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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-24 · Heft 21 (24.5.1881) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 21 (24.5.1881)
Date
1881-05-24
Page
Seite 345 (sequence 11)
Language
German
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345 wieder in Frankreich ein Glaubensgenosse, Beer, zum Unterpräsecten von Saint-Joan d’Angely und Gabriel Ba labregne zum Cabinets-Chef des Präfekten der Ija^^es-Asi-.e^ ernannt. — Aus Bukarest kommt endlich einmal eine kleine angenehme Nachricht: Der junge Israelit Joseph SimioneSeo, Zögling im Ministerium der Kriegsverwaltung, als Sergeant im Jahre 1677 im Bulgarischen Feldzug decorirt und ein Jüngling von seltener Intelligenz und Geschicklichkeit, in soeben zum Unterlieutenant ernannt worden bei Gelegenheit des Geburtstages des Königs am 6.—V>. April. Dagegen haben in der abgelaufenen Session nur zwei Israeliten die "Natu-- ralisation erlangt, während viele Andere, die nach dem Ge setze den vollen Anspruch besitzen, von der Deputirtenkammer zurückgewieseu wurden. Feuilleton. 8er Handel um den Namen Bon Sacher-Maloch. (Schluß.) Eben ging die Thüre aus und Frau Perle, eine junge, schöne Wittwe, kam herein und füllte die sonst so dumpfe, mit Tabak versetzte Luft der Kanzlei in wenigen Augenblicken mit dem feinsten Wohlgeruch: um sie rauschte es von kostbarer Seide, blähte sich üppiges Pelzwerk, blitzten in allen Farben kostbare Edelsteine. Sie näherte sich dein Kreiskommisiär, welcher sich mit liebenswürdiger Eile erhob, galant lächelte, und ihr seinen eigenen Stuhl anbvt. „Ich bin überzeugt," begann er, „Sie kommen in der Absicht, uns einen recht schönen Namen abznschmeicheln." „Ich wäre sehr dankbar," stammelte die schöne Jüdin, „und bin auch bereit, zu zahlen die Taxen." „Ich bitte, hier!" ließ sich der Kanzlist vernehmen. Frau Perle zog ihre Börse hervor, auf einen Wink des Krciskommisiärs stand Krummholz auf und nahm das sniikelnde Gold in Empfang. Die Beamten waren augenblicklich in der besten Laune. „Aber wie sollen wir armen Sterbliche," begann der Kreiskommissär, „für Sie einen würdigen Flamen finden. Das ist ja gar nicht möglich. Meint man doch, wenn sie erscheinen, Frau Perle, Bonus selbst die Schaumgeborne zu erblicken." Sogar die Phantasie des windschiefen, halbbliuden Kanzlisten begann ihre mit Aktenstaub bedeckten, rimeubeklexten Flügel zu regen. „Ich wage zu bemerken," sprach er, „das; es eine paisende Anspiegelung wäre, in dem Namen, den die fchöue Frau Perle erhält, ihre Verwandtschaft mit der Göttin der Schönheit und Liebe anszudrückeu, und deshalb stimm ich für den Namen Wellenheim, was soviel sagen will —" „Nein, nein," unterbrach ihn der Kreiskommisiär, „betrachten sie doch diese blühenden Wangen — aber richtig. Sie sehen ja nichts, Krummholz — wie konnte Frau Perle anders heißen als — Rose, nein, das klingt nicht — Rosengarten — jetzt Hab' ich eS. Rosenthal." Die schöne Wittwe lächelte verbindlich und wurde auf der Stelle als Frau Perle Rosenthal in das Protokoll eingetragen. Als sie die Kanzlei verlassen und der Knaster des Kanzlisten wieder über die Wohlgcrüche des jüdischen Venus die Oberhand gewonnen hatte, begann Absalon weinerlich: „Machen Sie mich nicht unglücklich, Herr Kreiskommissär — " „Was, ist der Lump noch nicht fort?" schrie dieser, „wenn Er nicht Knoblauch heißen will, fo soll Er Ohrenbläser heißen, damit er uns ein anderes Mal nicht die Ohren vollschreit. Ja, Ohrenbläser". Wieder ging die Thür und es kam Abnrel, der Schneider, er näherte sich bescheiden, aber mit dem Selbstgefühl eines wohlhabenden Mannes dem Kreiskvmmissär und fragte leite: „Was habe ich zu bezahlen, Euer Gnaden, Sie kennen meine Verhältnisse!" Der Krciskvulmisfär flüsterte mit dem Kanzlisten, das Protokoll wurde ausgeschlagen und der Schneider verließ stillvergnügt als Aburcl Honig das Kreisamt. „Herr Kreiskommifsär, Herr Kreiskommisfär, theurer Herr Kreiskommisfär," seufzte Absalon. Man hörte ihn nicht an, endlich rief er verzweifelt: „Giebt es denn keine Gerechtigkeit mehr auf Erden, daß ein ehrlicher Manu wie ich soll Ohrcnbläser heißen?" „Ist Dir der Name zu schlecht'?' schrie ihn der Kreiskommisfär au, „sollst Tu Absalon Gaus heißen." „Ich bring mich um, Herr Kreiskommisfär, wenn Sie mir geben so einen Namen," betbenerte Absalon, „bin ich ein Vogel'? kann ich fliegen'? ich bin auch kein Schegetz, ich bin ein armer, ehrlicher Jud'." Es kam Schemüel. der Kutscher, ein Mann, nicht reicher, als Absalon, er kam tief gebückt und lächelnd lind begann dem Kreiskommisfär Schönheiten zn sagen, mit denen das hübscheste junge Mädchen hätte zufrieden sein können. Daun näherte er sich demüthig dem Kanzlisten und lächelte wieder und erschöpfte sicki in den liebenswürdigsten Redens arten; endlich legte er noch drei Zwanziger auf den Tisth. Der Kreiskommisfär lachte. „Weißt Tu, wie Du beigen wirst, Schemüel'?" sprach er gnädig, „Schmeichler wirst Du heißen, bist Du zufrieden?" „Warum soll ich nid)t fein zufrieden?" „Wer ist reich?" rief jetzt Abfalou, der einen heroischen Entschluß gefaßt hatte, „der mit seinem Loose zufrieden ist.

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