Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1881)
- Date
- 1881-05-03
- Page
- Seite 291 (sequence 9)
- Language
- German
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291 3 kenen kirchlichen Geist in der Masse wieder anzufachen. £b Juden in Essen an der Ruhr gefeiert hat. In der Essener sie damit einen glücklichen Griff gethan und eine segensreiche Versammlung wurde ein „Neues Deutsches Lied" vertheilt, mit Wirkung erzielen wird, wir bezweifeln es. Ein Spezimen! welchem die Juden, wenn sic aus Deutschland zögen, „hinausgiebt uns ein hiesiger Vorgang, über den wir die „Voss. Ztg." j gesungen" werden könnten. Einem Berichte der „Essener berichten lassen. Es heißt: j Ztg." entnehmen wir Folgendes darüber: Die leidige „Judenfrage" scheint sich auch auf den Berj Dieser 38 Oktavseiten füllende, glücklicherweise nicht gesammlungen der evangelischen Geistlichkeit Preußens als stehen-! sungene Schlachtgesang schildert im Eingänge „das deutsche der Gegenstand der Tagesordnung einbürgern zu wollen.! Vaterland in dem Gold der Maiensonne, mit dem Kronen Für die Pastoralconferenz der Rheinprovinz, die heute in; schmuck der Wälder, in der Farbengluth der Felder, wie die Neuwied abgehalten wird, hat sogar ein Militärgeiülicher, Ahnen, die Teutonen, schreckten Römer-Legionen. Ruhmreich der Divisionspfarrer Rocholl in Köln, das Referat über .. die klingt die alte Kunde von der Macht im Hansabunde", de- Stellung des evangelischen Christen zur sog. Judenfrage der ren Ersatz in neuen Staaten sind papierne Fußsoldaten mit Gegenwart in Deutschland" übernommen und dazu eine Reihender Wechselreiterei. Und nun geht's im schnellen Fluge zum von Thesen angekündigt, aus denen wir einige der markan dreißigjährigen Kriege wie folgt: „Bon Semiten vorbereitet, testen herausgreifen: i fjat die Frage sich verbreitet, winkend mit dem Bettelstab; »8 1- Zwischen Christenthum und Judenthum besteht bald brennt sie 400 Jahre, schaffend an der Todtenbahre ein principieller Gegensatz. 8 3. In unseren Tagen hat die zeigt sie Tausenden das Grab. Dreißig Jahr von Süd und ..Judenfrage" eine besondere Gestaltung gewonnen. Das mo Norden, um zu sengen und zu morden, zu zerreißen jedes derne Judenthum hat kraft der ihm durch die neuere Gesetz- Band, bis erschöpft war Macht und Ehre, blutgetränkt das gebung zugestandenen Freiheiten (Emancipation) einen so Vaterland." Endlich, nachdem in sonderbarer Begeisterung großartigen Aufschwung genommen, daß es aggressiv gegen der letzte große Krieg besungen ist, heißt es: „Endlos war das Christenthum vorzugehen wagt und sich die giftige Lei. -es Volkes Freude, Frauen trugen Festgeschmeide, opfernd tung in unserem deutschen Volke anmaßt. 8 Die Hauptauf dem Tankaltar; doch verhallt find Jubclpsalmen und ivaffe des modernen Judenthums ist die Presse, eine Ablageverwelkt die Friedenspalmen seit dem goldnen Siegesjahr." rungsstälte der Feindschaft gegen Alles, was christlich heißt. Und weiter heißt es: „Israel verbarg die Schätze, dachte nur § 6. Die Thatfache, daß die Juden an der Herbeiführung an Christenhctze und an feine Alliance, ließ nach blutigem der materiellen und geistigen Noth des deutschen Volkes in jgamps und Siegen den Gewinn von Deutschen wiegen, schrie der Gegenwart, wenn auch nicht die einzige, sicherlich aber zum Abschied: .Yive Ui Fnm«-e!* Börne, Heine und Las einen großen Theil der Schuld tragen, ist für die Christensalle tränkten uns mit Judengalle, höhnten das Germcmenheit um so beachtenswerther, je nachhaltiger die Juden dathum, wollten Throne und Altäre stürzen zu der Juden Ehre, nach streben, obrigkeitliche Aemter, Richter und Lehrerstellen bahnen Weg dem Gründerthum." ii. s. w. zu erlangen. § 7 c. Die Juden bilden eine veli- Wenn wir so die orthodop protestantische Geistlichkeit giös und national festgeschlossene Gemeiufchast, welche vor und die Ultramontanen und zugleich die „Antisemiten" gegen uns Allein ihre Stammesinteressen im Auge hat. §1.'». Ta der wühlen sehen, so schulden wir dem deutschen Volke unsere Auer Christ Staatsbürger ist, hat er nach Kräften dazu mitzuwir kennung, daß es sich von allen diesen Treibern nickt verleiten, daß eine Erneuerung des Volkslebens im Geiste des ten läßt! Christeuthums stattsinde. Das Ideal eines christlichen Staates Aus Pommern, 18. April. lNat. Z. > Als vor eiui muß ihn im socialen wie im nationalen Leben leiten. $!«'>. gen Monaten der „Evangelisch-Kirchliche Anzeiger" von Ber- Fortschaffung aller unberechtigten, unnationalen und nnchriftlin, ein vielqelesenes positiv kirchliches Wochenblatt, die antilichen Elemente im Volke, in der Schule, in der Justiz u. s semitische Bewegung einer ernsten, aber sehr gemäßigten Cenw. auf loyalem Wege — muß der Zielpunkt der nationalen für unterzog, entstand in den streng kirchlichen Kreisen ein Tyätigeit keines evangelischen Christen in der Gegenwart sein." nickt geringer Unwille. Um so erfreulicher ift es. einer höchst In einer anderen These verwahrt sich freilich Herr beachtenswerthen Stimme aus jenem Lager des strengen Kir- Rocholl dagegen, daß er Gewaltmaßregeln gegen die Juden chenthnms und des aristokratischen Cvnservatismns zu begegdas Wort rede, und vindicirt dem evangelischen Christen, nen. welche den Antisemitismus als unchristlich verurtbeilt. der „das Judenthum im Princip angreift und niederznhal- Der Graf von Wartensleben-Schwirsen in Hinterpommeril ten sucht", als „treibendes Motiv" die „Liebe", in der hat einen Vortrag gehalten „über Religionsfreiheit und Re Praxis "aber wird fein Auftreten zu denselben Conseguenzeu ligionsfrieden" zwischen Christen und Juden, und ztvar ,.geführen'wie die Agitation des vr. Henriei, der das Osterfest gen die Antisemiten". Derselbe hat sodann auf Verlangen diesmal in seiner Weise durch eine Brandreke gegen die diesen Bortrag in Cauimin durch den Truck veröffentlicht. 18