Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1881)
- Date
- 1881-05-31
- Page
- Seite 356 (sequence 6)
- Language
- German
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356 Die Verfolgung -er Jaden in Ziidrukland. in. Der Präsident Bettmann machte dann bekannt, daß eine jsetzlichen Bande, von dem Mangel alles Pflichtgefühls, dem Menge von Gratulationsschrcibeu und Telegrammen cingelau-§ Gesetze Genüge zu verschaffen, von einer Willkür in den fen seien.! Personen, die zur Handhabung des Gesetzes berufen sind, und Den Schluß der Feierlichkeiten bildete der Segen, den l hierzu gefüttert werden, daß für Rußland daraus nur eine Rev. Dr. S. H. Sonneschein von St. Louis sprach. In bei grauenerregende Zukunft ersehen werden kann. Daß den geisterten Worten bezeichnete er die Zukunft der Anstalt als Nihilisten derartige Ereignisse nur willkommen sein werden, eine glorreiche. läßt sich aus mehrfachen Gründen schließen. Der Bericht lautet: Er erflehte dafür den Segen des Herrn und schloß mit „Kiew, Mai. Zu Anfang voriger Woche begannen einem hebräischen Weihspruch, mit dem er die Anstalt einsegnete. sich in unserer Stadt beunruhigende Gerüchte von bcabfich- Damit war die imposante Feier geschlossen, die trotz der tigten Judenverfolgungen zu verbreiten. Unter den im Saale herrschenden Hitze, das Pnblieum in unverminder- Bauern hatte inan ausgcsprcngt, der verstorbene Zar hätte ter Anzahl bis zum Schlüsse gefesselt hatte. Eine Tour durch vor seinem Tode einen Ukas erlassen, mit welchem er eine das Gebäude bildete eine Nachfeier. allgemeine Vertheilung alles Grundes und Bodens in Ruß' Die Facultät besteht aus: Rev. Dr. I. M. Wise, Präland au die Laudbevölkerung beabsichtigte; die Arbeiter dasident; den Professoren Rev. Dr. M. Lilienthal (Geschichte ) gegen erzählten, der neue Zar hätte den Wunsch ausgesprochen, und Dr. Milziner (Talmud) und den Doeenten Eppinger daß bis zur Zeit seiner Krönung nur eine einzige, die hei- und Aufrecht. lige russische Kirche existiren sollte, es dürfe bis dahin keine Andersgläubigen mehr geben. Alle diese Gerüchte schwirrten durch unsere Stadt, die bei einer Bevölkerung von 150,000 Seelen ungefähr 20,000 Juden zählt; man hatte allen Grund zu Befürchtungen, da gleichzeitig nebst den Ansa.ninlungen der städtischen und Eisenbahnarbeiter Zuzüge von allerlei Noch weiter eingelaufeue Nachrichten erweisen, daß die verdächtigen Leuten aus den Nachbarstädten herbeikamen, furchtbaren Scenen, die sich in Südrußland abgespielt, noch denen seltsamerweise die Polizei keinerlei Beachtung schenkte, immer nicht zu Ende sind. Ter weiteren Erklärungen, wie Es sollte sich bald zeigen, zu welchem Zwecke diese Leute her-- die Dinge in jenem Lande so gekommen, bedarf cs nicht, beigezogen waren. Der Sonntag kam und große Arbeiter- Alles, was in der letzten Zeit in Rußland geschehen, zeugt Massen begannen aus dem jüdischen Markte ihr Unwesen zu von den wilden Leidenschaften, die nach allen Seiten hin in treiben. Man rief nach der Polizei, diese rührte sich nicht, diesem Reiche rege sind und in der Tiefe noch viel mehr Das war gegen die Mittagsstunde. Immer größere Bolks- und viel Aergeres zu decken scheinen, als bis jetzt zu Tage massen sammelten sich, zogen in das Podolviertel und begetreten, so daß in der Reihe der Verbrechen und Schandthaten gannen die dortigen Magazine zu plündern. Fortwährend auch eine Judenverfolgung erscheinen zu sehen, kaum auszogen neue Massen herbei. Sie drangen in die Häuser der fallen kann, noch dazu, da auf eine solche seit Jahren von Juden, aus denen Weiber und .Kinder unter Geschrei und Seiten der Presse mit der ungestörtesten Offenheit gedrängt Wehklagen flüchteten; Kisten und Kasten wurden-eingeschlagen, worden ist. Nicht zu übersehen ist, daß diese Hetze in dem Alles was einen Werth hatte, mitgenommen; was wcrthlos Thcile Rußlands eingctreten ist, wo der griechisch orthodoxe erschien oder nicht weggetragen werden konnte, wurde zer- Haß gegen alle Andersgläubigen seinen schronsten Mittelpunkt schlagen, zerrissen, zertrümmert und zum Fenster hinausgehat. Wir geben daher hier noch einen Bericht über die schleudert. Dabei schienen einige civilisirtere Elemente die Vorgänge in Kiew, der sich lediglich an die Thatsachen hält Rolle der Rädelsführer übernommen zu haben und die Zer- und nichts übertreibt. Ist, wird man fragen, alles das störnng regelrecht zu leiten. In eines der Häuser drang wahr, was in demselben über das Verhalten der Behörden ein Hanfe ein, an dessen Spitze sich ein junger Mann befand, berichtet wird? Ter Umstand, daß in einer Stadt von der sich ans Klavier setzte und unter dem Gejohle der 150,000 Bewohnern ein Hause von 4—5000 Spießgesellen Plünderer Weisen aus „Faust" und „Traviata" spielte. Als unter der Anführung einiger sog. Gebildeten während vier die Wohnung, wo sich dies zutrug, genügend aufgeräumt Tage, mit Unterbrechung des Sonntags, solche Greuel stifteschien, stand der musikalische Plünderer auf und gab durch malisch, völlig ungestört verüben konnten, während, als die das Zerschneiden der Saiten des Claviers das Zeichen zur Behörden Ernst machten, eine einzige Charge genügte, den vollständigen Zerstörung des Instrumentes, das, in Stücke Haufen auseinander und aus der Stadt zu treiben, scheint zerbrochen, durchs Fenster auf die Straße wanderte. Die denn doch die Aussagen des Referats zu bestätigen. Dann Plünderer, die zu einer Menge von 4- bis 5000 Mann anaber zeugt dieses Verfahren von einer Auslösnnz aller gegewachsen waren, theilr-n sich. Die Ein.ni zige.r zue 2) t.i --