Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1881)
- Date
- 1881-05-24
- Page
- Seite 341 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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341 auf einmal im Stande und bereit sein sollten, Hunderttausende (denn um die handelt es sich) zu opfern, will Niemand glauben, und so bleibt der Ursprung des unerschöpflichen Geldsäckels, aus welchen die Stöcker und Henrici und ihre Preßorgane wirthschaften, vorläufig unaufgeklärt." Ob es nicht noch eine anderweitige Erklärung giebt? Leipzig, 10. Mai. (Berichtigung.^ Gestatten Sie mir, die mich betreffende Angabe Ihres Correspondenten 9!. M. von hier in Ihrer heut. Nummer dahin zu berichtigen, daß nicht der pp. G. Portig aus meiner Mitarbeiterschaft bei der „Wissensch. Beil." der „Leipz. Zeit." mich verdrängt hat, sondern lediglich der Redacteur der „W. B.", Herr!>>-. H. Marbach selbst, und zwar weil ich mich ihm gegenüber, den ich seit Jahren für einen Freund hielt, über die jndcnfeindliche Haltung der „L. Zeit." geäußert hatte. Es gcschah diese Verabschiedung jedoch, wie er mir s. Z. schrieb, „im Einverständniß mit dem Herrn Commissar für die Angelegenheiten der Königl. Zeitung!" Die Beurtheilung dieser Handlungsweise seitens l)r. H. Marbach überlasse ich dem Leser. I>r. David Asher. Altona, im Mai. (Privatmitth.) Das Neueste inbetresf der hies. Antisemiten ist, daß sich der „Allgem. Deutsche Arbeiterverein" der sog. B. . M.-Socialisten seines Antisemitismus zu schämen anfängt. Derselbe, welcher Henrici s. Z. hierher berufen hatte, um zu wühlen, erläßt nun, etwas sehr spät, folgende Bekanntmachung: „Tie augenblicklichen Wirren im „Allgem. Deutschen Arbeiterverein" zwingen uns öffentlich kundzugeben, daß die von C. H. Mohr in Altona abgehaltcnen „Judenhetzerversammlungen" keine Versammlungen des obigen Vereins sind. Herr C. H. Mohr. . . ist nicht nur als Bevollmächtigter und Vorstandsmitglied seines Amtes am 26. März enthoben, sondern derselbe ist auch seit dem 25. April d. I. als Mitglied aus dem Verein ansgestoßen." — Sollten vielleicht den Vereinsmitgliedern resp. dem Vorstand des Vereins die Hetzversammlungen schlecht bekommen sein? Zu wünschen wäre es. Nachträglich erfahre ich noch von einem Ohrenzeugen, daß Herr Prof. Dv. Viid>t, Tirectvr des hies. Königl. Gymnasiums am Tage, da der Vortrag des lh\ H. hier stattfinden sollte, den Oberklaffen genannter Anstalt Folgendes mittheilte: Sie werden wohl gehört haben, das; ein übel beleumundeter Mann demnächst hier eineu Vortrag über ein ^hema halten wird, daß leider seit kurzem auf der Tagesordnug steht, ich warne Sie hiermit Namens des königl. Provinzial-Schulcolleginms vor dem Besuch dieses Vortrages unter Androhung der strengsten Strafen und mache Sie darauf aufmerksam, daß die überwachenden Polizisten angewiesen sind, jeden Zuwiderhandelnden Gymnasiasten an der Thür des Locals zurückzuweisen." Ehre dem wackern Manne. (Eisenach, 6. Mai. Man schreibt der „V. Z." von hier: Wenn irgendwo die Antisemiten-Agitation gründlich Fiasko gemacht hat, so war es hier bei der kirchlichen Confcreuz mit dem unklaren, verschwommenen Vortrag des Mis. sivnärs De le Roi, nud wenn jemals die hierarchisch orthodoxe Propaganda ihren Eindruck total verfehlt, so war es ebenfalls hier in Eisenach. In gleichem Sinne sprechen sich die in Eisenach erscheinenden Blätter in ihren Urtheilen aus, welche diese und Stöckers Vorträge als gänzlich verfehlt und wirkungslos bezeichnen. Neuwied, im Mai. (Privatmitth.) Die Nummer 10 d. Ztg. enthält einen der „Voss. Zeitung" entlehnten Artikel in Betreff der hier abgehaltcnen Pastoral-Conferenz und der in derselben vorgebrachten Thesen über die Stellung des evangelischen Christen zur sogenannten Judenfroge der Gegenwart in Deutschland. — Ohne ein Wort über diese „vom Geiste der Liebe "z?) inspirirtcn Thesen zu verlieren, glauben wir jedoch uns der Pflicht nicht entziehen zu dürfen, zu bekunden, daß der hier am Orte allgemein herrschende Christ mit dem Inhalte dieser Thesen nichts gemein hat. Die hiesigen Juden und Christen leben untereinander in vollem Frieden und in vielfachen geselligen Beziehungen. Die Humanität und die Toleranz des hier residirenden Fürstenhauses zu Wied, die bei jedem Anlaß zu Tage treten, sind traditionell; ganz besonders wollen wir noch hervorheben, daß gerade seitens eines hiesigen evangelischen Geistlichen, des Herrn Pastors Lohmann, von der Kanzel herab der religiöse Friede betont und der leidigen Judenhetze in ernster Abmahnung cntgegengetreten worden ist. Die zur Zeit auch hiesigen Beamten zugegangenen bekannten Petitionsbogen, sind von ersteren entweder vernichtet oder scherzweise den einen oder anderen ihrer jüdischen Bekani'.ten zugesteckt worden. Fürth, den 4. Mai. l Privatmitth.) In No. 1 d. „A. Z. d. I." vom Jahre le>7.'> war von der Gründung des Verbandes bairischer Vereine zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten berichtet und die Einmüthigkeit betont, mit welcher man allseitig das Bedürfniß für eine solche Institution anerkannte. Wer hätte damals geahnt, daß schon nach dem kurzen Zeiträume von Jahren Zweifel über den ferneren Bestand des Verbandes entstehen würden? Und doch ist den. so, der Verband wird unter den gegenwärtigen Umständen als Centralstelle nur noch kurze Zeit existireu können. Wir bedauern dies umso lebhafter, als die Gründe, welche zum Jnslebenrufen des Verbandes drängten, in noch erhöhten Maße heute bestehen und zwar in vollem Umfange. Der Grundzug des Verbandes läuft nicht auf j Verminderung der Gaben hinaus, cs soll vielmehr durch ihn , ein Verminderung der Orte und eine scharfe Controle der j unwürdigen und arbeitsscheuen Individuen herbeigeführt und