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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-31 · Heft 22 (31.5.1881) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 22 (31.5.1881)
Date
1881-05-31
Page
Seite 354 (sequence 4)
Language
German
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1 354 welcher der Lehren der modernen Wiffenschaft theilhaftig werden will. Der Redner schilderte dann den Reichthum der jüdischen Literatur, die gleich reich an philosophischen und wissenschaftlichen Werken sei wie an poetischen. Der Redner zollte dann dem Präsidenten des College Dr. I. M. Wise und der Facultät den herzlichsten Dank für ihr eifriges Streben und übergab ihnen dann das College im Namen der Gouverneure für den Gebrauch, zu dem es errichtet wurde. Der Plum Straßen Tempel-Chor sang dann wieder die Gründer dieser Anstalt wußten, daß jenseits derselben noch ein unbegrenztes Feld für Forschungen ist. Nur Schritt für Schritt können wir vorwärts gehen und uns freuen, wenn wir wieder ein Stückchen neues Feld der Wiffenschaft errungen haben. Nur eine richtige Erziehung und geregelter Unterricht sind im Stande, uns vorwärts zu bringen, und deshalb ist eine Anstalt, die das bezweckt, willkommen zu heißen. Der Redner zeigte dann, wie nur dadurch daß man gegenseitig scharfe Kritik übe und bei Discusfionen ganz prachtvoll die Hymne ,Let there be Light“, worauf j über Streitfragen die Fehler, die gemacht wurden, rücksichts- Herr Freiberg als nächsten Redner den Ex-Gouverneur I. j los klarlcge, Resultate in der Wiffenschaft erzielt werden. D. Cox (Christ) vorstellte. Dieser sagte im Eingänge seiner! Das sei, wie Colcridge richtig sagt, die wirkliche und wahre Rede, daß das Ercigniß, das eben gefeiert werde, nicht nur > Toleranz. von den Bewohnern Cincinnati's, sondern vom ganzen Volke j Diejenigen Gemeinden seien stets im Bortheile, deren der Bereinigten Staaten mit Freuden begrüßt und daffelbe Führer auch wirklich fähig seien zur Führerschaft, und auch dem ersten Heim jüdischer Wiffenschaft auf amerikanischem : deshalb sei die Gründung dieses College mit Freude zu be- Boden ein herzliches Willkommen zurufen werde. Wir Alle! grüßen. Hier werden die Lehrer des Volkes systematisch und hätten ein Jntereffe an dem Gedeihen des Institutes, denn! gründlich dazu herangebildet, das Volk zu belehren, und von sein Gedeihen bringe Jedem Nutzen und gereiche Jedem zur: großer Wichtigkeit ist dabei, daß sie inmitten des Volkes da- Freude, der ein Freund der Wiffenschaften und Aufklärung > zu erzogen werden, welches sie belehren sollen, daß sie also und aufrichtig bemüht ist, die Wahrheit zu finden. Bon der > deffen Charakter, Gewohnheiten und Sitten kennen und sich Anstalt ergehe die liberale und herzliche Einladung an Alle, > darnach richten können. Hier werden sie in einer vortheildie lernen wollen, und sie erschließe Jedem die Schätze der! haften Verbindung des amerikanischen Geistes und ihres ei- Wissenschaft derjenigen Männer der jüdischen Nation, die sich! genen Glaubens erzogen. Mit seiner hohen Befriedigung, als scharfe Denker und eifrige Forscher auszeichneten. Die! daß mit dem Ankauf des Gebäudes ein so großer Schritt in Errichtung einer solchen Anstalt sei ein Markstein in der Bezug auf Förderung der Wiffenschaften und der größeren Geschichte, der uns stets noch in späten Zeiten in der Erinj Verbreitung besonders jüdischer und orientalischer Literatur generung bleiben wird. Es gab eine Zeit, in welcher eine j schehen sei, schloß der Redner. solche Anstalt Eifersucht und Haß erregt hätte; jetzt sei sie- Der Chor des Mound-Straßen-Tempels sang unter Leiuns willkommen. Dieser Wechsel sei nicht dadurch entstan-! tung des Herrn Andres den 29. Psalm und wurde stürmisch den, daß früher die Menschheit stärker und intensiver glaubte applaudirt. Dann wurde als der nächste Redner Rev. Dr. und dieser Glaube jetzt dem Skepticismus und der Gleich-; I. M. Wise, der Präsident des College, vorgestellt, gültigkeit gewichen sei, sondern weil geistige Beschränktheit Der Redner gab zuvörderst seiner Freude darüber Auseinem liberaleren nnd weiteren Gesichtskreis in Bezug auf druck, daß das College jetzt sein Heim habe und sprach seine Glaubenssachen gewichen sei. Wir fühlen jetzt die Zusam- Bewunderung für die Männer aus, deren unermüdlichem mengehörigkeit mit unserem Nächsten stärker, wir wissen den Eifer dieses erfreuliche Resultat zu danken ist. Es sei dies Bortheil eines guten Nachbars wohl zu schätzen, wir verlandas erste Haus in den Ber. Staaten, das jüdischer Wiffengen daher von ihm Nachsicht und gewähren sic ihm. Wir schaft gewidmet ist, und seine Einweihung sei ein wichtiger sind cosmopolitischer geworden, trotzdem aber sei uns ein! Moment in der Geschichte des Judenthums in Amerika. Jngutcs Stück von lobenswerthem Lokalpatriotismus geblieben, so j mitten einer liberalen und fortschrittlichen Bevölkerung von daß wir das, was uns die Heimath Werthvolles bietet, dop- Juden und Andersgläubigen, in der Mitte von Tempeln der pelt schätzen. In diesem Sinne erfülle ihn die Errichtung Kunst und Wiffenschaft, verspricht diese Anstalt segensreich einer Universität, in der Alle, die es wünschen, systematisch nach allen Richtungen hin zu werden. Das'College steht in den Wiffenschaften unterrichtet werden und von den Quel- Allen offen, die sich mit jüdischer Geschichte und Literatur len trinken können, die nur selten dargeboten werden. Die bekannt machen wollen. Es wird kein Unterschied bei Auf- Studenten dieser Universität, die mit der bekannten, ja sprüchnähme der Studenten gemacht, weder in Bezug auf Religion, wörtlichen jüdischen Energie, Geistesschärfe und Eifer ihren; Nationalität, Rasse oder Geschlecht. Und der Umstand, daß Studien obliegen werden, werden den jungen Leuten des die Anstalt im liberalen Geiste der Demokratie und Toleranz Landes zum Muster dienen und sie aufstacheln, ebenso viel gegründet wurde, erhöht die Freude über ihre Gründung, zu leisten. Wir stehen erst an der Schwelle des Wissens und Die Bibliothek, die sie enthält, ist von großer Wichtigkeit. smasesss

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