Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1881)
- Date
- 1881-05-10
- Page
- Seite 312 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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amerikanischen Gemeinden bestritten worden. So ist der Klingelbeutel fortwährend auf dem Wege, und Dank der sprichwörtlichen amerikanischen Freigebigkeit werden die jüdischen öffentlichen Anstalten gern unterstützt, wobei endlich nicht zu vergessen ist, daß es immer dieselbe Elaffe ist, die beitragen muß. San Francisco, 18. März. (Privatmitth.) Die „San- Francisco Abend-Post" enthält in ihrer gestrigen Nummer! die mehrstündige Rede, welche Herr Berthold Grünbaum am 4. März vor einer zahlreichen Versammlung über die „Ju denhetze in Deutschland" gehalten. Der Redner giebt zuerst einen Ueberblick über die Verfolgungen, welche die Juden getroffen, zeigt dann, wie im Laufe dieses Jahrhunderts die Juden sich dem allgemeinen und öffentlichen Leben in allen Zweigen angeschloffcn, viele sich ausgezeichnet haben, aber gerade deshalb den Neid vieler Andersgläubigen erweckt hätten. Die Berurtheilung der Vorgänge in Berlin fei bei allen civilisirten Völkern dieselbe, und er hofft, daß auch in Deutschland dergleichen nicht mehr Vorkommen werde, besonders wenn der Jude sich von aller Jsolirung frei mache und seine Kinder die öffentlichen Schulen besuchen lasse. Tie Rede war gewiß gut gemeint und fand vielen Beifall. Aber der Redner bewahrte sich nicht vor Uebertreibungcn und zählt unter den ausgezeichneten Menschen als Juden solche auf, die es nie gewesen. Auch kennt er wohl die deutschen Zustände nicht mehr recht; sonst würde er wissen, daß die jüdische Jugend die öffentlichen Lehranstalten in solcher Anzahl besucht, daß unsere Gegner schon hierüber Wehklagen hören lassen. Man sieht hieraus nur, daß die Wellen, die man an einem europäischen Gestade in Bewegung gebracht, bis an die Ostküste des Großen Oceans ihre Kreise ziehen. Bonn, 1. Mai. (Notizen.) Es kann wohl der Bedeutung und den Verdiensten des dahingeschiedenen Pros. Dr. Ludwig Waldenburg nicht entsprechen, den großen Verlust, den die Wissenschaft und die leidende Menschheit durch den Tod des unermüdlich thätigen Mannes erlitten haben, in diesen Bl. nicht mit einigen Worten mehr zu besprechen, als cs in vor. Nr. geschehen ist. Hatte doch Rabb. Or. Frankl in der Leichenrede die echte Religiosität des Verstorbenen, dessen treue Anhänglichkeit an der väterlichen Religion rühmend hervorzuheben. Ludwig Wald-enburg ist am 31. Juli 1837 zu Filehne in der Provinz Posen geboren, kam 1850 nach Berlin, besuchte hier das Köllnische Realgymnasium, machte daselbst Ostern 1857 sein Abiturienten-Examen, worauf er sein Studium an hiesiger Universität fortsetzte und schon 1850 die goldene Medaille als königlichen Universitätspreis für eine gelöste Preisaufgabe erhielt. Nach seiner am 10. Oktober 1860 erfolgten Promotion machte er im Winter desselben Jahres sein Staats- Examen und ließ sich, nach mehrmonatlichem Aufenthalt in Heidelberg, in Berlin als Arzt nieder. Sofort bei seiner Niederlassung erwählte er die Hals und Brustkrankheiten zu seiner Spezialität, lvandte sich mit allem Eifer der damals noch neuen Laryngoskopie (Untersuchung des Halses mit dem Kehlkopfspiegel^ zu und gehörte zu denjenigen, welche die Jnhalationstherapie in Deutschland cinführten und dieselbe zu einer wissenschaftlichen Disciplin erhoben. Seine Arbeit über die Jnhalationstherapie wurde denn auch 1863 von der „Gesellschaft zur Beförderung der Heilkunst" in Amsterdam preisgekrönt. Im Jahre 1864 erschien sein erstes Werk: „Die Inhalationen zerstäubter Flüssigkeiten, sowie der Dämpfe und Gase in ihrer Wirkung aus die Krankheiten der Athmnngsorganc" (Lehrbuch der respiratorischen Therapie). 1865! habilitirtc er sich an der hiesigen Universität als Privatdozent. Im Jahre 1871 zum außerordentlichen Professor ernannt, machte er zwei Jahre später eine bedeutende Ersindung, die des pneumatischen Apparates, zur Behandlung von Lungen-! und Herzkrankheiten. Manche, früher unheilbare Krankheit . ist dadurch erst heilbar geworden, so besonders das Emphy-! sem (Lungenerweiterung). Jndeß wäre es hier zu weitläufig, die sämmtlichen Werke und Erfindungen des Verstorbenen, die sich eine allgemeine Anerkennung, z. B. auch eine Preiskrönung in Philadelphia und in Brüssel erworben, hier auszuzählen. Seine Lebenszeit war verhältnißmäßig kurz und jedes Jahr derselben von Arbeiten und Erfolgen bezeichnet. Sein Leichcnbcgängniß am 17. April zeigte durch die Anwesenheit der Spitzen der Gelehrtenwelt und besonders der Medizin, wie hoch mau ihn verehrte. — Bei dem furchtbaren Erdbeben, welches die Insel Ehios betroffen hat, wurde auch der größere Theil der israelitischen Bevölkerung unter den Trümmern begraben. Sic wohnte, 5—600 Personen stark, wie der Daily Telegraph berichtet, in dem alten aus der Zeit der Venetianer stammenden Schlöffe, und dieses stürzte bei der ersten stärkeren Bewegung zusammen, so daß kein Lebender aus den Trümmern wieder erstand. — (Verspätet.) Man schreibt uns „von der Ruhr": Am 3. v. M. feierte die Synagogen Gemeinde in Steele das 25jährige Amts-Jubiläum ihres Lehrers, Herrn Goldberg, und war dieser Tag ein Festtag in der vollsten Bedeutung des Wortes. Morgens 10 Uhr fand unter Leitung eines Lehrers aus dem hiesigen kath. Waisenhause die Schulfeier mit Gesang und Declamation statt, wobei eine Schülerin dem treuen Lehrer einen silbernen Lorbeerkranz überreichte. Um 11 Uhr erschien der Bürgermeister hiesiger Stadt, der Vorstand und das Rcpräscntantcn-Collcgium in corpore in der Wohnung des Jubilars. Ter Präses, Herr Rindskopf, beglückwünschte den Jubilar und überreichte demselben ein ansehnliches Geldgeschenk. Ter Herr Bürgermeister überbrachte als Lokalschulinspektor unter anerkennenden Worten Gratulation seitens der