Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1881)
- Date
- 1881-05-03
- Page
- Seite 286 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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286 gegen die Kirche, die mit dem Staate in innigster Verbin- Kuranda trat jedoch den Beweis der Wahrheit an. Er wies düng stand, als gegen diesen selbst gerichtet war; das Beidie Hohlheit und Leerheit des Klägers auf wissenschaftlichem spiel Belgiens entkräftet auch diesen Vorwurf. . . . Wenn hic; Gebiete nach, und daß dieser nur, oft ohne Kenntniß und und da verrostete Ueberkonnnnisse sich breit machen, wie eben die ' Verständnis; des Inhalts, ab- und nachschreibe. . Er legte es gnincV Kennesse, so muß man, um gerecht zu sein, gestehen, I klar, daß der Kläger in dem Titel seiner Zeitschrift den ehrdaß sie mehr dein Namen als der Person gellen, mehr denkwürdigen Namen der Kirche mißbrauche, um unter deren Schutz Juden als dein Juden; der Name ist der Geschichte verfallen,! seine vergifteten Pfeile des Hasses und der Berläumdung auf aber die Personen gehören der Gesellschaft. In Deutschdie Inden abzuschnellen. Knranda wurde freigesprochcn, was land ist es umgekehrt. Die Juden möchte man schon aber noch mehr sagen will, durch die Art, in welcher er sich cmancipircu, wenn man nur den Juden nicht neben sich vertheidigte, wurde ans dem Kläger ein Angeklagter. Brunner dulden müßte."! konnte sich von dem Schlage nicht mehr erholen; bald hernach ''Nach den Märztagen des Jahres Is is, als Knranda trat er von der Redaetion der „Kirchenzeitung" zurück, und Chilanirnngen von Seite der Polizei nicht mehr zu befürchten diese selbst hörte dann auf zu erscheinen. Kuranda hat dahatte, eilte er zurück nach Wien. Nebst Schmerling :e. wurde mals wahrhaft einen 3277 r*np geübt. Bon Nahe und Fern er in das Vorparlament gewählt. Der Fünszigerausschuß' und specicll von jüdischen Gemeinden wurde er beglückdelegirte ihn und den berühmten Rechtsgelehrten Wächter! wünschte mehrere derselben übersendeten ihm Ehrengeschenke, nach Böhmen, um dort für die Wahlen in die deutsche > Pokale :c. In Wien selbst wurde Knranda überall, wo er "Nationalversammlung zu nürken. Er selbst wurde dann von! sich sehen ließ, mit Jubel begrüßt. Als bald hierauf die zwei Wahlbezirken in das deutsche Parlament gewühlt und! Wahlen in den uiedcrösterreichischcn Landtag stattfanden, blieb er in Frankfurt bis nach der Diseussion der Grund-! wurde Kuranda in der inncrn Stadt in Wien, dem rechte, bieraus kehrte er. wieder nach Wien zurück. Hier be-! Sitze der Intelligenz und des Wohlstandes, mit sehr großer gründete er ein großes politisches Tageblatt: „Die Ost deutsche Stimmcnzahl in den Landtag gewählt, und da zu jener Zeit Post." "Abgesehen von dem reichen gediegenen Inhalte, zeichnete i noch die Landtage die Mitglieder für den Reichsrath wählten, sich dieses Journal, wie das auch bei den Grenzboten der! so mag hcrvorgehoben werden, daß ihn der niederösterreichische Fall war, durch den vornehmen Ton aus. Die Ostdeutsche! Landtag fast einstimmig zum Reichsrathsabgeordneten wählte. Post besprach alle Tagessragcn, sie behandelte die innere und! Selbst der Cardinal Rauscher gab ihm seine Stimme. Es äußere Politik, und widmete große Aufmerksamkeit der Kunst mag hinzugcfügt werden, daß Kuranda bis auf den heutigen und Literatur. Höchst selten jedoch besprach sie die Juden-!Tag die innere Stadt Wien im Landtage, und seitdem frage, die damals in Oesterreich noch auf der Tagesordnung! die dircctcn Reichsrathswahlcn bestehen, auch als Abgeordsiand; und zwar geschah dieses aus dem Grunde, weil Äu-! neter im ReichSrathe vertritt, und zwar wird er gewöhnlich randa nicht, so zu sagen, in eigener Sache das Wort nehmen 1 fast einstimmig gewählt. wollte. Einmal jedoch that er dieses und stieg mit voller i Im Landtag war es auch, daß Kuranda einmal Veranlas- Rüstung in die Arena. Cs erschien nämlich zu jener Zeit sung fand, in Opposition gegen den genannten Cardinal Rauscher hier eine Zeitschrift: „Die Wiener Kirchenzeitung", heraus»!zu treten. Es geschah dieses in der Sitzung vom 15. Febr. gegeben von dem katholischen Geistlichen Monsignor Sebastian : 1866, als die Frage der Zwangstause jüdischer Findelkinder Brunner. Dieses Journal behandelte jedoch nicht kirchliche! ans der Tagesordnung stand. Der Cardinal sprach in seiner Angelegenheiten, sondern es füllte seine Spalten mit Ausj gelehrte« Weise über das Christenthum und pries es als die fäll cn gegen Juden und Judenthum. Lange Zeit überließ; Religion, welche zuerst die Nächstenliebe lehrte und dem- Kuranda die Polemik gegen dieses Blatt und dessen Redak-! gemäß auch praktisch eingriff und Wohlthätigkeitsanftalten tcur andern Journalen. Am 28. Januar 18*10 jedoch verfür Leidende re. errichtete. Im Namen dieses Christenthums östentlichtc Kuranda in der ost deutschen Post einen Artikel verlangte er daher, daß man den Kindern jener Personen, unter dem Titel: „Herr Sebastian Brunner", der geradezu! welche sich in Findelhäuscrn besindcn, auch alle Segnungen des niederschmetternd für den Genannten war. In der That Christenthums zukommen laste und ihnen nach wie vor die strengte Herr Brunner einen Ehrenbclcidigungsproceß gegen! Taufe spende. In sehr gemäßigter Form, aber desto kräf- Kuranda an, welcher am 16. Mai vor dem Landesgerichte tigcr in der Sache, wies hierauf Kuranda nach, daß sich der zur Verhandlung kam. Die Situation war schwierig. In dem katholischen Oesterreich, in welchem zu jener Zeit das mit. den: heiligen Stuhle abgeschlossene Concordat in voller Macht Cardinal im Jrrthum befinde; denn oer Satz: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" findet sich zuerst im Pentateuch, und haben die Juden sich stets bestrebt, wie und Blüthe war, stand ein katholischer Geistlicher gegenüber dies ihre zahlreichen Wohlthätigkeitsanftalten beweisen, den aiiiciii Juden, der wegen Ehrenbeleidigung angeklagt war.! Pflichten der Nächstenliebe gerecht zu werden. Er würdige