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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-26 · Heft 17 (26.4.1881) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 17 (26.4.1881)
Date
1881-04-26
Page
Seite 269 (sequence 3)
Language
German
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269 „Pilgerväter," wie man sie seitdem genannt, in dem guten alten Schiffe „Maiblume", übers Meer nach den urwaldbedeckten Ufern der neuenglischen Küste, und noch an Schiffesbord traten sie zusammen, die erste Berfassungsurkundc der Geschichte zu entwerfen, welche Allen gleiche Rechte gab. Bor Allem also auch das unveräußerliche Menschenrecht, dem ja Jedem innewohnenden Religionsbedürfnisse unbehindert und unbeschränkt die Form zu geben, die eben der individuellen Auffassung entspricht. Die Gewährleistung dieses schönen Rechtes ist also ebenso alt wie die junge Republik selbst, ja sie ist eins der mächtigen Fundamente, auf denen dieser großartige Ban sich erhebt. Und sollte cs dem Blicke des flüchtigen Beschauers scheinen, als ob man doch hier und da abgewichen wäre von der großen Allem zu Grunde liegenden Idee, so wird ein eingehender prüfendes Auge doch leicht entdecken können, daß es nur Symptome einer Kinderkrankheit sind, die, wenn man den sich so überaus kräftig entwickelnden Staat in Betracht nimmt, keine ernstlichen Besorgnisse zu erwecken vermögen. Auch ffndet die Ansicht, als ob nur eine Staatskirche den festen und sicheren Kern bilden könne, um den sich das Leben eines Volkes zu schönen und plastisch sicheren Gebilden zu krystallistren vermöge, in den Bereinigten Staaten wenigstens eine glänzende Widerlegung. Tie junge transatlantische Republik entbehrt einer Staatskirche, sie bietet dem prüfenden Auge des unbefangenen Beobachters das Bild einer, vielleicht in des Wortes schönster Bedeutung „freien Kirche im freien Staat." Und dabei ist dem amerikanischen Volke ein wahr Haft religiöser, fast Alles durchdringender Zug nach dem Göttlichen eigen. Es ist seiner religiösen Grundlage eingedenk geblieben. Bibel und Gebetbuch folgten vor Jahren den „Pilgervätern" über das Meer, und noch heute iü den Epigonen dieser alten Glaubensheldcn Manches von der Väter Wesen eigen. Rur hat sich der Einfluß der sic umgebenden Verhältnisse f olgerichtig auch in ihrem religiösen Bedürfniffe geltend gemacht. Ter Kampf um daS Dasein' der der Väter ganze Kräfte in Anspruch nahm, ist in mancher Beziehung leichter geworden, und so hat denn der puritanischdüstere Charakter der Re ligiosität jener Tage, der gegen Alles was das Leben schmückte, wie gegen Tand und Sünde eiterte, mit der Zeit einer fröhlicheren Weltanschauung Plan macken müssen. Den Mußestunden, die sich früher zum größeren Theile mit religiösen Uebungen füllten, bietet eine sich wunderbar schnell entwickelnde nationale Literatur Belehrung und Unterhaltung, und der früher oft so enge Gedankenkreis hat ffch mit der Zeit ideellen Begriffen erschlossen, die in dem brandenden Meere, dem schweigenden Urwalde, der sich endlos ausbreitenden Prairie, den schön umsäumten Binnenseen, den mächtigen Strömen, der jungfräulichen Vegetation so reiche Nahrung finden. Alles ist in dem jungen -Staate von demselben göttlichen Hauche erfüllt, und dies Gefühl, das sich in feiner Kundgebung nach Außen im einfachen „Gottesbe griffe" äußert, bildet das zwischen den zahlreichen Bekennt nisten und Serien unleugbar bestehende, unzerreißbare Band de» sich gleich und einig Fühlcus nicht nur in politischen, sondern gewißermaßen auch in religiösen Dingen. Auch iu Glanbensfragen kann man auf Amerika Hinweisen als auf ein Land, in dem die Zukunft der alten Welt schon zur Gegenwart geworden. Fragen, die das alte Europa noch bedächtig verhandelt, sind dort schon gelöst. Ein Beispiel für viele. Der Jude jemeits des Meeres ist dort seit Menscheualtern schon, was er hier nur in ferner Zukunft, wie man fürchten muß, erst werden wird: „ein Gleicher unter Gleichen'." Und Amerika hat cs nicht zn bereuen'. Er gehört zu seinen fleißigsten, treuesten Bürgern, zu den Edelsteinen seiner Bürgerkrone! — Die Frage ist eben nicht mehr: Was bist du? Jude oder Christ? „Mensch" zu sein ist Alles, und in diesem Streben nach einem schönen edeln Menschenthume fasten die Bereinigten Staaten die verschiedenen Religionsübnngen als die Strahlen eines Lichtes zusammen, und sichern so ihren Bürgern durch Religionsfreiheit eins der schönsten nationalen Güter: Religionsfricden.' — Ernst Haynel." Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. April. Die am 15. Rov. lSSO an der Universität Bern gehaltene und jetzt im Druck erschienene Reetoratsredc des!»>-. Friedrich Nippold: „Die Theorie der Trennung von Kirche und Staat geschichtlich beleuchtet", « Bern, Wyß, 1 1), die uns vom Herrn Verfasser freundlich zngcsandt worden, muß die Aufmerksamkeit aller Derer lebhaft erwecken, welche sich für diese große Frage intercssireu. In eckt historischem Geiste, von keinem Borurtheile befangen, beleuchtet der Vers, in großen und sicheren Ilmrissen die ganze Geschichte des Kampfes zwischen dem Byzantinismus l der Herrschaft deS Staates über die Kirche) und dem Papa lismns (Herrschaft der Kirche über den Staat), die „im Grunde ZwillingSgcfchwister find, und die gleiche Geburts stunde in der Aera ConstantinS hatten." Er zeigt besonders, daß der Kampf gegen den PapaliSmns schon im Mittelalter sehr stark gewesen, daß aber mit der Reformation doch nur der Byzantinismus dem PapaliSmns von Neuem entgegentrat. Ein richtiges Vcrhältniß von Kirche und Staat führt der Vers, aus den „befreienden Zug Wilhelm III. von Holland nach England" zurück; aber erst mit der nordamerikanischcn Union trat das Prinzip der „Trennung von Kirche und

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