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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-17 · Heft 20 (17.5.1881) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 20 (17.5.1881)
Date
1881-05-17
Page
Seite 329 (sequence 11)
Language
German
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329 zwei Petitionen bei den Vorständen der galizischen Gemeinde, natürlich nur bei denen curfiren, die er ihrer Hyperorthodoxie wegen ins Geheimniß ziehen zu können glaubt. Durch die eine Petition wird gebeten, von der beabsichtigten Gesetzesvorlage bezüglich der israelitischen Cultusgemeinden Umgang zu nehmen, indem mit vielen Phrasen behauptet wird, daß durch ein solches Gesetz die Autonomie der Gemeinden verletzt werde, besonders wenn durch dasselbe die Forderung einer gewissen Qualifikation der Rabbiner und die staatliche Bestätigung derselben nach der Wahl enthalten ist. Diese Leute verstehen unter Autonomie nichts weiter als Unordnung, Willkür, Unregelmäßigkeit in den Finanzen u. s. w. Dafür wird in dem zweiten Machwerk um Annahme eines Gemeindestatuts petitionirt, welches die Klique des ged. Schreiber ausgearbeitet hat. Um dieses Statut sollen die Gemeinden durch ihre Unterschrift eintreten, ohne daß es ihnen bekannt gemacht ist. Sie beginnt mit der Unwahrheit, daß das Statut von zahlreichen Rabbinern und Delegirten der Gemeinden verfaßt sei. Solche Delegirte waren aber gar nicht betheiligt und ebenso wenig die Rabbiner der größten Gemeinden. Das Monströse in diesem Statut ist aber, daß Alle, welche den Religionsgesetzen nicht ganz anhänglich seien, vom activen und passiven Wahlrecht ausgeschlossen werden sollen, worüber dann dem Rabbiner die Entscheidung zusteht. Außerdem wird darin die Eintheilung in drei Wählerklassen, dem Gesetz über die Stadtgemeinden gemäß, verworfen, weil die Mitglieder der ersten und zweiten Wähler- Nasse gerade die Zrrreligiösen sein und daher einen schädlichen Einfluß auf die Gemeinden üben würden. Jedenfalls ist es bemerkenswerth, wie nackt und unverhüllt sich in unserer Zeit der Obskurantismus zu Tage zu treten nicht scheut, und der krasseste am wenigsten. Wenn man hierin ein Zeiche« bemerken könnte, daß dies nur zu geschehen vermöge, weil dieser Obskurantismus in gewissen einflußreichen Kreisen eine Stütze findet, so läßt sich doch andererseits nicht verkennen, daß derselbe sich seinem Ende nahe fühlt und deshalb den äußersten Kampf wagt. Wir glauben übrigens nicht, daß derartige Agitationen außerhalb Galiziens in den übrigen Kronländern irgend eine nennenswerthe Unterstützung finden werden, und so hoffen wir, daß das Ministerium sich von denselben nicht beirren läßt. Italien. AuS Obrritalirn, 1. Mai. (Privatmitth.) Das Ansehen Deutschlands in der Fremde hat in den letzten Jahren durch nichts mehr gelitten, als durch den in jeder Beziehung so verkehrten und lächerlichen Feldzug der Antisemiten; zumal man es sich im Auslande nicht ausreden lassen will, daß der Reichskanzler, wenn er nur gewollt hätte, der Sache mit einem Male hätte ein Ende machen können. Eins der einflußreichsten Organe des nodwestlichen Italien», die Liguria Occidentale, bringt einen Artikel „Bismarck — Recht und Politik", der, von den allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts und der gesetzlichen Freiheit ausgehend, der preußischen Regierung und ihrem Leiter so bittere und einschneidende Borwürfe macht, das wir darauf verzichten müssen, sie hier wiederzugeben. Der Artikel stellt Deutschland auf gleiche Stufe mit Rußland und beschwört die beiden mächtigsten Staaten Europa's, nicht durch Bekämpfung von Recht, Freiheit und Aufklärung ihren Niedergang selbst herbeizuführen. Er beruft sich in passendster Weise auf den berühmten deutschen Rechtslehrer Jhering, welcher sagt: „Die Macht eines Volkes steht in unmittelbarem Verhältniß zur Kraft seines Rechtsgefühls." Möchte dieser Grundsatz in den leitenden Kreisen des deutschen Reiches doch die gebührenden Beherzigung finden! Bonn, 8. Mai. (Notizen.) Wie uns mitgethttlt wird, ist in Nürnberg der bisherige Kantor Rosenhaupt zu; Speyer von der Gemeinde an Stelle Singer's gewählt worden, der in Wien an Stelle Sulzers zum Borbeter gewählt worden. Aeuilleton. Der tytltfcl UM den Uumeu mal bischen riechen, riecht es etwa nach Lilien hier? Tie Bon Sacher-Mafo«.; Leute werden sagen, hätt' er sich doch lieber Zwiebelthal ge- (Fortsetzung.) nannt." „Wie sollen wir heißen, Goldmann," wendete Mutter! Sie beriethen weiter bis zum Essen, sie beriethcn Rachel ein, „wenn wir sind so arm, daß wir kaum haben während des Essens und nach dem Essen. Sie fanden uns satt zu essen. Müßten wir nicht werden zum Gespülte; keinen Namen, der ihnen schön und passend genug erschienen der Leute?" wäre, endlich ging Absalon seufzend seinen Geschäften nach. Absalon sagte nach langem Nachfinnen plötzlich mit . Unterwegs, wenn er bei irgend einer Köchin ein Hasenfell einem feinen Lächeln: „Was sagst Du aber, wenn ich Lilien-! verhandelte oder auf der Straße ein verlorenes Hufeisen aufthal heißen will, Rachel?" , las — stets nur von dem einen Gedanken beseelt, einen „Aber Tateleben," rief Joffel lachend, „thu doch ein-'guten Namen zu finden. Er stand eben bei einem Bauer

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