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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-10 · Heft 19 (10.5.1881) · p. Seite 307

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 19 (10.5.1881)
Date
1881-05-10
Page
Seite 307 (sequence 9)
Language
German
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Vereins deutscher Studenten unter Beibehaltung alles Mate-! Aberder Apset fällt bisweilen weit vom Stamme. l>,-. Asher Hai rieüen der alten Statuten keine Hindernisse in den Weg zu! freilich die Sünde begangen, sich, wenn auch nur privatim, entlegen". Diese Neubildung soll nunmehr in einer für Donnerstag! rüstet über die Hetzartikel in der „L. anSznsprecheu. Sv B. angesetzten Versammlung stattsinden.! bringt nun die „Beilage" in No. Ml und M2 einen Arülel — Im 7. Berliner Wahlbezirk, Abth. III sollte die! Ersatz-Wahl eines Stadtverordneten stattsinden. In einer! am 21. stattgefundenen Versammlung wurde dem Candida-! ten der Fortschrittspartei, Rösler, ein Candidat der Confer! vativen und Antisemiten, Pickenbach, entgegengestellt. Als sich; einer der Redner gegen diesen Candidaten aussprach, erho! den die Antisemiten einen solchen Lärm, daß der Polizeibeamte die Versammlung auslöste. Jndeß lassen sich die Wähler nicht so terrorisiren, tvie es den Antisemiten in den össent. lichen Versammlungen gelingt. Denn bei der Wahl selbst erhielt Rösler eine bedeutende Majorität. Wir glauben, daß es bei den späteren Wahlen ebenso ergehen wird. Berlin, 2L. April. In der heutigen Sitzung des Reichstages, wo abermals über die Miethsfteuer für die Dienstwohnungen der Reichsbeamten verhandelt wurde, sagte Eugen Richter u. A.: „Der Reichskanzler hat vor Kurzem bemerkt, daß ihm die antisemitische Agitation unerwünscht sei. Solche Reden wie die neuliche des Reichskanzlers sind aber Wasser auf die Mühle der Antisemiten, deren Treiben doch mit vollem Rechte als eine Schmach für Deutschland bezeichnet werden kann. Diese Agitation zieht jetzt neues Leben aus den Reden des Reichskanzlers, und ein hiesiges Schmutzblatt, die Ostendzeitung, hat die Rede des Reichskanzlers in vielen Tausend Exemplaren verbreitet. Ta hieß es in dem Blatt: „Der Reichskanzler gegen den jüdischen Fortschrittsring! Victoria! Unsere Parole lautet jetzt: „Hoch Bismarck! Fort mit den Juden! u. s. w. Solche Freunde hängen sich jetzt an die Rockschöße des Reichskanzlers!" Leipzig, im April. zPrivatmitth.» Es ist jetzt eine Zeit, wo man seine Freunde und seine Feinde kennen muß! Nun scheint uns allhier ein neuer Stöcker in der Person eines vr. Gustav Portig erstanden zu sein. Früher mit dem geistlichen Amte bekleidet, sah er sich genöthigt, dasselbe niederzulegen, wie man sagt, nicht aus dogmatischen Gründen. Jetzt ergreift er jede Gelegenheit, Juden und Judenthum zu schmähen. Er benutzt hierzu besonders die „Wissenschaft liche Beilage" der „Leipziger Zeitung", von welcher er voran den einzigen Juden, der daran mitarbeitete, l>e. David Asher, verdrängt hat. Die „Leipziger Zeitung" hat in ihrem Hauptblatt seit einiger Zeit die judengehässigen Artikel eingestellt, die eines königl. Blattes so unwürdig waren. Dafür soll nun die „Wissenschaftliche Beilage" entschädigen. Man könnte sich hierüber verwundern, da seit Beginn dieses Jahres Dr. H. Marbach, der Sohn des hochverehrten Hvsraths Marbach, dessen ausgezeichnete Rede gegen die Judenhetzer auch Ihr Blatt gebracht, die Redaktion übernommen Hai- „Die Geschichte im Lichte der christlichen Weltanschauung". Nachdem da die heidnischen Völker abgethan sind, kommeu die Juden daran, denen die Kreuzigung Jesu znm einigen Verbrechen gemacht wird, obschon eine „Wissenschaftliche Bei läge" tvissen müßte, daß die wissenschaftliche Kritik die Schuld der Juden an dem Vorgang durchaus widerlegt hat. Ter Verfasser führt dann fort unter Anderem: „Jetzt ist es «das jüdische Volt» zerstreut über die weite Erde und fristet ein fluchbeladenes, unheilbringendes Leben, ein nie sterbender ' Ahasver." Ich meine, wer in unserer 'feit noch solche Phrasen schreibt, der beladet sich selbst mit dem Fluche der Lächerlichkeit. Hat je die Inden ein Fluch betroffen, so ist es der, daß jeder Schwätzer sich herausnimmt und heransnehmen darf, über sie seine Redensarten losznlassen und über sie auszusprechen, was in feinem theils impotenten, theils gifterfüllten Gehirn sich gebiert. Traute man den Judenhetzern nur irgend eine Spur von Logik zu, so dürste man sie fragen: wie kommt Ihr bei solcher Meinung über die Juden zu den ewigen Klagen über das Gedeihen, über die vortheilhafte und einflußreiche Lage derselben, woraus Ihr doch die ganze Berechtigung zu Eurer Verfolgung zieht'-* — Außerdem tritt Portig in gleichem Geiste in den „Blattern für literarische Unterhaltung" aus, worüber mau sich abermals zu wundern hat, da dieses Blatt sich im Besitze eines so freisinnigen Hauses wie Brockhaus besindet. Auch hier siudet er Gelegenheit, gegen „Juden und Judengeuossen" loszu ziehen, und schon deshalb, weiter den Verfasser einer Schrift für einen solchen hält, dieselbe zu verurtheilen. Blau lese seine Besprechung der Schrift des I>>. Rülf in "No. IM d. Bl. In No. I«; mißhandelt er den Vortrag des >»>. Kalt hoff: „Die neueste Maßregel zirr Bekämpfung des Gideu thums", und sagt zum Schlüsse: „Warum aber Kalkhoss nicht zum Resormjudenthuni übergeht, aus dessen Boden er doch steht, ist uns unerfindlich. Schwächlicher als er kann Niemand eine Lanze für das Judenthum brechen. Tie heutigen Juden sammt und sonders als Märmrer hinzustellen und sie als die vermeintlichen Träger des echt christlichen Geistes anzureden: das ist denn doch eine Ironie, welche nur der falsche Idealismus des Deutschen sertigbringlSchwächlicher kann aber eine Kritik des Kalthvss'schen Vortrages nicht sein; Argumente mit bloßem Wortschwall zu beantworten, ist ein Zeugnis; der eigenen Schwäche. Uebrigens irrt der gute Mann: amerikanische Geistliche haben ganz im Sinne des 1)r. Kalthoss sogar von der Kanzel her sich ausgeiprocheu und der „falsche Idealismus" ist also nicht hlos deutsch. Aber der Aerger, wenn den Juden nur das geringste Gute 19

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