Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1881)
- Date
- 1881-05-10
- Page
- Seite 305 (sequence 7)
- Language
- German
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305 Colonie in Gilead erwachsen müßten, die, zwischen beiden Meeren gelegen, an dem Handel beider theilnähme. Dieß der Plan, der, wie man sieht, keinen Angriff auf die Integrität des osmanischen Reiches enthält, im Gegentheil geeignet ist, eine entlegene Provinz desselben zu kräftigen, in der jetzt gar keine regelrechte Administration besteht. Er bezweckt nicht einen neuen Staat zu schaffen, wie Bulgarien oder Rumänien, sondern würde in jenen verödeten Gegenden die Autorität der Pforte, welche häufig mit den unruhigen Beduinen-Stämmen in Conflict geräth, zu befestigen suchen. Der Plan an sich ist ganz vernünftig, und au seinem Gelingen würde kein Zweifel sein, wenn es sich um eine Niederlassung in Amerika oder sonst wo handelte, wo man mit dem Gedanken der Colonisation vertraut ist. Aber an der orientalischen Apathie ist schon manches gute Project gescheitert. Das vorliegende würde sicherlich die politische Wiedergeburt eines Theils von Asien anbahuen und unberechenbare Folgen haben. Daß das Ost-Jordau-Land eine große Bevölkerung ernähren kann, bezeugen die Ruinen großer zum Theil schön gebauter Städte, die auf frühere zahlreiche und wohlhabende Bewohner Hinweisen. In Beziehung auf den Gedanken, das; die Colonisten Juden sein sollen, verhehlt sich Herr Oliphant nicht, das; er vielen Einwürfen zu begegnen haben wird; er weiß daß die Einwanderer hauptsächlich aus Ländern kommen werden, wo sie bedrückt werden und sich mit dem Volk, unter dem sie leben, nicht vermischt haben; aber ihre Zahl würde, wie er sagt, auch hinreichend sein. Auch kann er auf einen Theil der Altgläubigen rechnen, die nach dem Land ihrer Väter zurückzukehren wünschen. Was er zu übersehen scheint, ist, daß sie nicht zu den Wohlhabenderen gehören würden, die jetzt, wie ehemals, die Fleischtöpfe Aegyptens und die hängenden Gärten Babylons dem Lande vorzögen, aus dem sie stammen, und die geneigt sein möchten, in die Worte eines französischen Banquiers jüdischer Nationalität einzustimmen: „Quand le Messie viendra nous rassembler en Palatine, je le prierai de m’oß'rir Vambassade de Sa Majeste»- «hidaique ä, Paris.Herr Oliphant gedenkt des Factums. daß die Juden jetzt kein ackerbauendes Volk sind. Er meist jedoch darauf hin, daß ihre frühere Geschichte keine Abneigung gegen ländliche Beschäftigungen zeigt, daß dieselbe vielmehr dem langjährigen Druck zuzuschreiben ist. Außerdem sollen die ^eil'u i icpv Deutschland. Berlin, 26. April. (Privatmitth.) Da die Fortschritts Partei bei den nächsten Wahlen die heftigsten Angriffe fei Juden mehr die Besitzer als die Bebauer des Bodens sein; die uöthigen Arbeiter würden sich leicht unter der syrischen Landbevölkerung finden und bei verständiger Anleitung zu billigem Preise das Erforderliche leisten. Der Plan hat, wie uns Herr Oliphant mittheilt, unter den Juden von Bukarest bis New Port große Aufmerksamkeit erregt, und auch bei Nicht-Juden aus religiösen und philanthropischen Beweggründen Beachtung gefunden. Als aber Herr Oliphant sehr hoffnungsvoll nach Europa zurück kehrte, um seinen Plan in Konftautinopel vorzulegen, geschah das, was man hätte Vorhersagen können. Jeder vom Sultan herab war freundlich und freigebig in Betheuerungen und Versprechungen; die 'Ausführung aber wurde so lauge hinausgeschoben, bis die Geduld des Bittstellers, sowie ihre eigenen Vorwände und 'Ausflüchte erschöpft waren. Natürlich wurde viel Zeit dabei auf eine Weife verschwendet, die dem ganzen Europa nur zu gut bekannt ist. An türkischem Beistand verzweifelnd, legt deßhalb Herr Oliphant in seinem Buche den Plan dem ganzen Europa vor, um ihn bei den nächsten unvermeidlichen Eonvulsionen des „kranken Mannes" als ein Areanum anzuwcnden. Aber nur durch eine solche Krisis kann er zu Stande kommen, und auch dann würde es der vereinten Anstrengungen aller Mächte bedürfen, um die Paschas zu bewegen, ein so ergiebiges Feld der Erpressungen und Bestechungen fahren zu lassen. Schon aus diesem Grund ist man geneigt, das Project zu der Schaar der übrigen türkischen Reformen zu verweisen. Bedenkt man aber, welche Gestalt die politischen Verhältnisse im Orient jetzt angenommen haben, so daß die Länder im Osten des Jordan durch ihre geographische Lage der Angelpunkt künftiger Veränderungen werden müssen, so darf Herrn Oliphants Plan, wie excentrisch er sich auch anfangs darstellen mag, nicht leichtfertig beiseite geschoben werden. Er geht aus dem ernsten Bestreben hervor, die öffentliche Theilnähme für ein zugleich nutzbringendes und philanthropisches Unternehmen zu gewinnen. Einem menschenleeren Lande dieses länderlose Volk zuzuführen, ist kein neuer Gedanke, aber er tritt hier zum erstenmal in die Sphäre praktischer Ueberlegung. Als Herr Oliphant das Land Gilead verließ, nahm er die Ueberzeugung mit sich, daß, obgleich er cs nicht wie Moses vom Berge Nebo aus geschaut, er dennoch ans ein Land der Verheißung geblickt habe. tens aller Parteien, auch der nationalliberalen, zu erwarten hat, bereitet sie sich zu einer ulnfassenden Wahlagitation vor, wozu natürlich nicht unbedeutende Geldmittel erforderlich sind, die sie zu sammeln sucht. Sie soll auch beabsichtigen, weni-