Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1881)
- Date
- 1881-05-31
- Page
- Seite 355 (sequence 5)
- Language
- German
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355 Es finden sich in derselben die Erzeugnisse d:s Wissens von ihm. Der Redner erinnerte dann an die in alten Zeilen der Wiege der Literatur bis auf unsere Tage und sie zeigt! von den Juden errichteten Academien, die sie heilig hielten uns die ununterbrochene Kette der Kultur-Entwickelung und 1 wie die Tempel und an die Rabbiner-Seminare der Neuzeit, der Entfaltung der Wissenschaft. Denn zu allen Zeiten wadie segensreich wirkten, und gab seiner Freude Ausdruck, daß ren die Juden Lehrer der Nationen und sic lernten von alauch hier endlich ein derartiges Institut erstand, das die len Nationen, sie brachten Gelehrte hervor mit originellen! Juden hoffentlich so heilig halten werden wie die Voreltern Gedanken und Ansichten, die sie nicht nach den Völkern um-! ihre Academien, denn es sei das größte Werk, das die Jumodelten, unter denen sie lebten, sondern die ihrem eigenen! den in diesem Lande vollbracht haben. Gefichtspunkt entsprangen, den sic nie aufgaben. Ihre Werke , Nach dieser Rede sang der Mound-Straßen Tempel-Chor umfassen alle Branchen der Wissenschaft, Poesie und Religion „Etz Chajim.“ worauf Herr Thos. Vickers, (Christ), der und sie enthalten eine ungeheure Masse von Thatsachen, Talent, Energie, die unerreicht blieben. Ohne die Kenntniß dieser Literatur lernen wir nie die Physiognomie der Menschheit und ihren Charakter recht verstehen. Diese Werke sind seit der Zeit der Humanisten im Mittelalter bis auf den heutigen Tag von den Gelehrten anderer Nationen in fremde Sprachen übertragen worden, doch sei noch nicht der zehnte Theil den fremden Völkern erschlossen und in dieser Richtung sei noch viel zu thun. Deshalb hauptsächlich sei das College gegründet worden, und um diese Literatur so Vielen als möglich zugänglich zu machen, stehe die Anstalt Jedem ohne Unterschied offen. Die Juden sind weder eine Rasse noch eine Nation, sondern einfach eine religiöse Genossenschaft. Alle diejenigen Eigenheiten, die ihnen ankleben, können auf Rector der Mc-Micken Universität, eine Rede hielt, die durch ihre stylistischc Eleganz sowohl als auch durch ihren Gedankenreichthum und den oft eingestreuten gesunden Humor außerordentlich günstig wirkte. Herr Vickers sprach zuvörderst sein Vergnügen aus, dieser Feier als Repräsentant der Cincinnati Universität beiwohnen zu können, denn welchem Schulmanne würde es nicht unendliches Vergnügen gewähren, an der Eröffnung einer Anstalt theilzunehmen, die der Erziehung und den Wissenschaften geweiht ist. In der Wissenschaft gäbe es keine nationale oder religiöse Schranken, nichts sei cosmopolitischer als die Wissenschaft und die Forschung nach Kenntnissen und der Wahrheit. Die Schule sei die wichtigste Institution unseres bürgerlichen und religiösen Lebens. Die Schulen kommen Thatsachen zurückgeführt werden, die diese Eigenheiten hervor- > vor dem Tempel, denn, was ist ein Tempel ohne Schule? brachten. Wenn der Jude seine Religion wechselt, so verliert I Nichts als ein leerer Schrein, vor dem der Unwissende gedaner diese charakteristischen Eigenheiten und nach einigen Gene-! kenlos betet. rationen ist keine Spur mehr davon zu entdecken. Die I Diese Schule, die heute eröffnet wird, ist ein organisir- Gründung des College entspringt daher der Pflicht der Selbst-1 ter Körper lebendigen Wissens, keine Maschine, die dem Schüerhaltung, um das Judenthum zu kräftigen und zu erhalten.! ler Kenntnisse eintrichtert, sondern eine lebende und lebener- Es ist in dieser Richtung in Amerika viel geleistet worden,! weckende Organisation. Sic besteht aus zwei Elementen, und in der That haben die Juden in den letzten 40 Jahren mehr vollbracht, als irgend eine andere Religionspartci von gleicher Größe. Der Redner sprach sich dann über die Thätigkeit der Union hebräischer Gemeinden und des Boards der Gouverneure auf's Enthusiastischste aus und sagte weiter, daß ohne Rabbiner die jüdische Religion zu Grunde gehen müsse. Um aber Denjenigen, die Rabbiner werden wollen. aus Lehrern und Schülern, beide Gelehrte. Der Redner gab dann eine schwungvolle Charakteristik des Lehrers, der es mit seinem Berufe ernst nimmt, und stellte ihn als leuchtendes Beispiel des Wissens und Strebens hin. Der Schüler sei ein ebenso wichtiger Factor, er ist das Gegengewicht aus der Waage. Das Bestreben eines tüchtigen Lehrers und eines eifrigen Schülers seien auf einen Zielpunkt gerichtet. eine academische Bildung zu geben, die nothwendig sei. wenn i nämlich Erforschung der Wahrheit, und dieses Streben finde der Rabbiner ein echter Bolkslehrer sein will, sei dieses! stets seine Anerkennung. Nicht: „für die Ehre", nicht: „für College gegründet und bestimmt worden, daß die Studenten! Gold", sondern „für die Wahrheit!" sei das Losungswort zugleich auch die Hochschule und dann die Mc Micken Uni-1 für diese Anstalt; den Schülern aber wünsche er, mit Schilversität besuchen müssen. Der Redner gab dann eine Ge-! ler, daß sie nie „die Träume ihrer Jugend vergessen". Einschichte der Entstehung des College und eine Darstellung | cinnati sei der passendste Platz für eine derartige Anstalt, dessen, was er unter einem erleuchteten Rabbiner, der dem j denn cs sei die cosmopolitischste Stadt und in ihr werde Volke das Wort Gottes auslcgen soll, versteht. Er müsse die Anstalt sicher gedeihen. Nachdem er seine persönliche ein Gelehrter und eine Autorität in jüdischen Fragen lern und deshalb die jüdische Literatur vollständig bemeistert ha- Genugthuung darüber ausgesprochen hatte, daß diese Anstalt mit der großen Universität, der er vorsteht, so eng verbunden. Er muß aber auch in den anderen Wissenschaften sat-!den sei, schloß Herr Vickers mit dem Wunsche für das Betelfest sein, sonst werde ein einseitiger bigotter Mensch aus , stehen und Gedeihen des College.