Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1881)
- Date
- 1881-04-26
- Page
- Seite 274 (sequence 8)
- Language
- German
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274 tocolle -es Abgeordnetenhauses -es österreichischen Reichsra- > thes entnommenen, jene verleumderischen Behauptungen wider-1 legenden Daten' hin. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 26. April 1877 (VIII. Session, Seite 8509 und 8518, anläßlich der Debatte über das Wuchergesetz sür Galizien citirt Herr Abg. l>r. Hönigsmann aus dem in Lemberg erscheinenden wucherseindlichen Blatte „Dziennik polsky" nachfolgende Stelle': „Auch wir unterzogen uns der Mühe einer Durchsicht der in der Lemberger Amtszeitung eingeschalteten Licitationsedicte — woraus der Ausschußberich: geschöpft hat — und da fiel uns ein Umstand ganz besonders auf. Während es als ganz notorisch galt, während es sogar den Hauptanstoß zur Behandlung unredlicher Kreditgeschäfte in Galizien im Reichsrathe gegeben hat, daß nämlich die Verarmung und Enteignung der Landbevölkerung die Schuld der kleinen Wucherer sei, welche vornehmlich Juden sind, finden wir in der „Lemberger Zeitung", daß durchschnittlich 15 Feilbietungen angesucht wurden: je acht von der galizischen Rustical-Creditan stalt, je drei von verschiedenen jüdischen Wucherern, je einer von der Krakauer nnd Mielecer Bank und die übrigen in Prozessen zwischen Grundeigenthümern selbst oder von im Edikte nicht benannten Personen — wahrscheinlich waren es ärarische Executionen — die im Edikte nicht ausgeführt find." In derselben Sitzung machte der Abg. Dr. Menger (ein Nichtjude), gestützt auf eine von dem berühmten Lemberger Univerfitäts-Profeffor Or. Theodor Pilat in der von der k. k. Centralcommission herausgegebenen statistischen Monatsschrift veröffentlichte fleißige Arbeit, folgende charakteristische Bemerkungen: (VIII. Session Seite 18518): „Wie bekannt, beträgt die jüdische Bevölkerung Galiziens etwa 1/*t der Gesammtbevölkerung. Ebenso bekannt ist, daß die Juden erst seit einer mäßigen Anzahl von Jahren in Galizien besitzfähig sind — noch unter dem Ministerium Goluchowsky wurden ihnen viele Schwierigkeiten gemacht, Grundbesitz zu erwerben. Demgemäß ist ohne Zweifel anzunehmen, daß die Zahl der Juden im Vergleiche zu der Zahl der Gesammtbevölkerung größer ist, als die Zahl der Realitäten, die sie besitzen, zur Gesammtzahl aller Realitäten in Galizien. Trotzdem komme ich auf Grund der Forschungen des verdienstvollen Gelehrten aus Lemberg zu dem Resultate, daß die Gesammtzahl der den Juden gehörigen Realitäten, welche in den letzten Jahren in Execution gezogen wurden, über '/<> aller überhaupt in Execution gezogenen galizischen Realitäten betragen; also von den Realitäten, die den Juden gehören, wird eine relativ größere Anzahl exequirt, als von jenen, welche Christen angehören. Wenn also behauptet wird, daß die Executionslast nur auf den Christen ruhte, so widerspricht dies einfach den verdienstvollen Arbeiten auf dem Gebiete der Statistik. welche der hervorragende galizische Gelehrte selbst gemacht hat." Wien, im April. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde besitzt in ihrem Schoße zwei Anstalten, wie sie in ihrer Gemeinsamkeit keine andere israelitische Gemeinde aufzuweisen hat: das Taubstummen-Institut und das Blinden-Institut. Allerdings sind sie nicht aus Gemeindemitteln erstanden und werden nicht aus solchen erhalten. Aber sie existircn vorzugsweise durch den Wohlthätigkeitssinn der Wiener Israeliten, obschon nur der geringere Theil ihrer Wirksamkeit Wiener Hülfsbedürftigen zu Gute kommt. Dabei haben diese beiden Institute eine Höhe erreicht, die sie zu allgemeinen Musteranstalten macht. An ihrer Spitze stehen noch heute ihre Begründer, an der schon seit vielen Jahrzehnten bestehenden Taubstummenanstalt der kaiserliche Rath Herr Joel Deutsch als Director, am Blinden-Institut, das 1870 gegründet wurde, Herr I)r. Ludwig August Frankl, Ritter von Hochwart, als Präses des Curatoriums. Das Taubstummen Jnstitut zählt gegenwärtig 106 Zöglinge (56 Knaben und 40 Mädchen). Von diesen sind taubstumm geboren 78 (aus Verwandtschaftsehen 18), die anderen 33 sind es durch Scharlach, Masern, Gehirnentzündung, Typhus und Sturz geworden. Der vorliegende 27. Bericht bringt als Anhang einen sehr empfehlenswerthen Aufsatz des Herrn Deutsch: „lieber Vorschulung taubstummer Kinder, Winke für Eltern, Aerzte und Lehrer." Der Hauptgedanke ist, daß, da taubstumme Kinder den sprechenden die Bewegung des Mundes beim Sprechen absehen, dies benutzt werden kann, um diesen Kindern einiges Verständniß beizubringen und sie zur Nachahmung dieser Muudbcwegungcn und dadurch zu Tönen anzureizen. Hierzu sei nöthig, daß die Sprechenden die Muskelbewegung der Lippen recht deutlich machen, was am besten geschieht, wenn die Worte tonlos hervorgebracht werden. Der Vers, verspricht in den nächsten Berichten sich noch weiter über diesen wichtigen Gegenstand auszulaffen. — In dem Blindeninstitut erhalten gegenwärtig 36 Zöglinge (.25 Knaben und 11 Mädchen) Erziehung und Unterricht. 4 Zöglinge verließen die Anstalt, von denen 3 die Bürstenbinderei mit Erfolg betreiben, der vierte mit seinen Eltern nach Chicago ging und sich dort durch Korbflechterei ernährt. Ein 1877 entlassenes Mädchen betreibt das Rouleauxweben mit lobenswerthem Eifer. Wir führen dies an, um die Leistungen des Instituts zu markiren. Da bei besonderer musikalischer Anlage das Klavierstimmen sich als eine erfolgreiche Beschäftigung für Blinde erwiesen hat, so ist für Gelegenheit zum Erlernen gesorgt worden. Bemerkeu^verth ist, daß das Institut für von den Zöglingen verfertigt^ Arbeiten jährlich beinahe für 3000 Fl. verkauft. Hiervon werden für die Zöglinge Gewinnantheile in der Sparkaffe angelegt Bei der Gewerbeausstellung von 1880 erhielt das Institut