Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1881)
- Date
- 1881-05-17
- Page
- Seite 322 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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322 gcr von selbst bezeichnen. So zum Beispiel die Post, die kein Vernünftiger mehr aus der Hand des Staates in die Hände von Privatunternehmern verlegen wird. Ebenso der Telegraphendienst und endlich die'Eisenbahnen, sobald diese eine derartige Verzweigung erreicht haben, daß sie lediglich j durch eine centralisirte Leitung zweckentsprechend geführt wer- > den können. Nichts ist natürlicher, als daß durch diese! Beispiele die Augen auch auf andere große Industriezweige! geleitet werden, sie durch Ccntralisation wirksamer und ihre Ergiebigkeit für die Gesammtheit, d. h. für den Staat nutzbringend zu machen. So liegt bereits Forstwirthschaft und Bergwesen zum größten Thcil in der Hand des Staatesso Zerbröckelung und der dadurch nabegebrachte Untergang aller mohamcdanischen Staaten, vor allen des großen türkischen Reiches. Als Schreiber dieses noch kein Jahrzehnt zählte, begann der Aufstand der Griechen, und die Gräuel, die damals von beiden Seiten geschahen, warfen ihre Schatten bis in die Kindesseele in der kleinen deutschen Residenzstadt. Die wichtigste und folgenreichste Begebenheit war es, daß : schließlich zum ersten Male die europäischen Großmächte sich > in der Seeschlacht bei Navarin vereinigten, den Sultan zur j Anerkennung des neuen griechischen Staates zu zwingen. ' Freilich hatte der Sultan selbst die Stärke seiner Militär- 1 macht durch die Niedermetzelung der unbändigen Janitscharen in mehreren Staaten die Tabaksindustrie. Wie leicht ist da; sehr herabgemindert. Nicht lange darauf zogen die russischen der Uebergang zum Versicherungswesen, zur Zuckerproduction Heere 1828 bis Adrianopel und schwächten die türkische Herru. s. w. Endlich ist nicht zu übersehen, daß es Jnteresien j schaft an der Donau. Zwei Jahre später eroberten die Frangiedt, welche zu gleicher Zeit staatlich und örtlich oder indizosen Algerien, und nahmen dieses Beylik dem türkischen viduell sind, wie Schul-, Armen- und Polizeiwesen, Jnteresien, Reiche ab. Allerdings wehrten die Westmächte (1855) dem die nirgendsauch in England und den Bereinigten Staaten russischen Ezaren die weitere Ausdehnung seines Machtgebienicht, ohne die Aufsicht und Anordnungen des Staates zu allgemein gedeihlichen Zielen geführt werden können, dennoch aber am sichersten von der Ortsgemeinde gettagen werden. Auf diesem gemeinsanien Gebiete gilt es daher sowohl dem tes in der europäischen Türkei, aber sie begünstigten die factische Loslösung der Moldau und Walachei, Serbiens und j Montenegros. Uuterdeß war auch Aegypten dem Sultan so I gut wie abtrünnig geworden und hatte selbst Syrien sich an- Staate, als der örtlichen Selbstverwaltung den angemesienen; zueignen versucht, was ihm wiederum nur durch die Dazwi- Thcil zuzuweisen; aber cs liegt auch hier die Versuchung! schenkunft der Großmächte mißlang. Der letzte russisch-türnahc, den ganzen Raum für den Staat in Anspruch zu neh-! kische Krieg (1877) sammt dem Berliner Congreß brachte dem men. Also auch hier ist es von großer Wichtigkeit, nach welcher Tendenz hin die Staatsregierung und die Gesetzgebung sich neigen, und ob zwischen den Factoren der Verwaltung und denen der Gesetzgebung Einverständniß oder türkischen Staate in Europa wie in Asien neue große Verluste und beschränkte es auf allen Grenzen so sehr, daß es zu einer Macht dritten Ranges herabgesunken. Da all' diese neuen Schöpfungen, z. B. auch Bulgarien, durch die ihnen Widerstreit vorhanden sind. Steht nun au der Spitze der > jetzt gezogenen Grenzen unbefriedigt sind und ihre Kräfte Regierung ein dictatorisch angelegter Staatsmann, so ist cs nur sammeln, um bei der ersten günstigen Gelegenheit die erklärlich, daß trotz des bisherigen Sieges des Staatsprincips! den Türken noch verbliebenen Provinzen an sich zu reißen, der freien Individualität bei so vielen Conslictsmomenten! so läßt die völlige Ohnmacht des Türken den Untergang seileicht ein neuer Anstoß nach der Seite der staatlichen Omnij nes Reiches voraussehen, sobald die europäischen Mächte sich Potenz eintritt, der sofort auch seine Interessenten, also seine? über den Besitz Konstanttnopels geeinigt haben würden. Die Anhänger findet. diplomatische Anerkennung der Integrität des ottomanischen Der alte Kampf zwischen den beiden Staatsprincipien! Reiches ist nichts als eine Maske, wie denn Frankreich soeben ist also von Neuem entbrannt, und hat dieses Mal besonders das neue deutsche Reich zur Arena gewählt. Mit dem Rückzuge zum Schutzzoll begann er, die neuesten Erscheinundie mächtige Hand nach Tunis ausstteckt, worauf nvthwendiger Weise auch die Besitznahme von Tripolis folgen muß. Denn die Ausdehnung der französischen Herrschaft am Mitgeu sind die Consequenzcn. Sie vom objectiven Standpunkte j telmeer wird Italien und England nöthigen, ihre Hand auf zu beurtheilen, möge die obige Erörterung beitragen. 1l. I Tripolis und Aegypten zu legen. Aber auch in ihren afiatij scheu Besitzungen wird die Türkei nicht vermögen, ihre Herr- > schaft aufrecht zu erhalten, weder gegen den Andrang äußerer Wer jetzt eine Reihe von Jahrzehnten durchlebt hat,! Feinde, noch gegen die aufständischen Stämme im Innern, vor dessen Augen ist eine Fülle so außerordentlicher Ereig-! Sie hat dieses Schicksal verdient, denn mit den Kulturstaanisse vor sich gegangen, wie sie in ihrer Mannichfaltigkeit i ten in nächster Berührung hat sie alle Regeneration und und Größe zu gleicher Zeit kaum jemals in einer früheren! Reform zurückgewiesen und sich auf dem alten Fuße des Epoche geschehen sind. Zu den interesiantesten und bedeut- > Seraildespotismus erhalten gewollt. Bor Beginn des letzten nngsvollsten Vorgängen gehört in den letzten 60 Jahren die Krieges hatten die freundlich Gesinnten noch die Hoffnung,