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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-26 · Heft 17 (26.4.1881) · p. Seite 278

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 17 (26.4.1881)
Date
1881-04-26
Page
Seite 278 (sequence 12)
Language
German
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278 unweit des Todten Meeres. Unsere Hutschleier scheinen der Stadt Jerusalem in der frischen Morgenluft Abschied zuzuwinken, die grasbewachsenen Winkelgäßchen sind noch ohne Leben, nur die vielstimmigen Glocken regen sich; sie läuten die erste Mesie ein. Wir befinden uns in der Nähe des österreichischen Johanniterhosspizes, bei den in Felsen gehauenen Wasserspendern Jerusalems, den „Teichen Salomos", Noch ist es Nacht, und schon wiegen wir uns wieder in den Bügeln. Auf Treppenwegen geht's bergan; gespenstisch, wie Nebelgestalten ziehen die Reiter in ihren weißen Mänteln dahin. Eben ist die Höhe erklommen, als am erblassenden Himmel der erste röthliche Lichtschein sich zeigt und die Wolkenstreifen im Osten erglühen. Unsere Scheikhs werfen sich vom Pferde, und mit der Stirne die thaufeuchte Erde wenn der erste Sonnenstrahl emporleuchtet und die Zinnen-> berührend, verrichten sie ihre Morgenandacht. Das Todte thürme der Stadt mit Morgengold verbrämt. Bon Bethlehem | Meer unter uns erglänzt weit hinaus. Zwei Reiter kommen kommende Landleute gehen nach Jerusalem. Männer mit! uns entgegen. Zuerst der Bruder unseres Scheikhs im weißen roth-gelbem Turban, Frauen, in blaue Gewänder gehüllt, das Burnus, violetten Unterkleide mit ockergelbem Turban, hinter intelligente Gesicht von einem weißen, faltigen Tuche umrahmt, um den Hals silberne Kettchen, an welchen Goldmünzen, ihre Aussteuer, hängen. ihm sein Neger, das rothe Fez auf dem krausen Schwarzkopfe. Wie zwei Erzväter umarmen und küssen sich die Brüder, dann wendet der Ankömmling sich uns zu und entbietet Bethlehem, das „Haus des Brotes", lagert zwischen ter- > mit orientalischem Anstand seinen Gruß rassirten Gärten freundlich über einem saftig grünen ThalTer Weg senkt sich durch die Thalschlucht; nicht lange, gründe, an einer breiten Lehne, deren Höhe die Nativitäts- und wir stehen tief unter dem Spiegel des Mittelmeeres, in Kirche krönt. Der Marktplatz wimmelt von Bolk, welches, der tiefsten Einsenkung der Erde, am Ufer des unwirthlichen feilschend, in Typus, Kleidung und Gestus biblische Schilde-; Salzsees. Kein Grün schmückt den salzbekrusteten Strand, rungen lebhaft illustrirt. kein Wesen lebt in dem bittern Naß, und nirgends ist eine Durch kahle Schluchten, über ein weites Blachfeld, menschliche Behausung zu erspähen. Alles ist still in dieser wo die Hirten lagern, wie sic lagern mochten, als; Natur. Und doch lasirt mildes Blau die sanft am Uferrand Engel die Geburt des Herrn verkündeten, dringen wir! ersterbende Welle, und röthlich schimmern die Uferberge, als zu dem von zwei Thürmen überragten "Kloster vor. In[ stünden sie in der lieblichsten Landschaft. Zur Rechten wird schauerlicher Einöde liegt Mar Saba da. Senkrecht stürzt I unser Gesichtskreis durch ein kleines, über dem kiesigen Ufer der Fels ab, und Strebepfeiler, wie in Assisi, tragen das; säum aufsteigendes Borgebirge verengt, zur Linken aber Kloster gleich einem Altarschrein. Auf Zickzacktreppen ersteidehnen sich stumpfe, völlig uninteressante Hügel-Pyramiden, gen wir die oberen Terrassen, und bald sind wir um den! Der Größe nach könnten das Todte Meer und der Genfer schuppigen Stamm einer Dattelpalme gelagert. Ueber uns! See Zwillinge sein. Auch hier ist die Fluth blau und klar in den grünen Wedeln wiegen sich zahme Bögel, und ringsum! der Himmel. Aber die Ufer! Wie grün, wie belebt, wie reifen unter der Gluth der vom Kalkfels abprallenden! reizend sind sie dort, wie todesstarr und allem Lebenden feind Sonnenpfeile allerhand Früchte. Rechtshin in der Ferne! an dieser Stelle! sieht das Auge Jerusalem, links, tief unten am Fuße der Wo man durch Hochwasser herbeigestößte Baumstämme blauroth schillernden, wagrecht abgestuften Felswände, den! schwimmen sieht, dort gegenüber dem angeschwemmten Insel- Spiegel des Todten Meeres, das die einst blühende Ebene! chen , über dem just ein Geier seine Kreise zieht, vermeint Siddim unter sich begrub. Ringsum abgestumpfte, vom Regen j man Lot'S Weib, ein ewiges Zeugniß bestrafter Neugier, sehen zerfurchte Hügel im fahlem Braun, wie in ein Mönchsgezu können. Dort, am Nordende des Sees, ist auch der Einwand gehüllt. Ueberall der Grundton trostloser Oede! Oberfluß des Jordans. Da stehen wir auch schon an der von halb des FelsenUosters, unweit der Wegbiegung, hinter welcher! Millionen besuchten Furth. Grünlich-weiß und reißend strömt der große Normannenthurm wie ein Wahrzeichen hervorstehl,! der Jordan, der „herabfließende", zwischen den grauen, eng campiren wir. Noch weiter oben lagern Beduinen, zusammen-! zusammentretenden Ufermauern in mannichfacher Windung, gcknäuelt wie eine Büsselheerde. Rauch entsteigt ihren Zelten, Pappeln und Weiden tauchen ihre Zweige in sein Wasser; sie kochen ihr karges Mal. Wir Habens besser. Cook's Tamarisken. Schilfröhricht und Gestrüppe bekränzen den steil Reisemarschall nämlich, den wir in Jaffa getroffen, hat abfallenden Uferrand. unsere Führung und die Obsorge für Pferde, Verpflegung Purpurn erglühten die Äalkgipfel im Abendsonnenscheiu, und Salvaguardia übernommen. Letztere ist dem Chef der wir dachten der heimischen Alpen, und unsere kleine Kara- Küsten-Beduinen, eigentlich einem Hauptbanditen, anvertraut, wane bewegte sich im üppigen Tiefthal, el Ghor, dem linken der mit behördlicher Bewilligung sich mit den Dragomans Thalrand zu. Welch herbe Enttäuschung wartete unser! Ein abfindet und Gewerbsstörungen aufs empfindlichste ahndet, schmutziger Haufen elendester Hütten, von armseligen, ver- Wir sind also unter der Obhut dieses Wüstensohnes sicher, rufenen Geschöpfen bewohnt, ein kläglicher, sumpfiger, vom

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