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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-17 · Heft 20 (17.5.1881) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 20 (17.5.1881)
Date
1881-05-17
Page
Seite 321 (sequence 3)
Language
German
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321 unterstützt durch die großen Erfindungen des Schießpulvers, der geht hervor: 1) daß cs ein großer Jrrthnm wäre, die auf Buchdruckerkunst u. dgl., die Entdeckung der transoceanischen der Omnipotenz beruhende Staatsform als mit der Natur Länder, entseffelte auch allmälig die Individualität von den des Menschen im Widerspruch stehend, ihm nur durch tnugesellschaftlichen Banden. Dennoch entwickelte sich aus dem tale Gewalt aufgezwungcn anzusehen. Ein gesellschaftliches verfallenden Feudalstaate nicht zunächst der -Staat freier In- Prinzip, das sich viele Jahrtausende hindurch in der mannigdividualität, sondern vielmehr gleich wie einst aus der römifaltigsten Ausgestaltung in der Herrschaft erhalten hat und scheu Republik der Cäsarismus, in einem gewissermaßen rückin dem größeren Thcile des menschlichen Geschlechtes noch gängigen Laufe zuerst der absolutistische Staat, in welchem jetzt sorterhält, muß gewisse Wurzeln in der menschlichen der Monarch in seiner Hand die Gesetzgebung, die Berwal- Natur besitzen und zum Theil in den allgemeinen Bedingun tung nach Innen und Außen und die Rechtspflege vereinigte gen der menschlichen Gesellschaft beruhen; 2) das; jedoch und hierzu noch eine unbedingte Pvlizeigewalt hinzufügte, welche immer und überall, wo die Civilisation eine größere Verselbst die Bedingung, nur in Form von Gesetzen Berfügung breitung und Vertiefung erlangte, das Bedürfniß nach der zu treffen, unwirksam machte. — Jndeß nahmen die Tinge Freiheit der Individualität in der Gesellschaft hervortrat, nicht überall denselben Verlaus. Das drängende Bedürfniß sich das gesellschaftliche Recht zu erkämpfen und endlich den und der civilisatorische Trieb lehnten sich gegen die Despotie Staat auf dem Grunde der freien Individualität umzugestaldesomnipotenten Staates auf und rangen unter begünstigenden len strebte; 3) daß es aber trotzdem gleichfalls irrig wäre Umständen der rohen Gewalt gewichtige Bortheile ab. So anzunehmen, daß mit dem Siege in den mittel- und westerwarb das Volk in England die Habeas-Corpus-Akte und europäischen und transoceanischen Ländern das Princip des die constitutionelle Monarchie, in Holland die constitutionelle omnipotenten Staates völlig niedergeworsen, und der Kampf Republik mit scheinbar monarchischer Spitze und gesicherte beider Staatsprincipien geschlossen sei. Die neueste Zeit er- Rechte des Volkes. Aber erst jenseits des Oceans, mit der weist vielmehr, daß mächtige Elemente noch zu einer Erneuctapfer erstrittenen Befreiung der Colonien vom Joch des rung der Staatsomnipotenz hintreiben, die um so gewichtienglischen Mutterlandes, trat der Staat der freien Jndiviger sind, als dabei die Reste der alten Parteien, wie der dualität mit vollem Bewußtsein in die staatliche und gesell- Legitimisten in Frankreich, der Junker in Preußen, gar nicht schaftliche Welt. Nur wenige Jahre später wiederholte sich in Betracht kommen. Das wesentliche dieser Elemente bildieselbe Erscheinung in Frankreich. Mit vollem Bewußtsein, den die materiellen Zustände. Gerade die unbedingte Geldenn man formulirte die Prinzipien dieses Staates sofort tung der Individualität läßt auch den Besitzstand unter den als „Menschen- und Bolksrechte". Von hier aus begann Menschen in unbegrenzter Ungleichheit. Allerdings läßt sie nicht mehr auf theorettschem, sondern auf dem praktischen, die Individuen in diesem Besitze unaufhörlich wechseln, von thatsächlichen Boden der Kampf zwischen den beiden Staatsunten nach oben steigen, von oben nach unten sinken, wäh- Prinzipien und befaßte bald auch das ganze mittlere Europa, rend der frühere Staat in vielen Beziehungen die Erhaltung Der Sieg verblieb dem Staate der freien Individualität, einmaligen Besitzstandes, namentlich des Grund und Bodens Man braucht nur die Bezeichnungen der diesem Staate nothbeförderte. Tie steigende Geistesbildung des Volkes bringt wendig einwohnenden Grundsätze zu berücksichtigen, um dessen diese Ungleichheit des Besitzes, also der materiellen Lage und gewiß zu sein: überall herrscht die Benennung „Freiheit" des Genusses zu deutlicherem Bewußtsein der Blasse. Hiervor. Religions-, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Rede-, aus die allgemeine Unzufriedenheit der, dem Besitze nach, mi- Preß- und Lehrfreiheit, Handels- und Gewerbefreiheit, Freiteren Klassen, daraus der Socialismus und dessen allmählizügigkeit, „freie Kirche im freien Staate", hierzu verschieges Umsichgreifen in den unteren Schichten des Volkes. Der dcne Rechte, Vereins- und Versammlungsrecht, constitutio- . Socialismus ist der äußerste Gegensatz zum Staate der freien nelles Recht und die Befreiung der Rechtspflege von allen Individualität, ist der omnipotente Staat auf seiner äußermittelalterlichen Uebelständen, nämlich durch öffentliches und sten Stufe. Er will die Individualität vollständig vernichten, mündliches und Geschworenen-Gericht, humaneres Strafrecht Eigenthum und Familie aufheben, die gcsammte Production und vereinfachtes Civilrecht; endlich die Beschränkung der Polizei- und Comsumtion zur Staatssache machen und mechanisch gewalt durch Normen zum Schutz der persönlichen Freiheit. j regeln. Auf diesem Boden also wächst der Kampf zwischen Wer die Geschichte des 19. Jahrhunderts durchmustert, sin-! den beiden Staatsprincipien von Neuem, und zwar mit det den Kampf um diese Freiheiten und Rechte aller Orten 1 äußerster Heftigkeit. Aber außerdem giebt es noch andere in Mittel- und Westeuropa und den Sieg derselben von Anknüpfungspunkte für das Wiedererwachcn des alten Prin Schritt zu Schritt, findet ihn namentlich auch in der Ge-!cips. Es giebt Einrichtungen, welche durch ihre ungeheure schichte Deutschlands und des neuen deutschen Reiches. Ausdehnung und das damit verbundene Bedürfnis; cinheil- Aus dieser, allerdings nur skizzenartigen Darlegung licher Ausführung den Staat als den einzig befähigten Trä- •jct

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