Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1881)
- Date
- 1881-05-17
- Page
- Seite 326 (sequence 8)
- Language
- German
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326 und mit ihr durch eine Brücke verbanden ist, gingen die > Stadtbewohner in Begleitung des Polizeipristaws nach Polta und stellten die Ordnung wieder her." Ganz anders lauten die Nachrichten, welche nach Brody gelangt sind. Ihnen zufolge hat der Pöbel vom 23. bis zum 27. April die Stadt mit Rqpb, Mord und Brandlegung heimgesucht. „500 Familien sind getödtet", heißt es in dem nach Wien gelangten Brodyer Telegramm. Selbstverständlich liegt hier eine wahrscheinlich durch Verstümmelung des Textes verursachte Unrichtigkeit vor. Wenn aber weiter gesagt wird: „Die größten Waaren-Magazine sind geplündert, die Stadt gleicht einem Trümmerhaufen", so ist es unzweifelhaft, daß das amtliche Telegramm der russischen Regierung Unwahrheiten verbreitet hat; auf die Dauer freilich wird es ihr jedoch nicht gelingen, den Thatbestand zu verheimlichen. — Es ist wie selbstverständlich zu betrachten, daß jetzt — mit Ausnahme der liberalen Presie — von allen Seiten versucht wird, die Schuld in Elisabethgrad, ebenso wie in Argenau, auf die Juden zu wälzen, und jeden Juden, der sich nur irgend vertheidigen wollte, als den Angreifer und Gewaltthätigen hinzustellen. Es können solche Versuche nur bei parteiischen Personen einen Erfolg haben. Denn an beiden Orten war der Sturm auf die Juden schon längst geplant und ging wochenlang vorher als Gerücht um, bis dies zur That ward. Eine neueste Depesche des „W. T. B." aus der russischen Hauptstadt von heute führt eine Meldung des „Golos" aus Kiew von gestern an, dem zufolge auf Anordnung des Generalgouverneurs Drenteln am 1. d. M. mittelst Extrazugs 2 Bataillone Infanterie nach Smela und Korsum abgegangen, um die dort durch Excesie gegen die jüdische Bevölkerung hervorgerufenen Ruhestörungen zu unterdrücken. Auch in Uman, Schpola und Lityn, wo die Juden mit Gewaltthätigkeiten bedroht worden waren, wurden energische Maßregeln zum Schutze derselben angeordnet. Seilitvicj > vi ac ij xX cfj l'e w. Deutschland. Berlin, 5. Mai. (Privatmitth.) gierig auf die Antwort, welche den Herren Antisemiten auf ihre Petition, die sie mit so vielem Pompe überbracht haben. j wird. — Auf Uebersendung der in vor. No. besprochenen j Broschüre des Prof. Baumgarten gegen Stöcker hat der Kron- Alle Welt war neu- Prinz folgende Antwort erlaffen: „Ich habe mit besonderem Jntereffe die kleine Schrift empfangen, welche Sie die Güte hatten Mir zu überreichen vom Reichskanzler erhalten würden. Sie haben aber — keine und nehme gern Veranlassung, Ihnen für diese willkommene erhalten, sondern nur vom Vorstände der Reichskanzlei eine Sendung bestens zu danken. Bescheinigung über die geschehene Einlieferung. Das anti- Berlin, den 27. April lb8l. Friedrich Wilhelm." semitische „Deutsche Tagebl." macht gute Miene zum bösen — Folgender Vorgang ist für unsere Zeit nach vielen Spiel und meint, die Einsender der Petition hätten gar keine Seiten hin zu charakteristisch, als daß wir nicht Näheres andere Antwort erwartet, und tröstet sich mit dem Umstande, nach der „Tribüne" wiedergeben sollten. Auch Se. Majestät daß der Reichskanzler die Annahme hätte verweigern können; der Kaiser hat vor Kurzem durch einen Gnadenact bewiesen, und dies sei nicht geschehen. Eine armselige Beschönigung, daß er in diesem Punkte an der alten Tradition derHohendenn der Reichskanzler hatte ja officiell keine Kenntniß von zollern nicht rütteln lassen will. Wir meldeten bereits, daß dem Inhalte der Petition, ehe sie officiell überreicht worden,§ Se. Majestät zwei jüdische Kaufleute aus Schönsee, die und er konnte daher nicht zurückweisen, was er gar nicht-wegen Mißhandlung eines christlichen Feldmessers zu acht kannte. — I Monaten Gefängnisstrafe verurtheilt waren, zu zwei Monaten In der nächsten Zeit werden hier die protestantisch- und begnadigt habe. Es liegt uns jetzt das actenmäßige Madie katholisch-klerikalen Conservativen einen Parteitag halten,! terial des Processes vor, aus dem Folgendes der Mittheilung um eine vollständige Bereinigung der conservativen und der! werth erscheint: Schönsee ist ein kleines Städtchen in der Centrums-Partei zu Stande zu bringen. Die Aushebung' Nähe von Argenau im Kreise Thorn. Bis zu Beginn des der Maigesetze und die Sicherung des Einflusses der Kirche l vorigen Jahres herrschte Ruhe und Frieden im dem Orte, aus den Staat sind die Hauptpunkte der Verständigung. > Da nahm ein Feldmesser Schöler in Schönsee Wohnung und Die Gleichberechtigung ohne Unterschied der Confession, wie begann sofort, obschon er mit allen Verhältnissen unbekannt die Verfassung des deutschen Reiches sie verbürgt, wird der j war, systematisch die Judenhetze. Unterstützt wurde er durch nächste Angriffspunkt der beiden vereinigten Parteien sein.! den jungen Arzt des Städtchens, vr. Petschke; Schöler er- Es wird sich nun fragen, ob das deutsche Volk bei den klärte u. A. öffentlich, wie in den Motiven des später genäcksten Wahlen das Siegel auf diese Vereinigung drücken' fällten Urtheils wörtlich mitgetheilt ist: „Die dortigen jü-