Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1881)
- Date
- 1881-05-10
- Page
- Seite 308 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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308 nachgesagt wird, ist zu groß und verblendet sie sogar gegen zu finden. Seit Wochen durften sich die Juden nicht sehen das, was sie doch so überaus hochzuhalten vorgeben, das lasten, ohne belästigt zu werden. Gestern verhörte der Land- Deutschthum! Genug, bei den wiffenschaftlichen und schriftrath hier eine Anzahl Personen, heute ist die Staatsanwaltstellerischen Qualitäten, die Herr Portig kundgegebeu, wäre , schaft von Bromberg zur Untersuchung anwesend. In welcher es bester für ihn und seine Leser, wenn er fortan — schwiege. Weise bisher gehetzt wurde, davon liefert folgendes Plakat, 9t. M.; welches ganz unbeanstandet an den Ecken Argenau's erschien. Aus der Prov. Posen, 20. Älpril. In Argenau eine drastische Probe: „Aufruf an die Christenheit? Wachet (polnisch Gniewkowo, einem kleinen Städtchen an der Bahn auf ihr Christen alle und schüttelt ab das Judenjoch. Treibt zwischen Thorn und Jnowrazlaw) ist es in den letzten Tagen sie heraus nach ihrem Palästina, die Unterdrückerder Christenzu bedauerlichen Streitigkeiten zwischen einem Theile der heit, sammelt, sammelt euch; zu Hilfe Alle, Alle aus Dörfern christlichen und der jüdischen Bevölkerung gekommen. Bei und Städten, Alle insgesammt. Haut die Juden, haut die einer stattgehabten Prügelei wurden einige Personen ver-! Hunde, haut die Betrüger, stürmet die Höllenbrut. Fürchtet wundet, ferner wurden an mehreren von Juden bewohnten! nichts, ihr unterjochten Christen, denn ein guter Held geht Häusern die Fensterscheiben eingeworfen. Weitere Gewalt- , uns voran. Nun, so seid nicht feig, es gilt ja nur zu retten Handlungen sind nicht vorgekommen, auch scheint die Gefahr, unser bischen Hab und Gut. Raus mit den Juden. Bisdie nächste Zukunft könne noch schwerere Ausschreitungen her-, marck lebe hoch, l)r. Henrici lebe hoch, Dr. Stöcker lebe beiführen, nicht vorzuliegen. Die gerichtliche Untersuchung hoch?" ist bereits eingeleitet. Das Wolst'sche Telegraphenbureau I Aus der Prov. Posen, den 24. April. (Privatmitth.) bringt über die Borgänge folgende Nachrichten: Nach einer Ter Borstand der jüd. Gemeinde Gnesen hat folgende Pe Controlversaminlung am 27. d. in Argenau entstand eine tition an den Minister des Inneren gerichtet: Schlägerei zwischen Juden und Reservisten, bei welcher Ge-. Gnesen, den 8. November 1880. legenheit zwei Reservisten blutig geschlagen wurden und ein | Petition Jude einen Hieb über den Kops bekam. Darauf wurden j des Borstandes der Synagogen Gemeinde zu Gnesen wegen Nachts 10 Uhr mehreren Juden die Fenster eingeworsen und, j Aufhebung der im Gesetze vom 23. Juli 1847 enthaltenen als ein Jude zum Fenster hinausschoß, in 13 Häusern beschränkenden Bestimmungen, die Synagogen-Gemeinden des Fenster und Läden durch Steinwürfe zertrümmert und mehrere Großherzogthums Posen betreffend. Schüste abgegeben. In der folgenden Nacht wurden in i Excellenz! weiteren 4 Häusern die Fenster eingeworfen. Ueber diese > Das Gesetz vom 23. Juli 1847 enthält im II. Abschnitt Unruhen waren an den Abgeordneten Rickert Telegramme gelangt, die er gestern während der Reichstagsfitzung dem stellvertretenden Minister des Inneren unterbreitete. Herr von Puttkammer hat vom Oberpräsidenten schleunigen Bericht eingefordert. Die conserv. und ultram. Blätter bemühen sich, wie sie des 11. Titels in Bezug auf das Großherzogthum Posen beschränkende Bestimmungen, die als eine Beeinträchtigung der Autonomie der jüdischen Gemeinden in der Prov. Posen gegenüber den in den anderen Landestheilen gellenden Borfchriften für die Synagogen-Gemeinden aufzufasse» sind?) Die Gründe, welche den Gesetzgeber zu jener Zeit veres in Neustettin gethan, auch hier die Schuld auf die Juden anlaßt haben, für unsere Provinz eine Ausnahmezu statuiren, zu wälzen. Es ist dies so recht ein Zeugniß für die Sitt? sind längst sortgefallen; denn jeder Borurtheilsfreie wird lichkeit dieser Leute? Tie „Tribüne" berichtet dagegen vom anerkennen müssen, daß die Kutturfvrtschritte, welche die 20. April: „Bereits vor einigen Wochen waren Plakate an Juden im Großherzogthum Posen seit damals gemacht, sie der hiesigen Synagoge angeschlagen, welche die Juden auf? ebensowohl befähigen, ihren öffentlichen Angelegenheiten forderten, entweder in vier Wochen auszuwandern oder sich! stelbstständig vorstehen zu können, wie dies unseren Glaubensauf „Stricke um den Hals gefaßt zu machen". Am 2?! genossen in anderen Landestheilen zugetraut worden ist. Abends spät ging der Spectakel los. Zuerst wurden Fenster! Nachdem nun aber durch die humane Gesetzgebung der Neu und Möbel durch Steinwürfe zertrümmert. Daun wurden! zeit in unserem deutschen Baterlande alle Unterthanen ohne Schwärmer und Raketen in die Wohnungen geschleudert und Schüsse abgeseuert. Mir zeigte Jemand eine Kugel, welche in seine Wohnung geschossen wurde, die Kugel war plattgedrückt. Der Bürgermeister soll sich auf dem Marktplatz befunden haben. Bon den drei hiesigen Polizisten, welche zur Hilfeleistung aufgesordert wurden, sagte der Eine, er sei krank, der Zweite, er könne nicht kommen und der Dritte war nicht Unterschied der Konfession in bürgerlicher und staatsbürger- 0 Bon diesem Absch. II (§§ cs — 70) hat nur in Ro. 2 des 8 a-t eine Bedeutung IN odiqem Sinne. Er lautet: „Die Genehmigung der Regierung ist daselbst außer den im 8 48 ange führten Fällen auch zur Aufnahme von Scbulden jeder Art, zur Anstellung von Prozessen und zur Abschließung von Vergleichen über Gerechtsame der Korporationen oder über die Substanz des Vermögens der Synagogengemeinde, wie zur Aufstellung des Berwaltilugserats uuü zu außeretatsmäßigeu Ausgaben erforderlich. Redact.