Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1881)
- Date
- 1881-05-24
- Page
- Seite 346 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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346 sagt die Mischnah. So will ich denn in Gottesnamen behalten mein Geld, und meinen Namen und auch zufrieden sein. Geben sie mir den Zehner, Herr Kanzlist, was ich Hab' gelegt auf ihre Unterlage." „Was? nicht einmal die paar Kreuzer will Er zahlen?" schrie der Kreiskommiffär wüthend. Geben Sie ihm das Geld zurück, Krummholz." Der Kanzlist zog das Silberstück aus der Tasche und warf es dem Juden vor die Füße, während der Kreiskommiffär das Protokoll zur Hand nahm und mit schwungvollem Federzug den Namen selbst in dasselbe eintrug. Absalon blickte ängstlich über seine Schulter hinein, und brach dann in lautes Wehklagen aus. „Es wird geschehen ein Unglück, Herr Kreiskommiffär," schrie er, „Gott wird sie strafen'. Statt Nudelach sollen Sie effen Hobelspän' und statt Tabak sollen Sie schnupfen Streusand —" „Was?" rief der Kanzlist, „jetzt will er uns gar droj hen!" Der Kreiskommiffär aber ergriff den armen Absalon! und warf ihn zur Thür hinaus. Er stolperte die Treppe^ hinab und wankte über den Ringplatz. Als er indeß zu Hause ankam, hatte er dies alles wieder vergeffen. Alle umringten ihn freudig erregt. „Wie heißt Du also?" fragte seine Frau auf das höchste gespannt; „kannst Du nicht reden?" „Wie soll ich heißen," erwiderte er, bereits ganz in sein Schicksal ergeben, „wie Du mich da siehst, so heiß' ich Unglücksmensch — Absalon Lauser." „Was für ein Name?" schrie seine Frau." „Was für ein Name?" wiederholten seine Kinder. „Was für ein Name", sprach Absalon, „der Name ist nicht reinlich, aber davor ist er billig." FreimaurerifcheGeLächtnißrede auf Adolphe Lremieur. Am 13. März wurde, wie wir bereits berichteten, das Monument auf dem Grabe Cr»!mieux' eingeweiht. Es war eine hochansehnliche Versammlung anwesend, und es sprachen: der Generalsekretär der Alliance, Herr N. Leven, der Großrabbiner Herr Isidor und der Großmeister des Freimaurer- Ordens vom schottischen Ritus, der Nachfolger Cremieux' in dieser Würde, Herr Proal. Die beiden ersten Reden waren vortrefflich, aber wir übergehen sie hier, weil sie eben die Verdienste Crvmieux' um die Juden schildern, die uns Allen so sehr bekannt und von uns gewürdigt sind. Die Rede des Freimaurers zeigt uns den großen Verewigten von einer anderen Seite, und sinde daher auch hier einen Platz. Proal sagte: „Meine Herren, meine Brüder'. Wir bedauern, daß unser Bruder Emanuel Arago nicht anwesend ist, er hätte uns mit seiner Beredsamkeit würdig geschildert, was der Bruder Crömieux als Freimaurer war. In seiner Abwesenheit gestatten Sie dem alten Freimaurer ohne Talent, seiner Erinnerungen zu gedenken und sein Herz sprechen zu laffen. Der sehr berühmte und sehr mächtige oberste Großcommandeur, Großmeister vom alten für Frankreich und seine Dependancen aufgenommenen schottischen Ritus, der Bruder Cremieux war ein unvergleichlicher Mann; man konnte mit diesem Biedermann nicht umgehen, ohne bester zu werden. Wenn der Großmeister den Sitzungen des Oberraths präsidirte, hielt er uns jene reizenden Causerieen; er belehrte uns, indem er von der Vergangenheit sprach, über Ereignisse, deren Zeuge und oftmals Held er gewesen, und wenn er zu sprechen aufhörtc, hätte man ihn immer noch gern hören wollen. Wenn man in seiner Gegenwart jenes ewige Problem behandelte, welches die Wissenschaft zu lösen unfähig ist, was giebt es jenseits des Grabes? so sagte uns der Großmeister mit seiner großen Toleranz: Ihr habt vielleicht Recht, meine Freunde, aber lastet mich glauben an ein zukünftiges Leben, lastet mich hoffen, daß ich, wenn ich gestorben bin, leben werde; daß ich stets sein werde bei meiner Frau, meinen Kindern, in der Mitte meiner Familie, umgeben von meinen Freunden, das wird mein höchstes Glück sein. Der Großmeister hat in diesem Gedanken vollständig sich selbst geschildert. Er war geboren, um zu lieben Alles, was gerecht ist, Alles, was gut ist. Alles, was groß ist. Das ganze Leben unseres Großmeisters ist der Beweis hierfür. Wenn ein Unglücklicher, ein vom Mißgeschick Bedrückter, Verwundeter zu ihm kam, so hatte der Meister einen Balsam für seine Wunden, und der Unglückliche ging, wenn nicht geheilt, doch sicher getröstet fort. Meine Herren, meine Brüder, Sie wissen, daß es im Leben traurige Tage giebt, an denen selbst der gestählteste Charakter sich biegt und oft unter der Last des Unglücks zusammenzubrechen droht; verzweifelt nicht! Kommet in den Schatten dieses Grabmals, denket an den Meister, ahmet dem Riesen Anteus nach, welcher Kräfte gewann, indem er die Erde berührte; Ihr berühret diesen Marmor, und der Geist des Meisters wird Euch die Kraft und den Muth verleihen, das Mißgeschick zu ertragen und selbst zu besiegen. Bruder Cr6mieux! Deine Hoffnung war, zu leben, du wirst stets leben in der Erinnerung derer, welche dich gekannt haben. Großmeister, das Vorbild des vollkommenen Freimaurers, du wirst stets leben in dem Herzen deiner Brüder." ^-am Zalomon. Ein wahrer Künstler und ein wahrhaft edler Mensch, Adam Salomon, ist am 28 April in Folge einer Halskrankheit, in seinem Hotel in Paffy bei Paris verschieden.