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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-26 · Heft 17 (26.4.1881) · p. Seite 273

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 17 (26.4.1881)
Date
1881-04-26
Page
Seite 273 (sequence 7)
Language
German
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Ansprüchen genügen zu können. Er beschloß daher, daß nur aus denjenigen Gemeinden Zöglinge in die Anstalt ausgenommen werden sollten, welche einen fortlaufenden Beitrag auf ihren Etat übernähmen. Er erließ ein desfallsiges Circular; jedoch traten von den 54 Gemeinden Ostpreußens bis jetzt nur 11 bei, was aber weitere Beitritte nicht ausschließt. Bis jetzt sind 71 Waisen in der Anstalt erzogen worden; 27 sind gegenwärtig in derselben; 7 wurden im Laufe des Jahres 1880 ausgenommen und 4 entlassen. Die Räume der Anstalt sind dermaßen erweitert worden, daß eine noch größere Zahl von Zöglingen ausgenommen werden kann, und daß dennoch die gesundheitlichen Forderungen völlig befriedigt werden. Das Vermögen des Waisenhauses nahm um 3000 M. zu, und beträgt gegenwärtig 125,112 M., sowie Grundstücke die mit 57,040 M. versichert sind. Sicherlich wird die Anstalt bei der warmen Fürsorge, welche ihr gewidmet wird, weiter so wachsen und gedeihen. Posen, 11. April. (Privatmitth.) Es ist nicht ganz der Beachtung unwerth, daß, während jetzt in Deutschland von einer nicht wenig zahlreichen Sippe die deutsche Nationalität der deutschen Juden geläugnet wird, in Ländern oder Provinzen, wo die Deutschen einer anderen Nationalität gegenüber sich in der Minorität besinden, selbst von den Judenfeinden die Juden zur deutschen Nation gezählt werden, wie sie sich selbst dafür erachten. So von jeher in unsrer Provinz, und wenn z. B. selbst die „Germania" die Schülerzahl eines hiesigen Gymnasiums angiebt, sagt sie: „Unter den deutschen Schülern sind nur 26 katholisch, 115 protestantisch und 119 Juden. Das macht also gegen früher einen Ausfall von 298 polnischen Schülern." Dergleichen Beispiele könnten wir mehrere anführen. Am meisten ist dies aber zur Zeit einer Wahl der Fall, wo stets die Juden zur deutschen Partei, und zwar mit Fug und Recht, gezählt werden. Wie kann man es also wagen, im Herzen Deutschlands die Juden als Fremde zu bezeichnen, während man da, wo man ihrer bedarf, auf ihre deutsche Nationalität sich stützt? München, 11. April. Hier hat der Hofprediger Stöcker eine Versammlung über die „Handwerkerfrage" gehalten, in welcher jedoch der Handwerkerstand nur sehr schwach vertreten war. Er sprach äußerst gemäßigt und auch der „Judenfrage" widmete er nur einige wenige maßvolle Worte, was um so erklärlicher, als bekanntlich die bayersche Regierung antisemitische Wühlereien nicht duldet. Boden für seine Agitation gewinnt hier Stöcker nicht, und bemerkenswerth ist, was das „Vaterland" über Stöcker bemerkt. Es heißt da: „In der Hauptsache war die Rede eine Verherrlichung Bismarcks und seiner Wirthschaftspolitik, seiner unklaren Pläne und Projekte, die immer mit dem Refrain schloß: wählt nur eingesteischte. begeisterte und willenlose Anhänger und Bewunderer Bismarcks, - ein ein und anschmeichcln des Werben für Borussenthum und schwarz-weißen Protestantismus, kurz: die höhere politische Bauernfängerei für die Reichstagswahlen, wie sie früher, aber nicht so offen und gerade heraus, auch von den Nationalliberalen getrieben wurde. Wir halten diesen Herrn, deffen große Beredtsamkeit und Eifer — für die Sache Bismarcks und des Borussen» thums - wir anerkennen, für einen höchst gefährlichen preußischen Emissair, für einen Commis voyageur der preußischen Politik, der sicher nicht ohne den — Segen Bismarcks seine Fahrten durch's Land macht." Oesterreich-Ungarn. Wien, im April. (Privatmitth.) Die „Jsr. Allianz zu Wien" hat die zweite Nummer ihrer „Mittheilungen" ausgcgeben. Die in derselben enthaltenen Berichte bezeugen die erfreuliche Ausdehnung sowohl der Filialen als der Mitgliederzahl, sowie auch der Subventionen und guten Werke, welche die Allianz in den verschiedenen Provinzen des Kaiserstaates zur Ausführung bringt. Wir heben hervor, daß dieselbe Wandtafeln für einige Schulen hatte anfertigen und aufhängen lasten, auf welchen Sprüche aus der jüdischen Pflichten- und Sittenlehre in hebräischer und deutscher Sprache geschrieben waren, und die eine gute Wirkung auf die Jugend sowie auf die Besucher der Schulen machten. Sie hat daher beschlosten, solche Wandtafeln für alle von der Allianz unterstützten Religionsschulen drucken zu lasten, sie aber auch für andere Schulen auf deren Ansuchen zu liefern. Das vorliegende Heft giebt eine Sammlung dieser Sprüche und zwar Pf. 15; Mal. 2, 10; 3. Mos. 19, 18; Sabb. 31, 1; 2. Mos. 22, 20; 5. Mos. 10, 19; 3. Mos. 19, 17; Sechar 7, 9; 2. Mos. 22, 17; Spr. Sal. 24, 21; P. A. 3, 2; Jerem. 29, 7; Ps. 37, 3; 128, 2; Nedor. 49, 1; Habak. 2, 6; Spr. Sal. 10, 1; P. A. 4, 1. 1, 15. 4, 3; Sanhedr. 92, I; Peßach 3, 1. Wir können dies nur allseitig empfehlen und wisten, daß schon längst auch in einigen Synagogen, z. B. in Magdeburg, ähnliches zum Gebrauch gekommen. — Wie wir schon früher berichtet, hat die Allianz eine Religions lehrer-Bildungsanstalt in Wien mit gutem Erfolge gegründet. Sie hat jetzt die Befriedigung, daß die Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft sich damit beschäftigt, eine gleiche Anstalt für Böhmen zu gründen. — Von weiterem Interesse ist folgende Mittheilung: „Die Anglo-Jewish Astociation wandte sich an uns mit der Bitte, wir mögen ihr Daten an die Hand geben, um eine von der „Times" gebrachte judenfeindliche Beschuldigung, wonach im Jahre 1879 in Galizien 17,000 Bauern durch jüdische Wucherer ruinirt worden waren, widerlegen zu können. In unserer diesbezüglichen Mittheilung wiesen wir unter Anderem auf die folgenden, dem stenographischen Pro-

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