Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1881)
- Date
- 1881-05-03
- Page
- Seite 293 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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.■.- 1 niarf^iii^ iftirft^ftirWimo 293 Adressaten. Es wollte damit gesagt sein, daß derselbe nicht in! Kraft seines Amtes, sondern als Historiker, der die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Lesterreich kennt, eingeladen wird. Herr Rabbiner Schreiber wollte die Gunst des Augenblickes benutzen und die ersehnte Spaltung unter den Juden herbeiführen. Da er jedoch nicht zu reden versteht « von ihm! gilt 'J70 -pro irmm), so suchte er nach Hülfstruppen. und: der Minister glaubte dem ministeriellen Abgeordneten diese Bitte nicht versagen zu sollen. Es fällt mir nicht ein. Herrn; Schreiber und Consorten in's Gewissen zu reden und ihnen zu sagen, welchen 3^" sie üben, denn beredtere Zungen als die meinige haben dies den Herren wiederholt gesagt, aber wenn es sich darum handelt, in ihrem Sinne ad niujon m Dei gloriam vorzugehen, da scheuen sie vor nichts zurück. Lassen wir daher diese Frage. Wie ich nun höre, bemühet sich Herr Rabbiner Schreiber, den Ministerpräsidenten Herrn Grafen Taaffe für seine Ansichten günstig zu stimmen. Ich glaube jedoch annehmen zu dürfen, daß der Gesetzentwurf, so wie er in Folge des Amendements der Enquete gestaltet wurde, ink Reichsrath durchdringen wird. Allerdings ist anzunehmen, daß der Polen-Club seinem Mitgliede. dem Herrn Schreiber, eine Gefälligkeit wird erweisen wollen, aber eine Clubfrage wird die Angelegenheit nicht bilden, da nach den Statuten religiöse Fragen nicht als Clubfragen betrachtet werden. Noch weniger wird dieses im Club der Reichspartei der Fall sein, ja es ist gewiß, daß mehrere Mitglieder derselben für den Regierungsentwurf stimmen werden. und von der BerfassungSpartei ist eS gewiß, daß sie in dieser Frage ausnahmsweise den Regierungsentwurs acceptiren werde. Ich glaube daher annehmen zu können, daß all' die Machinationen jener Männer, welche um jeden Preis die jüdischen Gemeinden spalten und theilen wollen, fruchtlos fein werden. Pest, den 1*. April. OPrivatmitth.) Tie Generalversammlung der hiesigen Chewra Kadischa fand gestern Vormittag im Sitzungssaale des Jnstitutslokals statt. Aach einer Ansprache deS verdienstvollen Präses Herrn Karl Reust wurde der Jahresbericht verlesen. dem wir folgende Taten entnehmen: Die Einnahmen deS abgelaufenen Jahres betrugen 85,030 fl. 21 kr., die Ausgaben der gleichen Periode beziffern sich auf 83.290 fl. 18 kr., somit resultirte ein Ueberschuß von 1704 fl. 3 kr. Außerdem liefen Spenden für die Chewra Kadischa an 2300 fl. und für das israelitische Siechenhaus an 1700 fl. ein. Ter Fond deS Siechenhauses hat mit Ende 1880 die Höhe von 47,235 fl. erreicht, außerdem besitzt die „Chewra Kadischa" ein großes, öänzlich schuldenfreies Zinshaus, welches ein Reinerträgnist von 5'/.,% des investirten Kapitals abwirft. Das Siechenhaus, in welchem gegenwärtig 21 Stiftlinge (12 Männer, 9 Frauen) untergebracht sind. erfordert an Erhaltungskosten 7260 fl. 76 kr. An Arme wurden 997l fl. verthcilt. Zur Erhaltung des hiesigen Jsraeliten-Spitals wurden beigetragen, sowie an Verpflegsgebühren armer Hauskranker wurden verausgabt 14,237 fl. 66 kr. Verschämte Arme erhielten ins Haus zugeschickt 1673 fl. Die Sterbeliste deS Vorjahres weist 1297 Fälle von hier verstorbenen Israeliten aus, da runter wurden 728 gratis beerdigt, wofür der Verein 6370 fl. an Begräbnißkosten zu bezahlen hatte. Die Ausübung reiner werkthätiger Liebe verursachte demnach der „Chewra Kadischa" im Vorjahre die ansehnliche Ausgabe von 3'.».51 2 fl. 42 kr., das spricht doch beredt genug, wie Großes dieser wahre WohlthätigkeitS-Verein leistet! Jüngst hielt auch der hiesige israel. Handwerker-Verein unter dem Präsidium deS Herrn I»r. Arnim Ichönbcrg seine diesjährige Generalversammlung. Dem Rechenschaftsberichte zufolge beträgt die Anzahl der unter der Lbforge deS Vereins stehenden Lehrlinge 103, die der landwirthschaftlichen Zöglinge (in Jstvantelekl 3 und der Stipendisten in der staatlichen Gewerbe-Mittelschule 2, insgesammt 108. Im Jahre 1880 beendigten 23 Zöglinge ihre Lehrzeit, 33 wurden neu ausgenommen. Die Einnahmen im abgelaufenen Jahre beliefen sich auf 4982 fl., hinzugerechnet der vom Jahre 187'.» übernommene Kassevorrath 5567 fl. 17 kr. AuSgegeben wurden 5311 fl. 33 kr., daher ein Kasserest von 255 fl. 84 kr. auf neue Rechnung vorgetragen wurde. TaS Vereinsvermögen betrug Ende 1880 32,393 fl. 37 kr. — — Wie man aus Paßto schreibt, waren dieser Tage an den dortigen Straßenecken Plakate zu sehen, welche die dortige Bürgerschaft darauf aufmerksam machten, daß die Zeit der Austreibung der Juden herangekommen fei, weshalb letztere dringend ermahnt würden, im Verlaufe von zrvei Tagen nach Jerusalem auszuwandern. Die Paßtoer Israeliten haben beim Stuhlrichteramt die Anzeige erstattet. Großbritannien. London, 1'.». April. Heute früh kurz vor 5 Uhr verschied Lord Beaevnsfield. früher Benjamin Disraeli. im j 76. Lebensjahre. Wir haben in diesen Blättern schon wiederholt biographische Skizzen und Charakteristiken dieses ' Mannes gegeben, so daß wir heute daraus verrveisen können. Wir erinnern insonderS an die vorzügliche pfpcholochische Tar-! stellung von BrandeS (s. 1879 S. 274, 338». Wenn es I für den jüdischen Stamm zur Ehre gereicht, daß ihm ein Mann von so eminenter Begabung und so großartiger Wirk samkeit entsprungen ist, so hat er demselben doch mehrfachen i Schaden gethan. Zuerst durch seine übertriebene Betonung; des RacenverhältnisseS und der Vorzüge seiner Rare, als auch daß er die Manie hegte, eine Unzahl vorzüglicher Menschen als dem jüdischen Slamme entsprossen anzugeben, hin-! sichtlich derer der Beweis hiervon nicht geführt werden kann.! Auch können wir cS nicht unvergessen lassen, daß er bei Gel.v