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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-17 · Heft 20 (17.5.1881) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 20 (17.5.1881)
Date
1881-05-17
Page
Seite 328 (sequence 10)
Language
German
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328 oder unterhalb des Wolfes aus dem Bache getrunken haben, erneuert sich bei allen Verfolgungen gegen die Juden. Schließlich sollen die Juden immer die Veranlassung gegeben haben. Diese Meinung zu wecken ist jetzt die Bemühung der antisemitischen Blätter hinsichtlich der Vorgänge in Argenau. Einem polnischen Redakteur schreibt die „Germania" einen Bericht zu, aus dem wir der Vollständigkeit wegen Folgendes entlehnen, das allerdings mit anderen Referaten, z. B. der „Tribüne", nicht übereinstimmt. „Am 27. April fand hier eine Versammlung von Landwehrmännern statt. Einige von ihnen hatten sich einen kleinen Rausch angetrunken. Drei Männer deutscher Nationalität, ihres Handwerks Ziegler, sangen in dem Loeal des S. ein der „Wahrheit" entnommenes Lied. Das hat die vorübergehenden Juden gereizt, und sie fingen an durch die Fenster hindurchzugucken und einer von ihnen, Namens Leopold Alexander, sprang ans Fenster des Schanklocals und schlug mit einem Stein auf den Arm eines am Fenster sitzenden Landwehrmannes. Darauf sprangen aus dem Local drei Männer deutscher Nationalität heraus; augenscheinlich in der Absicht, sich auf den Angreifer zu werfen. Die Juden liefen im Augenblick zusammen; einer von ihnen, ein Fleischer, der Hausbesitzer ist, ist mit einem Messer auf die Deutschsprechenden losgegangen, ein anderer Jude, Namens Alexander, fofl(!) einen Dolch aus dem Rocke herausgezogen und diesen herumgeschwungen haben; ein Jude hat die Christen mit einer Stange geschlagen, in welcher Nägel waren. Es kam also zur Schlägerei, in welcher die Christen unterlagen. Dies Alles geschah ungefähr 5 Uhr Nachmittags. Am Abende soll(!) eine Schaar Aufrührer von Fenster zu Fenster gegangen sein und den Juden die Fenster eingeschlagen haben. Wer dabei war, weiß Niemand (!). Aller Wahrscheinlichkeit nach waren das Landwehrleute vom Dorfe, zu denen sich einige Neugierige aus der Stadt gesellten. Beim Einschlagen der Fenster des Rentiers Leopold Alexander, welcher beiläufig gesagt aus Amerika zurückgekehrt ist und auf amerikanische Weise die Sache hat beilegen wollen, fielen aus den Fenstern zwei Revolverschüsse auf die Leute. Bei derselben Gelegenheit streifte ein Schuß den Hals eines Fräuleins Frey. Hierauf sollen (!) einige Schüsse aus dem Bolksgedränge geantwortet haben. Am andern Tage begab sich eine Schaar von Juden nach Jnowraclaw und gleichzeitig wurden an die Regierung und an den Oberstaatsanwalt Depeschen abgesendet, mit der Meldung, daß man die Juden ermorden wolle, und mit der Bitte um militärische Hilfe. Militärische Hilfe scheint die Behörde jedoch nicht für nöthig zu halten. Dagegen erschien sofort der Landrath des Kreises, Graf Solms. Wie der Oberstaatsanwalt Bartsch und der Untersuchungsrichter die Sache beurtheilen, entzieht sich vorläufig der öffentlichen Kenntniß. Es bleibt noch zu erwähnen, daß von den drei Ortsgendarmen während der Vorgänge sich zwei auf den umliegenden Dörfern befanden, während der dritte krank war. Im Allgemeinen find circa 300 Fensterscheiben eingeschlagen worden. Die jüdische Gemeinde hat eine Caution von 6000 M. bei dem Magistrate von Gniewkowo deponiren müssen, um die Kosten der Untersuchungscommission, die noch hier verweilt, zu bestreiten. Die Stadt, die jetzt wieder ein ganz friedliches Aussehen hat, besteht blos aus einer langen Straße." Interessant ist zu bemerken, wie viele Mühe sich der Pole giebt, die Deutschen als schuldigen Theil darzufiellen Oesterreich-Ungarn. Wien, 2. Mai. (Rat. Zeitung.) die österreichische Presse feierte gestern ein Fest, den siebzigsten Geburtstag des unermüdlich en Streiters für Freiheit und Fortschritt, Abg. Kuranda. Im Hinblick auf die gegenwärtige Lage der Bersassungspartei gestaltete sich die Feier, welche in dem Verein „Concordia" stattfand, zu einer politischen Demonstration. Kuranda bemerkte in seiner Erwiderungsrede auf den ihm gewidmeten Trinkspruch u. A.: „Ich habe 40 Jahre milgearbeitet an der Befestigung des deutschen Geistes in Oesterreich, an der Wahrung der deutschen Interessen daselbst, an der Sicherung der Zukunft der Deutschen in Oesterreich, und nun am Abende meines Lebens muß ich alle diese Arbeiten in Frage sehen, muß ich fürchten, daß der morgige Tag all' das, was wir insgesammt geschaffen haben, zerstören werde." Große Bewegung folgte diesen Worten in der aus zahlreichen Notabilitäten der Politik, der Literatur, der Presse rc. bestehenden Versammlung. Der Bürgermeister von Wien, Dr. Newald verkündete, daß am selben Tage der Wiener Gemeinderath einhellig unter freudig zustimmenden Zurufen von allen Seiten den Beschluß gefaßt, dem Jubilar das Ehrenbürgerrecht der Stadt Wien zu verleihen. „Der Gemeinderach", sagte Dr. Newald, „wollte hierdurch auch in unzweifelhafter Weise öffentlich kundgeben, daß die Gemeindevertretung Wiens treu und redlich zu jenen Prinzipien hält, welche Sie, verehrter Jubilar, Ihr Lebenlang festgehalten." Auch alle übrigen Reden, u. A. eine solche des früheren Ministers Herbst, waren reich an Anspielungen auf die gespannte politische Lage in Oesterreich. Lemberg, 1. Mai. (Privatmitth.) Daß die hyperorthodoxe Partei, an ihrer Spitze Rabbiner Simon Schreiber von Krakau, mit allen möglichen Mitteln das für die österreichischen Judengemeinden beabsichtigte Gesetz zu hintertreiben sich bestreben werden, konnte man voraussetzen. In ihrer Rührigkeit lassen sie kein Stadium, welches das Gesetz noch zu durchlaufen hat, unbenutzt. Zuerst lehnten sie sich gegen die EnquÄe auf, und da dies erfolglos blieb, wollten sie das Ministerium bestürmen. Schreiber läßt deshalb jetzt

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