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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-05-03 · Heft 18 (3.5.1881) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 18 (3.5.1881)
Date
1881-05-03
Page
Seite 290 (sequence 8)
Language
German
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290 — Am 21. April fand eine Sitzung dcs geschüstsführcnden Ausschusses des Lessing - Comitös statt. Bei dem günstigen Resultat der bisherigen Sammlungen wurde beschlossen, demnächst das Gesammt-Comite cinzuberufen und mit der weiteren Aussühruug vorzugeheu. Mannheim, 18. April. Hier ist von Männern conservativer Richtung ein Deutsch - volkswirthschastlicher Reform verein" gegründet worden. Auf eine Anfrage tvährend der Verhandlungen wurde eine ausdrückliche Erklärung abgegeben, „daß der Verein keine antisemitischen Tendenzen verfolge". Breslau, 14. April. Die ultramontane, den Juden so äußerst gehässige „Schlesische Volkszeitung" bringt einen Artikel über das hiesige Schulwesen, den die anderen Organe der Wenn dieser Artikel des nltramontanen Blattes darauf ausginge, die Mittel und Wege zu erörtern, durch welche die Schulbildung bei den Katholiken gehoben werden könnte, so würde er gewiß am Platze sein. So aber ist er nur berechnet, die christliche Bevölkerung gegen die Juden einzunehmen. Es gehört doch eine starke Verblendung dazu, anzunehmen. daß sich die Hülste der Juden in einer materiell so günstigen Lage befindet, daß der Besuch der höheren Lehranstalten durch ihre Kinder wie von selbst gegeben sei. Dies ist durchaus nicht der Fall, wie jeder sich in der Praxis überzeugen kann; vielmehr ist das ganze günstige Berhältniß des Schulbesuches nur durch den Drang der Eltern, ihre^ Kinder „etwas lernen zu lassen", durch die größten Opfer, die sie sich dafür auferlegen, und durch die Unterclerikalen Partei wiederholen, z. B. die „Germania" in sol-> stützung, die sie zu diesem Zwecke beharrlich aufsuchen, zu erklären, gender Weise:! Dies sind aber sämmtlich Momente, welche bei den Katholiken „Es sind die hiesigen 5 Gymnasien nebst Vorschulen voite ebenso gut vorhanden sein könnten, wie bei den Juden, 2943 Schülern besucht, von denen 1433 evangelisch, 9Irr jüdisch, und nur 595» katholisch sind. Unter den 730 Schülern! des evangelischen St. Maria - Magdalena - Gymnasiums sind! 240, von den 665 des St. Elisabeth-Gymnasii 342, also! die Majorität, von den 346 des kgl. Friedrichs-Gymnasii I sind 179, also gleichfalls die Mehrheit, jüdisch. Die beiden Hierselbst bestehenden Realschulen weisen eine Frequenz von 1017 Schülern aus, von denen <28 evangelisch, 149 katho lisch und 140 jüdisch sind. Auf den drei höheren Bürgerschulen studiren 1890 junge Leute; 1187 davon sind evangelisch, 395 katholisch, 303 jüdisch und 5 dissidentisch. Bon den 453 Gewerbeschülern sind 313 evangelischen, 88 katholischen, 2 altkatholischen, 37 jüdischen Bekenntnisses; 1 ist Dissident. Die drei städtischen höheren Töchterschulen werden von 783 evangelischen, 153 katholischen, 455 jüdischen und 2 altkatholischen Mädchen besucht. Die höheren Schulen zählen also 4444 evangelische, 185u jüdische, 1380 katholische, 6 dissidentische und 4 altkatholische Schüler und Schülerinnen, 58 Proc. evangelisch, 24 Proc. jüdisch, 18 Proc. katholisch, während aber der numerischen Stärke der hiesigen Bevölkerung (170,000 Protestanten, 85,0t 0 Katholiken und 20,o0o Juden) 62 Proc. aus die evangelische, 31 Proe. aus die katholische und 7 Proc. aus die jüdische Religion entfallen müßten. Die Elementarschulen (23 katholische und 43 evangelische und 8 Privatschulen besuchen 9582 katholische, 16,309 evangelische, 1481 jüdische und 81 dissidentische Schüler. Man sieht aus dieser Statistik, daß die Juden vermöge ihrer Wohlhabenheit in der 9age sind, mehr als die Halste ihrer Kinder auf höhere Lehranstalten zu schicken und ihnen höhere Ausbildung und bequemeres Leben damit angedeihen;u lassen, während die Katholiken wegen ihrer relativen llnbemitteltheit am wenigsten daran denken können, ihre Kinder des sere Ausbildung genießen zu lassen." — und die, wenn sie fehlen, bei ihren Anhängern hervorzurusen die Führer der katholischen Partei mit aller Macht streben sollten. Dadurch, daß man auf die Juden räsonnirt oder gar daran denkt, sie in der Ausübung ihrer Rechte zu beschränken, wird für die katholische Maße nichts gebessert. Aber vielleicht liegt es gar nicht in der Absicht dieser Führer, eine solche Hebung der Schulbildung in der ihnen zugehörigen Mafie zu bewirken. Steht doch die katholische Bevölkerung auf dem Schulgebiete nicht bloß der jüdischen, sondern ebenso der evangelischen weit nach, und erreicht diese das normale Berhältniß hinsichtlich der Frequenz der höheren Lehranstalten vollständig. Dies ist von viel größerer Wichtigkeit, denn die katholische Bevölkerung, die von der geringen Zahl der Juden doch nur wenig benachtheiligt werden kann, ist aus diesem Wege von der großen Mafie der evangelischen allerdings bedroht. Karlsruhe, 22. April. (Privatmitth.) In dem großherzoglichen Ministerium haben bedeutende Veränderungen staltgefunden. Aber gerade der Finanzminister, Herr Ellstädter (Israelit), hat sein Amt behalten. Man sieht also, daß dieser Mann sich in seiner hohen Stellung, die er bereits seit einer Reihe von Jahren einnimmt, in würdigster Weise bewährt hat. Wir erinnern hierbei, daß jüngst der König der Riederlande Herrn Godefoy. der früher längere Zeit Justizminister gewesen, abermals in das Staatsministerium berufen hat. Also auch aus diesem staatlichen Gebiete bleibt die antisemitische Agitation ohne Erfolg, und so werden eifrig i und patriotisch strebende Israeliten, wenn sie eine höhere Begabung besitzen, auch fernerhin ihre Ziele nicht verhehlen. Neuwied, 22. April. Es ist in dieser Zeit, schon mehrmals ausgesprochen worden, daß die evangelische Geistlichkeit jetzt den Judenhaß als einen Hebel ansetzt, um den gesun-

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