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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-26 · Heft 17 (26.4.1881) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 17 (26.4.1881)
Date
1881-04-26
Page
Seite 270 (sequence 4)
Language
German
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270 Staat'" ins Leben. Daß dieses Prinzip durchaus keinen Anhalt in der ersten französischen Revolution fand, daß diese vielmehr von dem kirchlichen Joche, welches noch während der Regierung Ludwig XVI. bestand, nach Befreiung und deshalb nach Vernichtung der Kirche strebte, weist der Berf. sehr klar nach und macht dabei die Bemerkung, daß man bisher viel zu wenig beachtet habe, wie sehr die französische Redie einander zerfleischenden christlichen Theologenschulen tief gedemüthigt werden." Dagegen habe diese Trennung der Kirche vom Staate und die völlig freie Bewegung der Kirche in Nordamerika den Nachtheil gehabt, daß einerseits die Schule, von der Volksschule bis zur Universität hinauf, völlig Sache der Kirchen und Confessionen geworden und darum durchaus volution durch den kirchlichen Terrorismus unter Ludwig XIV. zurückgeblieben ist, und daß das und XV. bewirkt worden sei. Napoleon I. wäre es dann außerordentliche Ausdehnung und Papstthum daselbst eine Kraft erlangt hat, die gewesen, der „der Restaurationspolitik des 1l). Jahrhunderts früher oder später dem gesammten Staatswesen gefährlich zu ihren eigenthümlichen Stempel aufgedrückt hat". Er schildert werden drohe. Er nachdrücklich die Folgen der Concordate mit der römischen amerikanischen Historiker Kurie und des Byzantinismus in der protestantischen Kirche, nachtheiligen Wirkungen Unter diesen Umständen mußte das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat viele Anhänger finden. Der Berf. prüft nun die Folgen, welche dieses Prinzip in der nord amerikanischen Union gehabt. In erster Linie stehe „ein Aufschwung des religiösen Lebens in all' seinen Formen, wie ihn keine Zeit und kein Land vorher je ähnlich gesehen." Ties also ohne allen Kultusetat des Staates. Hierbei spricht sich der Berf. auch über das Judenthum in einer so schönen Weise aus, daß wir die ganze Stelle (S. 42) Herstellen: beruft sich hierüber auf den großen Bancroft. Aus diesen beiden heraus zieht der Berf. Schlüße gegen das Prinzip als nachtheilig für Staats- und Volksleben, und will vielmehr eine allmälige Fortentwickelung ohne Prinzipienreiterei. So hoch wir nun die lichtvolle Darstellung des geschichtlichen Prozesses durch den Berf. anschlagen, so wenig auch wir ein plötzliches und brutales Umstürzen der bestehenden Bcchältnisie billigen: so können wir doch mit den Folgerungen des Berf. nicht übereinstimmen. Wenn die Bcr. Staaten sich auf die materiellen Aufgaben des Staates beschränken, so ist damit doch nicht erwiesen. „Es thäte oft gut, sich die einfache Frage vorzulcgen, daß die europäischen Staaten dies ebenfalls thun müßten, woher denn das Iudenthum, das so lange verfolgte, das so wenn sie jenes Prinzip annehmen. Wenn jene in überweithin gehaßte, das gerade in jüngster Zeit wieder so leidentriebenem Individualismus das Unterrichtswesen vom Staate schaftlich angegriffene Judenthum seine Kraft ziehe. Seit der unberücksichtigt und somit den Confessionen überließen, so Trennung beider Religionen geht die Entwicklung der jüdischen brauchen die anderen Staaten nicht in denselben Fehler zu der christlichen zur Seite, und wer die Art der gegenseitigen; verfallen, sondern gerade im Gegentheil würde der Staat Berührungen von Jahrhundert zu Jahrhundert verfolgt, kann sich als Christ nur in tiefster Seele beschämt fühlen. Was der polemischen Literatur, wie sie seit der Mitte des zweiten Jahrhunderts in Justin's Tryphon uns vorliegt, an Ucberzeugungskraft fehlte, das mußten erst religiöse Verfolgungen, dann sociale Hemmungen ersetzen. Das Ergebniß aller dieser Unterdrückungsmaßnahmen aber ist das, daß sich heute eine große Mehrheit vor der geistigen Kraft einer kleinen Minderheit so sehr fürchtet, daß man es bereits wiederum mit der Aufhetzung der Pöbelmaffen versucht und die rohe bei der Trennung von Staat und Kirche das Unterrichtswesen als zu seiner Domäne gehörig an sich nehmen müsien, und selbst über diejenigen Unterrichtsanstalten, welche neben den Staatsschulcn bestehen, eine strenge Controle beanspruchen. Wie dies Letztere mit der Trennung von Staat und Kirche in Widerspruch stehen soll, ist uns nicht erfindlich. Endlich daß das Papstthum in Nordamerika eine große'Ausdehnung gewonnen, hängt von der stärkeren Einwanderung von Katholiken, besonders von Iren ab, und der Berf. tritt mit sich selbst in Widerspruch, da er die außerordentliche Macht- Gewalt zu Hülfe ruft. Gegen die seit der Metternich'schen stärkung hervorhebt, welche das Papstthum in unserem Jahr- Acra großgezogenen Auswüchse des Börsenfürsten-und Gründerhundert in den europäischen Ländern erlangt hat, wo doch thums soll und kann die bürgerliche Gesellschaft Waffen genug! das Prinzip der Trennung nicht vorhanden gewesen. Wenn finden. Die Angriffe auf eine andere Confession als solche j die ultramontane Partei gerade durch staatliche Eingriffe und aber sind gewiß das schlimmste Zeugniß, welches ein herrschen-; des Kirchenthum seinem eigenen Unglauben ausstellen kann.! Der Gottesglaube des Mosaismus dagegen, den gerade Jesus in seiner vollsten Tiefe erfaßt hatte und darum zur Weltreligion machen konnte (auch Mohamed erwirkte dies seiner- Beschränkungen in ihrer Herrschaft über das Volk wächst, wie sich dies in Preußen erwiesen hat, so ist damit ein Gegenbeweis gegen den Berf. geführt. Oertliches Ueberwiegen hierarchischen Einflusses ist ein minderer Nachtheil als die Verletzung des allgemeinen, den ganzen Staat erseits. Red. d. A. Z. d. I.), hat auch auf seinem engern; füllenden Prinzipes. Dies hat der Präsident Garfield in Volksgebiet, in Famlienlcben und Genicindcbildung, vor Allem seiner ersten Rede trefflich ausgeführt. Das Ziel sieht der in der theologischen Wissenschaft Früchte getragen, durch welche Berf., wenigstens für die Gegenwart, in Folgendem: „Also

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