Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1881)
- Date
- 1881-05-03
- Page
- Seite 294 (sequence 12)
- Language
- German
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294 legenheit der Verhandlungen über die völlige Gleichberechti-' arbeiten an den Nordforts ernannt worden. Der Schwadgung der Juden im englischen Unterhause nicht allein für! ronchef der Artillerie Amedee Mannheim, zugleich Prodicse nicht eintrat, sondern erst bewogen werden mußte, nicht! feffor der Geometrie an der .,Ecole polytechnique" hat den dagegen zu stimmen, weil dies die torystische Partei that, deren Grad des Oberstlieutenants erhalten; Alfred Beer ist zum Führer er war. Unterpräfect von Les Andclys, Aaron Caen, Präfecturrath ---- - _: jU Caen, zu gleichen Functionen in Toulouse ernannt Bonn, 24. April. (Notizen.) Nirgend zeigt uns worden. — Am L4. d. M. verstarb zu Berlin der außerord. die Beförderung würdiger Beamten in ihrer Laufbahn so Professor Dr. Waldenburg im 43. Lebensjahre. Er hatte viele Beispiele, daß die Juden nach dem Grundsätze voll-! sich einen großen Ruf auf dem Gebiete der Krankheiten der kommener Gleichberechtigung behandelt werden, wie in Frank- ' Athmungsorgane sowohl theoretisch durch viele geschätzte reich. Fast jede Nummer der ,,Arch. isr.- bringt uns der-! Schriften, als praktisch und als klinischer Lehrer erworben, gleichen. Nach der jüngsten ist der Brigadegeneral Levy! Vor einer großen Trauerversammlung hielt am Sonntag zum Direktor des Geniecorps in Paris und der Befestigungs-! Vormittag Rabbiner Dr. Frankl die Leichenrede. Aeuilleton. Vr. Moses Seifer. Ein Charakterbild. Lemberg ist um eine höchst characteristifche und edle Persönlichkeit ärmer geworden, und das Leben des Dahingeschiedcnen ist zu bewegt und verdienstvoll gewesen, als daß wir cs hier nicht aus dem Lemberger „Israelit" schildern; sollten. Dr. Moses Beiser war kein Mann von hinreißender Beredtsamkeit, er holte sich auch nicht den Lorbeer i im schweren Dienste der Oeffentlichkeit. Seine Kraft und; sein Leben waren dem allerschwersten mühseligsten Dienste des ununterbrochenen Wohlthuens, der uneigennützigen Ar-? men- und Krankenpflege geweiht. Seit vielen Dccennien wanderte Dr. Moses Beiser unverdrossen den ganzen Tag und einen Theil der Nacht hindurch von einer Stätte des Elends, der Nothund der Krankheit zur andern. Ihn lockte nicht die Aussicht auf Lohn, denn er wies diesen in den allermeisten Fällen zurück. Wo nur kein lleberfluß zu herrschen schien, dort nahm er kein Honorar und konnte heftig werden, wenn ihm solches geboten wurde. Dr. Moses Beiser war ein geborener Held der Menschenliebe; er fühlte in sich den Berus, den Kranken und Elenden beizustehen und er leistete ihnen nicht blos ärztliche Hilfe, sondern legte oft seinen letzten Groschen hin, um seinen Schützlingen das verordnete Medieamcnt oder die nöthige Nahrung zu verschaffen. Seine Menschenliebe kannte keinen Unterschied der Confession, er theilte seinen letzten Biffen mit dem jüdischen Armen, er gab seine letzte Leibwäsche der christlichen Wöchnerin für ihr Neugeborenes, hin. Moses Beiser ist in Lemberg am 7. April 1807 geboren und verschied daselbst am 12. October 1880 um halb 8 Uhr Abends. Er bezog zu Ende der 20er Jahre die Wiener Hochschule, war ein Schüler der berühmten Meister Stifft, Czermak, Rosas und Whattmann, und wurde am 25. Mai 1835 zum Doctor der Medicin, und im Monate Juli deffelben Jahres zum Magister der Augenheilkunde und der Geburtshilfe promovirt. Im Jahre 1850 begann er seine ärztliche Thätigkeit im Marktflecken Gwozdziec bei Kolomea als Hausarzt der Knäsen Familie Roman v. Puzyna. In Gwozdziec schon war er ein sehr gesuchter Arzt, geliebt und verehrt von Jedem, der ihn kannte. Bon hier aus übersiedelte er im Jahre 1845 nach Kolomea, wo er sich gleichfalls binnen kurzer Zeit einer großen Praxis und Popularität erfreute. Im Jahre 1848 öffnete Beiser, ein Democrat reinsten Wasiers, sein bescheidenes Haus der aus der Fremde zurückgekehrten polnischen Emigration, I der er Alles was er verdiente, zum Opfer brachte. Dieser > Umstand, wie auch der, daß er Officier der Nationalgarde gewesen und zu der damals in Lemberg tagenden „Rada j narodowa" als Teputirter abgeschickt wurde, machte ihn der i Regierung verdächtig, weshalb er nach dem Bombardement i Lembergs polizeilich von Kolomea abgeschafft und zwangs-! weise nach Zollkiew internirt wurde. Nach zwei Jahren wurde dieses Jnterdict aufgehoben, worauf Beiser unter den traurigsten Berhältniffen seine ärztliche Praxis in Lemberg auszuüben begann. Militärarzt war er nie, leistete aber als Chefarzt während der Cholera 1855 seine Dienste in Militär- Spitälern und kaufte für das, was er an Diäten bezog, Backwerk, Wein, Tabak, Orangen und andere Erfrischungen, die er heimlich den kranken Soldaten zusteckte. Still und bescheiden wie der Verblichene war, widerstrebte es ihm auch seine edeln Thaten veröffentlicht zu sehen. Es dauerte daher lange Zeit bis seine beispielslose Hingebung und Opferwilligkeit bekannt wurden und bis sich aus all' den hunderten kleinen Zügen edler Selbstlosigkeit und echter Humanität das Characterbild dieses ungewöhnlichen Menschen für seine Mit-