Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1881)
- Date
- 1881-05-31
- Page
- Seite 358 (sequence 8)
- Language
- German
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358 genden kommen hierher Juden. In einem Dorfe bei Schme- Plünderung und Mord gewöhnt hat, werden sich die Gewaltrinka sind jüdische Buden und Häuser zerstört worden. thätigkeiten auch gegen andere, vielleicht gegen den Adel und Tiraspol. Ein Bataillon hiesiger Soldaten sind aus die reichen Klöster richten. Dennoch scheinen Civil- und Midie Station Jerelkowo befördert (Clisabethgrad'sche Eisenbahn), litärbehörden nicht nur ihre Pflicht zu versäumen, sondern um die Ordnung in Ananjew herzustellen, wo bereits die sogar den Friedensstörern Borschub zu leisten. Als Flüchtjüdischen Häuser zerstört und jüdisches Eigenthum vernichtetj linge aus Kiew sind in Lemberg die ehemaligen Millionäre worden sind, wie auch in den herumliegcnden Dörfern. Brodski angekommen, deren Etablissements, Fabriken und Schmerinka. In Folge der Judenverfolgungen in! Waarenlager vollständig zerstört sind. Nach ihren Mittheiverschiedenen hier in der Umgegend liegenden Städten Haftungen berichtet ein Correspondent des „N. W. Tgbl." über Alle ein panischer Schrecken erfaßt. Das Landvolk ist außer j bie Kiewer Tumulte unter Anderem: „In Kiew war es Rand und Band. Die armen Juden haben sich aus der! hauptsächlich der Beamte Eisman und General Czerkasow, Eisenbahnstation eingefundcn, um Schutz zu finden, die welche judenseindlich auftraten. Zu Czerkasow kamen einige reichen und bemittelten ließen ihr Eigcnthum im Stich und, Juden und wollten bei ihm ihre letzte Baarschaft deponiren. verlassen für immer ihre Wohnsitze. i Czerkasow jagte sie aus dem Hause, indem er ihnen nachrief: — Sollte man es für möglich halten, daß trotz dieser! „Ihr Juden habt dieses Loos verdient." Human benahm schauerlichen, Vorgänge dieses Hohns auf den Schutz und j sich dagegen der Truppenkommandant General Wauowski, die Sicherheit, welche der Staat verbürgt, trotz der Gefahren! ein Pole, welcher den jüdischen Familien ein Asyl in seiner für die gesammte bürgerliche Gesellschaft, die offenbar aus I eigenen Wohnung bot. Räthselhaft bleibt das Verhalten des solchen Ausständen entspringen müffen, ein Theil der russischen Preffe fortfährt, gegen die Juden zu schüren und die unsinnigsten Projekte gegen diese auszuhecken? So bringt am 14. Mai die panslavistische „Nowoje Wremja" einen längeren Artikel über die Judenverfolgungen im Süden. Sie bespricht die Borkommniffe in Elisabethgrad, Kiew, Odeffa, Solta u. s. w. und knüpft daran den Vorschlag, den Juden General Gouverneurs Drentelen. Sonntag Mittags wurde ein förmlicher Kriegsrath einberufen, welcher beschloß, daß von den Waffen kein Gebrauch gemacht werden solle. Zur Entschuldigung Drentelen's wird bemerkt, daß er Widerstand von Seite des Militärs befürchtet habe; es ist jedoch anders gekommen: das Militär hat seine Pflicht gethan. Diese Haltung der Behörden trägt sicher nicht wenig dazu bei, daß das Leben so sauer zu machen, daß sie wohl vorziehen! die Judenverfolgung sich wie eine Epidemie über ganz würden, Rußland freiwillig zu verlassen. „Zur Ausführung Rußland ausbreitet." dieses Gedankens sind durchaus keine Gewaltmaßregeln erforderlich, man braucht die Juden weder zu mißhandeln, noch sie als Sklaven zu verkaufen, überhaupt keine mittelalterlichen Maßregeln zu ergreifen, die ebenso verwerflich wie nutzlos sind. Es würde genügen, wenn ein auf die Juden bezügliches Gesetz ausgearbeitet würde, das die Juden zu bewegen geeignet erscheint, in's Ausland auszuwandern, um dort ihre commerciellen Fähigkeiten zu verwerthen." Die Vorschläge dieser edlen Panslavisten wollen wir nicht weiter anführen. Nur der Schluß scheint uns nicht uneben. Es sollten nämlich Einrichtungen getroffen werden, „welche die Auswanderung der Juden aus Rußland erleichtert. Die armen Classen der jüdischen Bevölkerung wären, im Falle sie auswandern wollen, zu unterstützen unter der Bedingung, — Die „Franks. Zig." will auf „indirektem Wege" aus Petersburg vom 15. Mai erfahren: Wegen Befürchtungen von Judenhetzen versammelte Baranow die israelitischen Gemeindeältesten und bat um vorläufige Zurückhaltung gegen die Christen in geschäftlicher und in kirchlicher Beziehung. Er garantire ihnen Sicherheit ihrer Person und ihres Eigenthums und wolle bei den geringsten Anzeichen die Waffen gegen die Hetzer gebrauchen. — Wir fügen noch eine Betrachtung des „Pester Lloyd" hinzu: „Durch die Judenhetzen entfesselt man die revolutionären Stürme, die bisher geruht haben. Der Bauer und die ihm verwandte Bolksschichte war bisher ein stagnirendes Element. Bon den nihilistischen Umtrieben blieben sie so gut wie unberührt. Die vielen Prozesse der letzteren Zeit daß die Ausgewanderten für immer das Recht verlieren,! zeigten deutlich genug, daß der Nihilismus sich aus ganz nach Rußland zurückzukehren. Dabei mären die Bedingungen,, anderen Kreisen rekrutirte. In der That hat der Bauer unter denen das Scheiden aus dem russischen Unterthanennicht aufgebört, in allen Dingen, welche die höheren Jntereffen verbände gestattet ist, in Bezug auf die Juden zu erleichtern I des Staates und der Gesellschaft beherrschen, eine todte und die Kosten herabzusetzen." Seele zu sein. Empfindlich war er nur für den materiellen — Daß die Behörden in Südrußland sich sehr eigenrhüm- Druck, der auf ihm lastet, für die gemeine Misere des Lebens, lich, ja kaum verständlich benommen haben, geht auch aus folgendem Berichte hervor: Das Landvolk verwildert bei den Judenkrawallen immer mehr, und wenn es sich an die mit Politik und Staatscinrichtung nichts zu thun hat. Auch läßt sich nicht verkennen, daß der russische Despotismus in diesen untersten Volksschichten seine eigentliche Stütze ge-