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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-31 · Heft 22 (31.5.1881) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 22 (31.5.1881)
Date
1881-05-31
Page
Seite 362 (sequence 12)
Language
German
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362 denken Cremieux's gewidmet, plaidirte er eifrig für die in! Jerusalem zu errichtenden Schulen. Schließlich wurden die; in d. Bl. bereits mitgetheilten Statutenvcränderungen ohne Widerspruch genehmigt und die Sitzung aufgehoben.! Großbritannien. London, 18. Mai. Unterhaus. In Beantwortung einer; Anfrage des Abg. Baron de Worms in Betreff der Ausweisungen britischer Juden aus Petersburg und ob es wahr sei, daß das russische Gesetz fremden Juden den Aufenthalt in Petersburg verbiete, verlas Untersiaatssecretär Dilke mehrere Auszüge aus den russischen Gesetzen über den Aufenthalt ausländischer Juden in Rußland und erklärte, daß die englische Regierung wegen der Ausweisung des britannischen Staatsangehörigen Lewisohn aus Petersburg energischen Einspruch erhoben habe. Auch die Regierung der Vereinigten Staaten, welche bekanntlich stets in sehr guten Beziehungen gestanden, habe gegen das Verfahren des Gouverneurs von Petersburg Einspruch erhoben, und zwar in sehr scharfer Weise; indcß habe auch diese Regierung in der fraglichen Angelegenheit nicht den geringsten Erfolg erzielt. Baron de Worms fragte, ob die Regierung nicht beabsichtige, gegen eine mächtige Regierung, wie die russische, Schritte zu thun, um die Unterdrückung ihrer Unterthanen zu verhindern. Es scheine, als ob die Regierung sich zu solchen Schritten nur schwachen Staaten gegenüber entschließen könne. (Gelächter). Ten von den Abgeordneten Cowen und Churchill gestellten Anfragen gegenüber, bemerkte Dilke, die Regierung habe sich noch nicht endgültig darüber entschieden, ob sie wegen der in Südrußland gegen die Juden begangenen Gewaltthätigkeiten bei der russischen Regierung vorstellig werden wolle. Der persischen Regierungen seien wegen der Lage der jüdischen und der christlichen Bevölkerung in Persien Vorstellungen gemacht worden. Rumänien. Bukarest, 18. Mai. Teputirtenkammer. Eine Anfrage, welche Maßregeln die Regierung gegen die massenhafte Einwanderung der aus Rußland flüchtenden Juden getroffen habe, versprach der Minister in drei Tagen zu beantworten. Bonn, 22. Mai. (Notizen.) Man schreibt uns aus Berlin: Herr Professor Emil Breslaur, Direktor des Berliner Klavier-Lehrer-Seminars, Redacteur der musikpädagogischeu Zeitschrift'. Der Klavier-Lehrer, ist zum Meister und Eyrenmitgliede des „Freien Deutschen Hochstiftszu Frankftirt am Main ernannt worden. — Man schreibt uns aus Amsterdam: Der Direktor der Taubstummen-Anstalt zu Rotttcrdam, der sehr geachtete Herr D. Hirsch, feierte am! 8. d. sein 50. jähriges Jubiläum als Taubstummen-Lehrer.! Zu Müntz geboren, begann er daselbst seineLaufbahn, errichtete später eine Taubstnmmen-Anstalt in Aachen, von der er nach Rotterdam berufen wurde. Hier führte er die deutsche Methode ein, und übte dadurch auch auf ausländische Einrichtungen, besonders in Belgien und Italien großen Einfluß aus. Die vielen Ovationen und Geschenke, die der Jubilar bei dieser Gelegenheit seitens Lehrer und Schüler, der Vorsteher der israel. Gemeinde, wie auch seitens der Behörden empfangen hat, bewiesen genug, was der Herr H. im Laufe seiner 34 jährigen Thätigkeit hier geleistet haben muß. Als Präsident der israel. Schulcommission, als Mitglied des Kirchenraths, als Präsident des Schulfonds u. s. w. hat Herr H. auch der jüdischen Gemeinde große Dienste; geleistet, und an diesem Tage von allen Seiten die allgemeine Anerkennung und Dankesbeweise empfangen. — Der : Vertreter der italienischen Regierung in der internationalen Münz-Eonferenz zu Paris ist der Deputirtc Luzzati, ein Israelit. Derselbe wurde in der jetzigen Ministerkrisis mehr- I fach als zum Finanzministerium bestimmt aufgestellt. — Feuilleton. lieber die Höhe -er mosaischen Gesetzgebung. Es ist höchst interessant, zu beobackten, wie die moderne Erfahrungswissenschaft in so vielen Momenten eine Begründung der mosaischen Gesetzgebung bringt und damit diejenigen überrascht, welche eine solche zu vermuthen am wenigsten geneigt waren. Professor Birchow veröffentlicht in der neuesten Nummer seines „Archivs" eine interessante Zuschrift des vr. John Worlabet, Arzt am St. Johannes-Hospital in Beyrut, über den Ausbruch einer von diesem beobachteten großen Trichinen-Epidemie in dem Dorfe El-Khiam in der Nähe der Jordanquellen, welche unzweifelhaft auf den Genuß des Fleisches eines einzigen Wildschweines zurückzusühren war. Bei sämmtlichen Dorfbewohnern, welche davon gegessen hatten, traten in der dritten bis vierten Woche darauf die Symptome der Trichinosis ein. und zwar erkrankten 124 Männer, 103 Frauen und 35 Kinder, im Ganzen 262 Personen, von denen nur sechs starben. Ucber die natürlichen Gewohnheiten des in jenen Marschgegenden sehr häufig vorkommenden Wildschweines ist zu erwähnen, daß es von den Wurzeln des Papyrus lebt und, mit seinem Rüssel den Boden aufwühlend, auch allerlei kleine Thiere frißt, als: Würmer, Schlangen und wilde Ratten, welche letzeren zuweilen Trichinen führen. Dazu bemerkt Pros. Virchow, daß auch schon in Deutschland beim Wildschwein Trichinen aufgefunden wurden, daß jedoch das hier zum ersten Male constatirte

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