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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-17 · Heft 20 (17.5.1881) · p. Seite 325

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 20 (17.5.1881)
Date
1881-05-17
Page
Seite 325 (sequence 7)
Language
German
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325 noch häufiger ist, fällt so in den Rinnstein und bleibt da liegen, bis er seinen Rausch ausgeschlafen hat. In Elisabeths grad macht das Volk natürlich von der Regel keine Ausnahme. Bon den Bauern, die aus der Umgegend in die Stadt gekommen waren, hatten die meisten alles vertrunken, einige sogar ihre Stiefel. In Elisabethgrad begann nun in einer Schenke, die von Juden gehalten wird, ein Streit zwischen betrunkenen Gästen und dem Wirth; er endete da mit, daß letzterer fürchterlich geprügelt und die ganze Bilde demolirt wurde. Die Bauern plünderten die Lasse, und da sie Geschmack an der Sache fanden, zogen sie, einmal erhitzt, auf die Straße unter dem Rufe: „Schlagt die Juden tobt!" Die ersten Juden, die ihnen begegneten, wurden zu Boden g eschlagen. Der Tumult verbreitete sich bald über die ganze Stadt; betrunkene Bauern und Gesindel schlugen den Juden die Fenster ein, stürmten die Kneipen der jüdischen Wirthc, rissen die Fensterläden an den Häusern ab, schlugen die Thüren ein und attaquirten schließlich die Häuser durch regelrechten Sturm. Die Juden wurden gehauen; viele sprangen zum Fenster hinaus. Dann wurde gestohlen oder gewaltsam geraubt, was tragbar und mitnehmenswerth war; das übrige wurde vernichtet. Das Militär in Elisabethgrad beeilte sich durchaus nicht, am 27. dem Unfug zu steuern, und die Sache nahm bei Nachtzeit immer größere, immer bedenklichere Dimensionen an. Am 26. erreichte der Krawall seinen Höhepunkt. Die Juden flohen sämmtlich aus der Stadt, so weit ihre Beine sie tragen konnten. Mehrere wurden todtgeschlagen — nicht bloß einer, wie ofsiciell gemeldet wird —, viele schwer und andere leicht verletzt. Es war für sie noch ein Glück, daß die betrunkene Bande es mehr auf Raub als auf Mord abgesehen hatte, und angesichts der lockenden Beute aus Furcht, andere könnten ihnen im Raube zuvorkommen, meist die geängstigten Opfer entkommen ließen Biele Juden verdanken auch die glückliche Flucht nur einer Verkleidung und dem Schutze des Dunkels der Nacht. Das Militär machte, als um 4 Uhr Nachmittags am Mittwoch die Unordnungen anfingen, keinen ernstlichen Versuch, die Störenfriede auseinanderzutreiben, und später, als die Plünderung und Zerstörung der Häuser begann, da — so entschuldigt man sich — war die Garnison zu schwach zum Einschreiten. Am 26. kamen aus der Umgegend auf die Kunde von dem Geschehenen große Trupps meist schon betrunkener Bauern nach Elisabethgrad hineingezogen und das Militär erwies sich zu schwach, um ihnen erfolgreich entgegen zu treten. In der Nacht aus den 29. trafen endlich die ersehnten Verstärkungen, drei Schwadronen Ulanen und ein Bataillon Infanterie, ein, und gegen Morgen gelang es allmählig, die Ruhe herzustellen. Tie Elisabethgrader Juden flohen nach Odessa, woselbst die Administration ihnen Pässe ausstellte. Bei dem Nahen der Cavallerie stob die Menge auseinander, die Bauern flüchteten ins Freie; über 4M Personen wurden verhaftet, bei denen viel von dem gestohlenen Gute gefunden wurde. Der Commaudeur des Militärbezirks wird sich vor dem Generalgouverneur darüber zu verantworten haben, daß die Truppen so spät eingeschritten. Als nachher die Elisabethgrader Unruhen gedämpft und die Bauern verjagt waren, zogen diese in ihre Dörfer zurück, um dort den Unfug weiter zu treiben; die Juden, die nicht geflohen waren, wurden geprügelt, ihr Eigen - thum verwüstet. In verschiedenen Dörfern kam es zu groben Ausschreitungen, sodaß von der siebenten Cavalleriedivision mehrere Schwadronen in der Umgegend auf etwa 30 Werst vertheilt werden mußten. Nachdem Orte Snamenca wurden Kosaken aus Nowogeorgiewitsch gesandt, und zwar von Pawlisch aus mit einem Sonderzug; die Ruhe ist dort wieder hergestellt. Im Oertchen Golta bei Olwiopol, das nur durch den Fluß von letzterer Stadt getrennt ist, brach am 29. der Tumult los. Die Juden wurden geprügelt, ihre Habe geplündert, die Häuser gestürmt, bis endlich die Einwohner von Olwiopol mit dem Polizeichef (Pristaw) an der Spitze in das Dorf hinübermarschirten und dem Unfug ein Ende machten. Man band die Rädelsführer und übergab sie dem Gericht. Die Behörden dankten den entschlossenen Bürgern. Strenge Untersuchungen werden eingcleitet." Wir geben noch folgende weitere Nachricht: Petersburg, 3. Mai. Nach einer Meldung des „Golos" aus Kiew von gestern sind auf Anordnung des Generalgouverneurs Drcnteln am I. d. M. mittelst Extrazugs 2 Bataillone Infanterie nach Smela und Korsum abgegangen, um die dort durch Excesse gegen die jüdische Bevölkerung hervorgerufenen Ruhestörungen zu unterdrücken. Auch in Uman, Schpola und Lityn, wo die Juden mit Gewaltthätig-- keiten bedroht worden waren, wurden energische Maßregeln zum Schutze derselben angeordnet. — Odessa, 30. April. General-Major Kofits entsendete nach allen Seilen hin Cavallerie, um die Unruhen zu unterdrücken. Nach dem Dorfe Suamenska mußten Dragoner aus Nowogcorgiewsk telegraphisch beordert und mit Extrazug befördert werden. Die Dragoner unterdrückten die Unruhen. In der Stadt und Umgebung von Elisabethgrad wurde die Ordnung nothdürftig hergestellt; doch mußten die Schänken allerorts gesperrt werden. Der Magistrat hat den Gouverneur gebeten, die am Donnerstag abzuhaltende Georgi-Messe ausfalleu zu lassen, weil neue Krawalle befürchtet werden. Im Flecke Polta wurden viele Juden masiakrirt. Tort wurde mit den Kirchenglocken Sturm geläutet. Die Schlägereien begannen durch einige Kinder, wobei sich Erwachsene einmengten. In der Nacht wurden von betrunkenen Bauern die Judenhäuser geplündert. Auf Anregung des Bürgermeisters von Olviopol, welche Stadt Polta gegenüber liegt

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