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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-19 · Heft 16 (19.4.1881) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 16 (19.4.1881)
Date
1881-04-19
Page
Seite 259 (sequence 9)
Language
German
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259 unsere kirchlichen Angelegenheiten mischten, da habe ich es für meine Pflicht gehalten, diesem Unwesen entgegenzutreten. Hätten die Israeliten diese Mahnung gehört, so stünde es heute besser um diese Bewegung. Sie haben sie nicht gehört und haben den Kampf in wildester Weise fortgeführt, und da haben wir in der That die Bedeutung des modernen Judenthums für unser Leben untersucht, und wir fanden, daß es auf Handel und Gewerbe einen schweren Druck ausübt und daß es nicht angehe, daß in einem christlich-deutschen Staate Juden obrigkeitliche Aemter bekleiden. Wir halten diese Frage nicht für eine der Race, auch nicht für eine der Religion, sondern wir sehen, daß diese 500,000 Israeliten, einen Einfluß auf unser ganzes Leben üben, unter welchem der deutsche Geist nicht frisch und frei gedeihen kann. Das moderne Judenthum, besonders im Bunde mit der Fortschrittspartei und der Socialdemokratie, hindert uns an dem, was uns noththut. Den Juden verdanken wir Lasalle, und es ist erwiesen, daß an der nihilistischen Bewegung viele Juden theilnehmen." Der Redner berührt ferner das Wucherwesen, die Unmöglichkeit der Eidesabnahme durch jüdische Richter. Das Publikum, das aus den streng-kirchlichen Kreisen, auch sehr zahlreich aus der Damenwelt sich rekrutirte (die hiesigen Israeliten hielten sich fern) spendete dem Redner, der sich besonders in der Besprechung der „Judenfrage" sehr ereiferte, großen Beifall. Die ganze Versammlung verlief aber ohne jede weitere Demonstration. Heute wird Herrr Stöcker in Karlsruhe seine Wahlagitation fortsetzen. Von da begibt er sich nach München.') O esterreich-Ungarn. Pest, im April. Die Pester israelitische Relgions- Gemeinde hat ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung gehalten. Nachdem Präses Armin Neu weit die Beschlußfähigkeit konstatirt hatte, wurde der Bericht über das verslosiene Berwaltungsjahr verlesen, dem wir Folgendes entnehmen:! Die Kultus-Sektion hat in mehreren Zweigen des I Tempelritus den äußeren Anforderungen des nationalen Geistes \ erweiterten Eingang verschafft, namentlich in der Verlaut-! barung der Bethaus-Spenden und der Feier des Seclenge-1 dächtniffes die Landessprache zur Geltung gebracht. — Tiej Statistik der Unterrichts Anstalten weist folgende Fre quenz auf: a) Knabenschule: Gesammtzahl der Zöglinge >34. Gratiszöglinge 3« 9, an der Winterbeklcidung betheiligt 251; b) Mädchenschule: Gesamrnt >abl der Zöglinge 411, Gratis- 1) Warum erfahre»» wir aus keinem dieser van Ltäcter heimge suchten Orte, daß eine Persammlung obgehalten wird, in »aelcher in ruhiger Weife vud mit Sachkenntuiß die Anschuldigungen Lläcker's widerlegt werden? Man sollte doch meinen, daß unter den vielen studirteu Juden redegewandte Männer genug vorhanden sind, um würdig und männlich diesen Umtrieben entgegcnzulrcten. Man braucht darum noch nicht leidenschaftlich und beleidigend zu werden, aber eine Widerlegung wäre Lech am Platze! :l»ekr.clioi>- zöglinge 280, an der Winterkleidung betheiligt 156; c) Talmud-Thora: Gesammtzahl der Zöglinge 215, darunter Gratiszöglinge 83. — Die Wohlthätigkeits-Sektion hat an Ausstattungsprämien aus dem Sammelfond gespendet: 8 ä 200 fl. --- 1600 fl, 16 ä 100 fl. 1600 fl., 8 ü 50 fl. — 400 fl., zusammen 32 Prämien im Gesammtbetrage von 3600 fl. Die Sammlung für die Bekleidung armer Schulkinder betrug 3275 fl. 40 kr. — Im Pester isr. Spitale wurden 737 bettlägerige Kranke behandelt; ebendaselbst wurden ambulatorisch behandelt 4413 Kranke ohne Unterschied der Konfeffion; somit wurden im Spitale insgefammt 5150 Kranke ärztlicher Behandlung theilhaftig. Durch die Armenärzte wurden behandelt: Im VI. Bezirk: 314 bettlägerige, 736 ambulante, zusammen 1050 Kranke; im VH. Bezirk: 342 bettlägerige, 747 ambulante, zusammen 1089 Kranke; im VIII. und IX. Bezirk: 99 bettlägerige, 138 ambulante, zusammen 237 Kranke. Im Spitale wurden gratis verpflegt 593 Kranke. — Im Knabenwaisenhause betrug am Beginne des 1880er Verwaltungsjahres die Zahl der aufgenommenen Waisenknaben 47. Seitdem sind 3 neue Zöglinge .ausgenommen worden. Hingegen wurden im Laufe dieses > Jahres 4 Waisenknaben, nachdem sie das statutenmäßige Alter erreicht, aus dem Institute entlassen und verschiedenen Handwerken gewidmit. Der Bau des neuen Waisenhauses ist unter der Leitung einer Baukommission, deren Arbeiten Architekt Wechselmann vorsteht, in Angriff genommen worden und so weit vorgeschritten, daß die Waisenhaus-Kommission die Hoffnung hegt, diese würdige Stätte einer der hervorvorragendsten Wohlthätigkeits-Anstalten dieser Gemeinde im nächsten Herbst ihrer frommen Bestimmung übergeben zu können. Das israelitische Landes-Taubstummen-Jnstitut dieser Religions-Gemeinde erzieht gegenwärtig 48 Zöglinge (28 Knaben, 20 Mädchen), von welchen 45 der jüdischen und 3 der röm.-katholischen Konfession angehvren. Unter diesen Zöglingen bezahlen nur 24 Verpflegungsgebühren, zwischen >00 und 400 sl. Die andern 24 sind Gratiszöglinge. Für zwei der zahlenden Zöglinge entrichtet der israelitische Landes-Schulfond die Berpslegungsgebühr von je 300 ft. Tie Zöglinge werden in fünf Klaffen unterrichtet, deren Erziehung leitet Herr Director Grünberger in anerkannt tüchtiger Weise und stehen ihm hiebei drei Lehrer und eine Lehrerin zur Seite. - Das ehrwürdige Rabbinat theilt folgenden Ausweis über seine Verwaltungsthätigkeit i. I. 1880 mit: Eheprvzesse wurden 122 (1879: 80) verhandelt^; rituelle Scheidungen 15 (1879: 14), Chaliza Funktionen 3:(1879. 4) vollzogen. Das Matrikel-Amt liefert folgende Daten über die Populations Bewegung im abgelaufenen Jahre: a) Ge bürten. Knaben: eheliche 766, uneheliche 147, zusaminen 913; Mädchen: eheliche 807, uneheliche 134, zusammen 941; I b) Trauungen 464, c) Todesfälle 1286. 16

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