Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1881)
- Date
- 1881-05-24
- Page
- Seite 340 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Deutschland. Berlin, 10. Mai. Zur Errichtung der Lcssing-Statue sind jetzt ungefähr 85,000 M. zusammen. In diesen Tagen beschloß der Magistrat von Berlin die Summe von 30,000 Mark zuzuschießen, wie er dies bei den Statuen von Schiller und Göthe gethan. — Das Disciplinarvcrfahren gegen Dr. Förster, welcher bekanntlich anläßlich der Kantorowicz-Affaire nebst dem Dr. Jungfer zu einem Verweis, außerdem aber noch für sich allein zu einer Geldstrafe von 00 Mark verurtheilt worden war, das Küchlein immer erkennbarer aus. Das Etiquette fällt und blank und nett präsentirt sich der nackte Conservatismus. (Sehr wahr.)" Bon dieser Versammlung wurden über 50 Personen abgewiesen, die sich unter falschem Namen Eintrittskarten verschafft hatten. Die Absicht dieser Kerle ist selbstverständlich, sie wollten Tumult erregen, um der Polizei schnell die Gelegenheit zu verschaffen, die Versammlung alsbald aufzulösen. Der Redner geißelte dieses Treiben der Gegner mit scharfen Worten. — Folgender Artikel verdient wohl alle Aufmerksamkeit. Dem „Hannov. Cour." schreibt man von hier: „Die conhat erst in diesen Tagen seine definitive Erledigung gefunden. Iservative Partei hat bisher stets über die Lauheit geklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte nämlich die vorbemerkte Sen-! die ihre Anhänger bei den Wahlvorbereitungen bewiesen, ten; angefochten, worauf die Angelegenheit vor Kurzem noch IBesonders zu Geldspenden wollen sich selbst wohlhabende einmal vor dem Disciplinargerichtshof verhandelt werden I und sehr reiche Parteigenossen sehr schwer verstehen, und mit sollte. Einige Tage vor diesem Termine hat indeß die! einer Art von Neid blickte man auf die Qpferwilligkeit, mit Staatsanwaltschaft auf Anweisung des Ministers v. Putt-! welcher z. B. die Socialdemokraten, die sich wahrhaftig nicht kamer die Berufung zurückgezogen. i aus der besser situirten Minderheit rekrutiren, aus einer Wenn man sich wundert, daß die Antisemiten in alle! großen Zahl kleiner Einzelbeiträge recht beträchtliche Wahl- Versammlungen eindringcn können, deren Eintritt nur auf!fonds ansammelten. Auch als die Fortschrittspartei neulich Karten gestattet wird, so ist das Räthsel jetzt gelöst. Die! einen Rechenschaftsbericht über ihre Sammlungen zu Wahl- „Boff. Z." ist in der Lage, folgendes Schreiben zu veröffentzwecken veröffentlichte und sehr günstige Resultate aufweisen lichen, das antisemitischen Bertrauenspersonen zugeschickt! konnte, wurde dies in conservativen Blättern der eigenen worden ist: „Berlin, den 8. Mai 1881. Geehrter Herr! .Partei als ein Sporn zur Nacheiferung hingestellt, freilich Wir ersuchen Sie, zu der morgen, Montag Abend, in den i nicht, ohne die lächerliche Behauptung hinzuzufügen, daß die Reichshallen Bortrag (von Guenther) stattfindenden fort-! „Kriegskaffc" der Fortschrittspartei von den „Juden" gefüllt schrittlichen Versammlung für Karten gefälligst Sorge tragen! werde. Jetzt auf einmal hat indeß bei den verbündeten zu wollen. Die Verabreicher der Karten (Namen untenstehend) j Conservativen und Antisemiten alle Geldnoth eine Ende. Wie verlangen Legitimirnng (Namen und Wohnungsangabe).! ihre Führer selbst verkünden, stehen ihnen pecuniäre Mittel Falls Sie nicht selbst die Versammlung besuchen, bitten wir in „unbeschränktem" Umfange zu Gebote. Täglich werden um Abgabe der Karte resp. Karten, die event. Ihre Freunde! neue Agitations- und Hctzorgane gegründet, und von denen, noch besorgen wollen, bei Heincmann (Paffagc). Vorver-> die schon früher bestanden, aber bisher nicht leben und sterben sammlungslokal ist Waßmann, Leipziger Str. 33., Punkt 0'/2 konnten, hat das eine bereits im theuerstcn Quartier ein Uhr. Platz im Reichshallcnsaal ist linke Seite. Mit Gruß eigenes Haus kaufen können, und das andere ist im Begriff, I. A." Nun folgen die Namen einzelner KartenVertheiler. i für den Preis von beinahe einer Million Mark über den — Einen Eommentar hinzuzufügen ist wohl kaum nöthig. i Ankauf eines großen Etablissement mit eigener Druckerei rc. — In einer jüngst abgehaltenen Wählerversammlung abzuschließcu. Daneben werden stenographische Berichte von des II. Wahlbezirks sprach auch der Abg. Eugen Richter. Parlaments-und sonstigen Reden, Flugschriften und Zeitungs- Er begann: „Als die große Wahlmännerversammlnng s. Z. Probenummcrn in Hunderttausendcn von Exemplaren durch in diesem Saale tagte und es sich um die Antisemitendas ganze Land verbreitet, Stöcker und Henrici haben Zeit Agitation handelte, da sagte ich, daß man bald sehen werde, j und Geld, vom Meere bis zu den Alpen den religiösen und was des Pudels Kern ist. Diese Voraussage hat sich rasch politischen Haß zu schüren, und die ganze Agitation wird erfüllt. Im Großen und Ganzen kehrt sich diese damals! mit einem Aufwandc von Geld betrieben, der nicht genügend inscenirte Bewegung nicht gegen die Juden und deren Frei-! dadurch erklärt wird, daß Herr Stöcker am Sonnabend auf heiten, sondern gegen die Freiheiten von Juden und Christen! einer conservativen Versammlung in Minden sagte: „Ein gut ohne Unterschied. Tie Junker und die Pfaffen wollen wieder j situirter Berliner Bürger legte mir 10,000 Mark für die einmal obenauf kommen! (Beifall.) Durch die antisemitische Wahlagitation auf den Tisch und hat nachher wohl noch 12-bis Bewegung haben sie sich nur eingeschllchen, jetzt aber kriecht 113,000 Mk gegeben." Auch daß unsere kleinadligen Agrarier