Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1881)
- Date
- 1881-05-31
- Page
- Seite 360 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227339-3227362--38994-3308267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
360 Borgängen in der Lesehalle das eonsiliulu abeunili erhallen den christlichen Kameraden — oder wenigstens einma* und über den Empfang quittiren müssen.! dem Gottesdienste beizuwohnen." — Der Justizminister Dr. Friedberg soll, laut der! Hierauf erwiederte die Commandantur: „Rat.-Ztg", über die Vorgänge in Argenau (Judenkrawall) einen Bericht eingefordert haben, der vom Staatsanwalt in: Bromberg angefertigt worden sei. Es heiße, daß der Kaiser! die Erstattung eines besonderen Berichts gewünscht habe. j — Aus dem hiesigen Ostbahnhof kamen gestern 400; jüdische Auswanderer aus Rußland an, die sich nach Amerika begeben wollen. Bei dem großen Umfang, den die Judenbetze in Rußland erlangt hat, ist die Aussage der Reisenden, es würden ihnen noch viele Auswandererzüge folgen, nicht unwahrscheinlich. — Aus Schneidemühl telegraphirt man Bormittag, daß aus dem dortigen Bahnhofe eine von Antisemiten provocirte große Prügelei stattgefunden habe. Leipzig, 16. Mai. (Privatmitth.) Gestern fand hier die Versammlung der studentischen Mitglieder der „akademischen Lesehalle" statt. Bei der Wahl der beiden studentischen Vorstandsmitglieder trugen die liberalen Mitglieder den Sieg davon, und es ist bezeichnend, daß gewählt wurden: stud. phil. Lier und stud. theol. Schäger, Mitglieder des „Comites zur Bekämpfung der antisemitischen Agitation" — jedenfalls ein Schritt zum Besseren, da es beweist, daß die liberalen Elemente in der Studentenschaft sich zusammensinden und stärken. Aus dem ReichSlande, im Mai. l Privatmitth.) Bekanntlich wurden 1872 die Seminarien des Reichslandes zu confessionslosen Anstalten umgewandelt, so daß katholische, protestantische und jüdische Seminaristen dieselben Anstalten besuchten. Der gegenwärtige Statthalter hat diese Einrichtung wieder ausgehoben und das katholische Seminar in Colmar und das protestantische in Straßburg wieder hergestellt; die jüdischen Seminaristen können nach freier Wahl das eine oder das andere besuchen. Bor einiger Zeit hatte man im Reichslande seitens der Israeliten den Gedanken gefaßt, ein eigenes Rabbinerseminar zu errichten, da die Zöglinge des Pariser nicht mehr bei uns verwendbar sind, die deutschen Rabbiner-Seminare aber den Orthodoxen nicht Vertrauen genug einflößen. Der Gedanke ist wieder eingeschlafen; es sind keine Mittel dazu vorhanden, und zwar fehlt es nicht blos an den finanziellen. Brandenburg a. d. H. den 18. Mai. (Privatmitth.) Unterm 16. d. M. beantragte ich, gestützt auf die sehr dankenswerthe humane Berücksichtigung, welche die an die Militärbehörden hiesigen Orts im religiösen Interesse jüdischer Soldaten gerichteten Gesuche bislang gesunden, auf Veranlassung eines jüdischen Füsiliers bei der betressenden Commandantur: „Demselben zn gestatten, nivliatlich zweimal — gleich „Daß der Füsilier L. zur Theilnahme an dem jüdischen Gottesdienste in denselben Grenzen beurlaubt werden wird, welche für den Kirchgang im Allgemeinen vorgeschrieben sind." Es sei noch bemerkt, daß mir diese Erwiederung schon am Tage der Gesuchsstellung geworden. Rabb. Dr. Kroner. Stuttgart, 17. Mai. (Privatmitth.) Die hiesige israelitische Gemeinde feierte letzten Samstag in feierlichem Festgottesdienste das 20jährige Bestehen der neuen Synagoge, von dem trefflichen Synagogenchore wurde Händel's „Hallelujah" aufgeführt. Abends fand im Bürgermuseum eine musikalische Unterhaltung statt, welche der Synagogenchor gab und die sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Sämmtliche Mitwirkende ernteten reichen Beifall. — Ter Redakteur des hiesigen social-demokratischen Blattes, Moses Oppenheimer, früher Lehrer und bekannt als Verfasser zweier sehr lesenswerthen Broschüren gegen Stöcker, ist als Candidat für die Reichstagsabgeordnetenwahl für den Bezirk Elberfeld an die Stelle Hasselmanns ausgestellt worden. Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. Mai. (Privatmitth.) Ich bin nicht mehr jung, und habe schon manches erlebt und gesehen: aber einen derartigen erlogenen Bericht, wie ihn das Organ des Krakauer Rabbiners Schreiber in Lemberg vom 5. April über die jüngst stattgefundene Enquöte verössentlicht, habe ich noch nicht erlebt. Da ist jedes Wort eine Unwahrheit. In demselben wird gewissermaßen über die Genesis dieser Enquete berichtet. Da heißt es, daß die sogenannte Reformpartei den Minister zu derselben veranlaßt hätte. Wie jedoch allgemein bekannt ist, beschäftigt man sich im Ministerium mit dieser Frage seit dem Jahre 1848. Sie wurde acuter, seitdem die Freizügigkeit gesetzlich gestattet ist. Man ließ sich jedoch Zeit und wieder Zeit. Als aber im vorigen Jahre eine jüdische Gemeinde in Mähren, in Betreff einer Cultussteuer-Frage, klagbar beim Reichsgerichte gegen das Cultusministerium auftrat, und letzeres den Kürzeren zog, da konnte das Ministerium nicht länger zögern. Possirlich nimmt sich die Geschichte aus, welche berichtet, wie der Minister Herrn Schreiber in's Garn lockte, damit dieser die Einladung zur Enquete annehme. Herr Schreiber wollte sich nämlich angeblich nicht in schlechte Gesellschaft (2'jr.D n~r\N) begeben, da versprach ihm der Minister, es werde zu keiner Abstimmung kommen; aber wie sich herausstellte, hatte ihn der Minister belogen. Daß diese ganze Er-