Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1881)
- Date
- 1881-05-31
- Page
- Seite 359 (sequence 9)
- Language
- German
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futiben; zwar unfähig, irgend eine Gegenaktion wider die fabethgrad und Kiew kündigen den fortschreitenden Sieg des Umsturzbewegung zu entfalten, waren sie doch vermöge ihres Nihilismus an. Bisher war der letztere eine im Finstern Stabilismus geeignet, Träger der alten Ordnung zu fein, schleichende Confpiration, jetzt wird er eine politische Macht; Wie wird es aber um das Bestehende in Rußland werden, bis heute hatte er nur Märtyrer, jetzt gewinnt er eine riesenwenn diese kolossale Masse in Bewegung geräth? ES ist hafte Gemeinde; bisher arbeitete er mit Dynamit, jetzt rücken ganz gleichgiltig, gegen wen sie sich zuerst kehrt; ist die Ladie Sensen ins Tressen und sic werden eine furchtbare Ernte wine in's Rollen gekommen, dann giebt cs keine Macht, die machen. Ob die russischen Staatsmänner diese Bedeutung ihr eine bestimmte Richtung anweisen kann. Und das Nader Ereignisse erkannt haben, wer weiß es zn sagen?" türlichc ist, daß die Bewegung den Faktoren der Revolution Laut jüngsten Depeschen ist die Ruhe in Südruß- und der Zerstörung folgen muß. Gegenüber einer ungeland überall wiederhergestellt. heuern Volksmenge, in welcher die Begierde nach fremdem! Petersburg, 18. Mai. Wie verschiedene Blätter Besitz und der Trieb nach Ausschreitungen lebendig geworden,! melden, wurde der Banquier Baron Güntzburg vom Großkönnen die Faktoren des Staates unmöglich mit jenen des: fürsten Wladimir in Audienz empfangen, wobei der Großfürst Umsturzes konkurriren. In Rußland dagegen bezeichnet die! äußerte, der Grund der Judenhetze sei nicht die Aufregung Judenhetze den Eintritt der unteren Bolksmasse in den Krei^ gegen die Juden, sondern die Tendenz, überhaupt Unruhen der sozialen und staatlichen Revolution, und man kann cs > hervorzurufen. — ohne Uebertreibung sagen: die scheußlichen Vorgänge in Eli-! t t'i 11-1cpnactj ziemew. Deutschland. Berlin, 18. Mai. (Privatmitth.) Die Antisemiten haben es so weit gebracht, daß hier unter ihrem Namen nur noch die Bande roher Gesellen verstanden wird, welche von Versammlung zu Versammlung zieht, um die Auflösung durch die Polizei herbeizuführen, wo es dann an dem Hauptvcrgnügen der Schlägereien oder wie der Berliner sagt, der Keilereien nicht fehlt. An Betrügereien, um Eintrittskarten in die ihnen sonst versagten Versammlungen zu erwischen, lassen ste es ebenfalls nicht mangeln. Wir können mit dieser Entfaltung der Agitation nicht unzufrieden sein. — Kaum hat das Semester an der Universität wieder begonnen, so regen sich unter den Studenten die unlautern Elemente. Einen Einblick hierin giebt folgender Aufruf: „An die Commilitonen. Bon vielen Seiten ausgefordert, zu den bevorstehenden Ausschußwahlen Stellung zu nehmen, geben wir der Beurtheilung der Commilitonen folgende Erwägungen! anheim. Der Ausschuß stellt eine Vertretung der Gesammt- Studentenschaft der Oeffentlichkeit gegenüber dar und zwar in ihren specifisch studentischen Interessen. Darum widerspricht jedes Hineintragen nichtstudentischer Tendenzen den Zweck und dem Wesen dieser Vertretung. Handelt es sich dabei vollends nm eine so unmoralische und schnöde Agitatation wie die antisemitische — welche die unverschuldete Stammeszugehörigkeit einer Menschenklaffe zum Grunde ihrer Anfeindungen macht — so erreicht die Widersinnigkeit ihren Gipfel. Was soll ein Ausschuß, der, so oder so, einen Theil der Studentenschaft zu principiellen Gegnern hat? Wir haben es selbst erlebt, zu welchen Scenen eine Ausschußwahl, unter der Herrschaft solcher Gegensätze vorgenommen, führt. Wir wünschen nicht, daß das schon geschädigte Ansehen der Berliner Studentenschaft durch neue Tumulte neuen Abbruch erleide. Die Abstimmungen bei den letzten Wahlen haben es klar erwiesen, daß die Mehrzahl der Commilitonen (selbst ohne die große Masie der Indolenten) auf unserer Seite steht. Das genügt uns. Wir fordern demgemäß alle gleichgesinnten Commilitonen auf, sich mit uns der diesmaligen Wahlen zu enthalten. Die Mitglieder des ehemaligen Comitös zur Bekämpfung der antisemitischen Agitation unter den Studenten" Diesem Aufrufe entsprechend blieben der Wahlversammlung alle libera len Elemente fern, und der Ausschuß ist den Gegnern überlasten. Hiermit hat er natürlich auch seinen Charakter und seine Bedeutung verloren. — Die Beschwerde des Herrn v. Schramm wegen der über ihn verhängten Verweisung von der hiesigen Universität ist nach dem „Reichsboten" vom Cultusminister zurückgewiesen worden. — Ueber die letzten Vorgänge an der hiesigen Universität erfährt der „Börsen Courier" Folgendes: Die hiesige Universität scheint von unruhigen Elementen gründlich purisicirt werden zu sollen. So sind die Herren Grewing, Timann und Seeländer, welche sich als Mitglieder des ehe- S maligen Vereins „Deutscher Studenten" bei der antisemi-! tischen Bewegung der academischen Jugend stark hervorge-! than haben, am Dienstag vor den Universitätsrichter citirt | worden. Dort haben sie wegen ihrer Betheiligung an den