Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1881)
- Date
- 1881-05-24
- Page
- Seite 343 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Landgemeinden begonnen bat. Ter Bestand des Verbandes bängt von zwei Momenten ab. von der Wirksamkeit, Eapazität und Initiative der Männer, welche den Verband leiten nnd von dem Entgegenkommen, Gemcinsinne und Opiermuthe der Gemeinden. Wer da weiß, wie lange Zeit cs der Einwirkung auf die Gemeinden bedurfte, bevor sich neben dem Bewußtsein der jüdischen Ortsgemcindc auch das Bewußtsein der Gesammthcit hcransbildctc, bevor sich die Localgemeinde über die sog. Wcichsbildpolitik erhoben hat, der wird cs tief beklagen, daß eine Institution, die kaum neu gekräftigt, kaum neu belebt durch die erwärmenden und belebenden Sonnenstrahlen der Neuzeit, dem eisigen Jndiffcreutismus zum Lpfcr fallen soll. Wir anerkennen, daß die gegenwärtige Leitung deS Verbandes alle Schritte unternommen hat, die dazu dienten, die ausscheidcnden Gemeinden zum Verbleiben in dem Verbände zu bewegen oder neue Gemeinden zum Beitritte zu veranlaßen, der Verwaltung gebührt für ihr Streben der Dank aller Gutgesinnten. Andererseits möchten wir dieselbe ermahnen, in ihrem löblichen Eifer nicht .zu erkalten und ungeachtet der gemachten Erfahrungen und abweisenden Bescheiden auf dem betretenen Wege zu verharren, um dem bedrohten Verbände zur Hilfe ,zu kommen. Eine Einladung an sämmtliche jüd. bair. Gemeinden diesseits des Rheins behufs Besprechung und Bcrathung über den ferneren Bestand des Verbandes dürfte als erster Schritt erneuter Thätigkeit sich empfehlen und geeignet sein, Klarheit in der Sache .zu bringen. Es ließe sich daraus auf das Maß der Begeisterung für Gemeindeangclegenheiten schließen, wenn zuweilen ein herausforderndes Signal hiezu veranlaßt. Möge unser wohlgemeinter Vorschlag die verdiente Beachtung finden! Fürth, 23. April. Bei der gestern, am Jahrestage des verlebten Tbcrgcrichtsrathes Dr. Gabriel Riesser in Hamburg, erfolgten Verthcilung der Stipendien, welche im Jahre 1**1 der Gabriel Riesser'schcn Stipcndienßiftuug angesallen find, erhielten 3 Studierende der Reckte im Ganzen 490,00 M., 3 Studierende der Medicin im Ganzen 59->,00 M., 1 Studierender der Philologie 150,0t) M. und 5 Eleven der technischen Hochschule in München im Ganzen 490,00 M., so daß 1500,0t> M. an Stipendien vertheilt worden find. Alles in Allem hat die Stiftung bis jetzt 11253,57 M. nämlich an 47 Studierende der Rechte 5527.71 M. an 2«: Studirende der Medicin 2570,72 M., an 4 Uuiversitätsstudierende anderer Fächer 470.00 M., an 12 Eleven der technischen Hochschule in München 1442,57 M. und an 51 Zog linge von Lehrcrseminarien 1230,85 M. vcrtheilt. ->o Gesuche konnten nicht berücksichtigt werden. Erfreulicherweise ist im Vergleich zu den Vorjahren eine Zunahme der -Ltiftungsmittel zu verzeichnen. Abgesehen von dem Förderer aller gemeinnützigen Anstalten in Fürth, dem Herrn vr. Wilhelm Königswarter, der auch dieses Jahr wieder mit 50.0,» M. sich bctheiligt hat. haben eine Reihe hiesiger und Nürnberger Privatiers, dann die (lassen der israelitischen Eultusgemeinden in den größeren bayerischen Städten in ancrkcnnenswcrther Weife sich mit Beitrügen betheiligt. Das Stiftungscapital beträgt dermalen 10,228,58 M., ein im Berhältniß zu den Bedürfnissen und Leistungen der Stiftung noch lange nicht ausreichender Betrag. O csterrc i ch<Ung vir n. Wien, im Mai. Ein ziemlich bedeutender Brand hat am 4. d. einen Theil des hiesigen isracl. Taubstummen-Jnstitutes cingeäschcrt. Glücklicher Weise hat sich bei dem Feuer kein Unfall ereignet. — Nach der neuesten Volkszählung beläuft sich die Zahl der hiesigen Israeliten auf 72,543 bei einer Gesammtbevölkerung von 705,402 Seelen. Holland. Amsterdam,im Mai. iPrivatmitth.) (Unsere Theologie in den Niederlanden? Es wird den Lesern nicht unbekannt fein, daß der Rabbinatsstuhl in Rotterdam noch unbesetzt ist. Ter Grund liegt einfach darin, daß sich hier zu Laude kein Mann gefunden hat, der sich dieses Postens würdig zeigte, und zu Ausländern die Zuflucht abermals zu nehmen, kann sich die Gemeinde nicht so schnell entschließen, es sei denn, daß ein Mann von bewährter Autorität sich um das Rotterdamer Rabbinat bewerben würde. Aber warum findet sich hier in den beiden Niederlanden kein einziger Candidat, der fähig wäre, einer solchen Gemeinde vorzustehen? Daß ein kleines Land verhältnismäßig wenig Gelehrte Hervorbringen kann, wird jedem Verständigen einleuchtcn: daß aber ein Land wie Holland, in welchem die jüdische Bevölkerung anderen Ländern gegenüber nicht nachsteht, noch so wenig jüdische Theologen und noch viel weniger wissenschastlich gebildete Theologen erzeugt hat'), ist eine chararakteristischc Erscheinung, die ich um so mehr einer kurzen Auseinandersetzung würdig erachte, als man leicht verleitet werden könnte, diesen charakteristischen Zug dem holländischen Volke zuzuschreibeu. Tie Culturgeschichte Hollands zeigt uns außer der überwiegenden Thätigkeit auf dem Handels- und Industriegebiete eine nicht zu unterschätzende, sich immer mehr entfaltende Regsamkeit auf allen Gebieten der Künste und Wissenschaften. Das Unterrichtswesen ist hier mustergiltig, die Lehrfächer sind sehr ausgebreitet, wobei die Naturwissenschaften den Sprachwissenschaften keineswegs untergeordnet sind. Die vier Universitäten sind mit guten Kräften besetzt, unter denen so mancher Stern hervorleuchtet. Das niederländische Volk ist I) Das hier früher einige portugiesische Theologen gelebt haben, steht nicht im Widerspruche mit dieser Behauptung, da ich nur die Äschkenasim und die Gegenwart im Auge habe. Corresp. 21