Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1881)
- Date
- 1881-04-26
- Page
- Seite 276 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aurich 1× ep/1044059
- Emden 1× ep/1044505
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276] einiger Zeit der Orientalist Schick im Kanal des Teiches; Siloam entdeckt hat, schreibt A. H. Sayce aus Jerusalem dem „Athenäum" unterm 7. Februar, daß er dieselbe genau untersucht und gesunden habe, daß sie in phönizische» Characteren der ältesten Art geschrieben sei. Nachdem er dieselbe genau entziffert und kopirt habe, könne er versichern, daß dieselbe nicht der hebräischen, sondern der Sprache der alten Phönizier selbst angehört. Sie könne auch nicht der Zeit des Königs Hiskias angehören, sondern müffe älter sein, etwa aus der Zeit des Königs Salomo stammen, in welcher phönizische Arbeiter an dem Tempelbau zu Jerusalem betheiligt waren. Trüge er sich nicht, so sei dies das älteste phönizische Schriftzeugniß, das uns erhallen. Die Inschrift selbst stellt einen Bericht des Baumeisters dar, welcher die Ausgrabung des Kanals leitete, der den Teich Siloam mit dem St. Mary's Pool verbindet. Da in demselben keine historischen Angaben enthalten sind, ist sein Hauptinteresse ein topographisches. Zu welchen Anstrengungen übrigens unsere Pioniere der Wissenschaft schreiten müssen, um Schritt sür Schritt deren Fortschritt zu ermöglichen, bezeugt recht anschaulich die Art, wie Sayce die Abschrift vornehmen mußte. Da die Inschrift unter dem Wasser sich befindet, mußte er -mehrmals länger als eine Stunde im Wasser kauernd zubringen. Und auch so konnte er bei der Uuleserlichkeit der Schriftzüge sein Werk nur unter der Beihülfe seines Gefährten John Slater ausführen, welcher neben chm sitzend die betreffenden Stellen mit einem Licht l eleuchtete. Senil Lorrespondeuz. Erste Versammlung der israel. Lehrer der Landdrosteien Aurich und Osnabrück in Emden'). Herr Landrabbiner vr. Buchholz übernahm unter allgemeiner Zustimmung de» Borsitz, und nachdem Lehrer Meyer Leer die auf seine Einladung eingelaufenen Schreiben verlesen, wird beschlossen, den Verein zu constituiren, und erhält de Vries Wener das Wort zur Vorlesung des Statutenentwurses, dessen Ausarbeitung derselbe übernommen. Derselbe wurde unter nur geringen Abänderungen angenommen. Der jeweilige Rabbiner ist Ehrenmitglied des Vereins. Zum Vorsitzenden für das Jahr 1b81 wurde H. M. Blumenthal Emden und als Schriftführer Meyer Leer ge wählt. Die nächste Versammlung soll am 2. Pfingstfeiertagc d. I. wiederum in Emden stattfinden. D. z. Schriftführer, H. Meyer Leer. Eiu Vitt ins heilige Land.') Durch die um die fpitzen Klippen des Hafens tofende Brandung hat uns die Barke ans Land getragen. Nach sieben an Bord verbrachten Nachten sind wir herzlich froh, festen Boden unter den Füßen zu suhlen und Jaffas Weichbild betreten zu können; Hardegg'», eines biederen Württemderger's, Haus nimmt uns gastlich auf. Inmitten üppiger Fruchthaine und Lrangengärtcn liegt Jaffa auf einem Äalthügel. Zwischen schlanken Palmenl) Tie Correjp. giebt weder das Tarum, noch die DtirgUeLerzahl der Äer>ammtuug an. Sie darr. •>) Aus der „N. jr. Pr." in Auszuge- Sied. Ce ton. krönen, zwischen stattlichen Sykomoreu, breitblättrigem Pisang und de» aufstrebenden Bündelschäften des Zuckerrohrs hindurch blauen^ Judäas Berge duftig im fernen Hintergrnade. Im März, zur Zeit der weißleuchtenden Blüthen und goldigen Früchte, muß es hier herrlich sein. Heute hangen die Agrumen noch grün im glänzenden Laube. Staub schwebt in der Luft, und Kameele umlagern die blendend weißen, bekuppelten Brunnen, genügsam ihre Zähne an den Cactushecken versuchend. Die steinige Straße nach Jerusalem führt uns durch Gartenland in die Ebene Saron. Der Borreiter galoppirt uns voran. Mit seiner dunklen, offenen Jacke, mit den weitgeschlitzten, stiegenden Aermeln, dem kirschrothen Gürtel und den blauen, weiten Beinkleidern, die in rothen Stiefeln stecken, den markigen Kopf von einem bunten Seidentuche umschlungen, dessen Enden im Abendwinde flattern, eine-Cigarette zwischen den kecken, von einem martialischen Schnurrbarte beschatteten Lippen, jagt er auf seinem sehnigen Braunen über das weite Feld. Röthlich verschwimmend zeigen sich bald die Berge Ephraims, die wir noch heute übersteigen sollen. Ramleh, unser Nachtquartier, ist endlich erreicht. Doch Mückenschwärme stören die ersehnte Ruhe in der ärmlichen Herberge, und der grauende Morgen findet uns schon auf den Zinnen des platten Daches an der Seite deS Wirthes, der unS mit einem „'s ischt heut' kühl!" bewiükommt. Kühl war es auch. Trotzig zusammengeballte Wolken standen noch am bleigrauen Himmel. Da steigt die Siegerin empor, fegt die Schleier der Nacht hinweg und zeigt uns ringsum kahle Felfenhügel in stumpfen Farben und elende Dörfer, die besser verborgen geblieben wären. Bon den wenigen wie geängstigte Schafe eng aneinandergedrückten weißen Würfeln, welche die Häuser von Ramleh vorftellen, nahmen wir unschwer Abschied. Eiu .Mädchen von Inda" auf weißem Dromedar ist