassung der einzelnen Fälle in rechtfertigt, weil die Juden Rechte verlangen und die damit verbundenen Pflichten nicht üben, sie verlangen Gleichstellung und wollen doch die Gleichstellung in der Pflicht alle Arbeitsstellungen cinzunehmen, nicht anerkennen. (Eine wahrhaft grandiose Leistung hofpriesterlichcr Logik!) Aber freilich, eng periodisch zu erstattenden Gesammtberichten zulässig sein.! bei einander wohnen die Gedanken und hart im Raum stoßen Dem Uebertritt solcher russisch-polnischer Ueberläufer u. s. w.! sich die Sachen. Ist die Emancipation auch ein Jrrthum, nach Preußen, welche sich als Bettler, Landstreicher oder sonst j „fie ist leider, das gesteht auch Herr Stöcker zu, eine als lästige, beziehungsweise gefährliche Personen darstellend Thatsache, mit der eine Partei rechnen muß. Tic Aufhebung ist von vorn herein „mit allen zulässigen Mitteln entgegen-j dieser Emancipation, so principiell richtig sic wäre, verträgt zutreten". Falls der Uebertritt selbst jedoch nicht verhindert; sich nicht mit der Zeit und unseren politischen Verhältnissen, werden kann, sollen die Polizeibehörden und -Beamten er-^ Wir würden sie ausheben, eine etwa folgende liberale Aera mächtigt sein, derartige Personen auch nach ihrem Uebertritt! sie wieder einführen, und so würde unser ganzes Staatsleben, alsbald über die Grenze zurückzuweisen, beziehungsweise zu-!für uns selbst zum Schaden, darin verlausen, ob wir den rückschaffen zu lasten. Bon einer solchen Zurückweisung über! Juden die Emancipation geben oder nehmen sollen. Wir die Grenze dürfen jedoch solche Personen nicht betroffen wollen daher keine gewaltsame Lösung der Frage, sondern werden, welche einer der vorbezeichneten Kategorien nicht anj wollen zunächst abwarten, ob nicht unsere jüdischen Mitbürger gehören, beziehungsweise schon einen Wohnort im Inlandeis allmählich selbst verstehen werden, sich eine Stellung zu haben. Für alle Fälle, in welchen die Zurückweisung des geben, wie sie nöthig ist, damit unsere Bolkscigenthümlichbetreffenden Ueberläufers über die Grenze nach Lage der obfeiten nicht leiden" u. s. w. waltenden Umstände nicht unbedenklich geboten, beziehungsj Berlin, 24. Mai. In der heutigen Sitzung des Reichsweise zulässig erscheint, soll zunächst die Entscheidung des tages wurde über die „Zusatz-Convention zu dem dcutsch- Landraths eingeholt werden, welcher erforderlichenfalls selbst chinesischen Freundschasts-Schistsahrts- und Handelsverträge" nähere Anweisung über das einzuschlagendc Verfahren bei verhandelt. Der Abg. I>r. v. Bunsen nahm dabei Gelegendem Oberpräsidenten nachzusuchen hat. heit, sich folgendermaßen zu äußern: — Es ist offenbar, daß Stöcker in dem, was er die! Mit Vergnügen habe ich in dem Vertrage gesehen, daß „Judenfrage" nennt, durch seine Genoffen Hcnrici, Förster über verschiedene hochwichtige Fragen weitere Verhandlungen und Ruppel immer mehr rechts gedrängt, und seine Reden in Aussicht stehen, so daß ich mich beinahe scheue, einige zu geist- und inhaltslosem Geschwätz werden. Zum Beweis j Wünsche, die ich bei Lesung des Vertrages nicht habe unterhierfür geben wir folgenden Bericht wieder. j drücken können, hier auszusprcchcn. So würde ich nament- Herr Stöcker unterhielt seine Hörer in einer Vcrsammlich wünschen, daß deutscherseits die Initiative ergriffen lung der Christlich-Socialen, zu der sich auch die Herren würde zum Schutze der jüdischen Religion in China, da ein Liebcrmann, v. Sonnenberg, Dr. Förster und Ruppel eingc-, großer Theil der dort handeltreibenden Deutschen israelitisch funden hatten, am Freitag in der Tonhalle wieder einmal ist und vertragsmäßig bisher nur die Christen geschützt sind, über die Judenfrage. Diesmal trat Herr Stöcker mit einem, Die Frage hat gerade im gegenwärtigen Augenblicke eine gewie es den Anschein hat. durch die Ereigniffe in Argenan wisse Bedeutung gegenüber den Vorgängen, welche zuerst in und Rußland „geläuterten" Programm vor seine Gemeinde. Deutschland und dann in streng logischer Folge auch in Ruß- Principiell, sagt er, ist es ja richtig, ist es eigentlich unbeland gegen die Bekenner des mosaischen Glaubens zu Tage greiflich, daß ein Jude Richter sein soll über ein christliches getreten sind. (Hört, hört!) Wenn es richtig ist, daß ein Volk. Es ist ein principieller Standpunkt, wenn man sagt, Schmeichler eigentlich nichts anderes thut, als dem Gegen- 23

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.