Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1881)
- Date
- 1881-04-19
- Page
- Seite 258 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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258 ihre Fehler vorhält. Ich will es auch nicht unterlassen, von den guten Eigenschaften der Juden zu sprechen (Rufe: dazu find sie am allerwenigsten berufen. Die kennen wir ohne Sie rc.) Wenn auch Altonaer Wurst- und Käseblätter ') behaupten, es gäbe keine Judenfrage, so behaupte ich, daß gerade hier, wo sehr viele Juden wohnen, eine solche Frage existire. (Ruf: für uns nicht, für Sie vielleicht, gegen 30 Pfg. Entree.)" Soweit war Henrici gekommen, als ein unbeschreiblicher Tumult, ganz ä la Berliner Antisemitenversammlung, entstand, Stühle wurden gerückt, mit dem Füßen wurde gestrampelt, gezischt und gepfiffen, sodaß sich der Vorsitzende veranlaßt sah, die Versammlung auf fünf Minuten zu suspendiren. Doch kaum wollte Henrici von Neuem beginnen, als ein solcher Skandal entstand, daß der überwachende Polizeicommiffar Engel sich endlich gezwungen sah die Versammlung aufzuheben. So kläglich endete das Debüt des Herrn H. in Altona (vivat sequens.) Kaiserslautern, im April. (Privatmitth.) Seit der Besetzung des hies. Rabbinats, von dem in Ihrer geschätzten Zeitung zur Zeit berichtet wurde, ist manches geschehen, was nicht blos zur Hebung des religiösen Lebens in Gemeinde und Bezirk beigetragen, sondern auch was die Anerkennung unserer Confesfion und somit auch deren Vertreter erhöht hat. Der hies. Bezirksrabbiner H. Dr. Landsberg hat im Einvernehmen mit seinen Collegen der Pfalz, um den Gemeinden für die Zukunft tüchtige Elementar- und Religionslehrer zu verschaffen, an die Gemeinden der ganzen Pfalz sich gewandt, um, wie es in seinem Aufrufe heißt: „Durch einen monatlichen oder jährlichen Beitrag einen Fond zu gründen, von dem selbst oder von deffen Zinsen arme, strebsame und befähigte junge Leute, die an der hiesigen Lehrerbildungsanstalt sich vorbereiten, zu unterstützen, damit dieselben sorgenfrei ihren Studien obliegen können." Die Kgl. Regierung zu Speier hat mit großer Bereitwilligkeit ihre Genehmigung hierzu ertheilt und die Kgl. Bezirksämter haben es sich angelegen sein lassen, die resp. Gemeinden zum Beitritt zu veranlassen. Es ist auch bereits in Folge deffen eine ansehnliche Summe für diesen Zweck zu Stande gekommen und der hies. Rabbiner wird nun ein Comit^ zusammentreten lassen zur Bcrathung und näheren Besprechung dieser für die Pfalz hochwichtigen Angelegenheit. Das Resultat dieser Berathung soll seiner Zeit veröffentlicht werden. — Ein anderer Schritt zur Anerkennung unserer Religion iu unserer au solchen Zeichen armen Zeit geschah von Seiten der Kgl. General Direktion der Verkehrs-Anstalten zu München auf Anregung unseres Rabbiners. Bisher nämlich hat- 1) NB. Zu diesen sog. Wurst- und Käseblättern zählen, eines ausgenommen, das in allen Farben schillert, G. s. D. säwnnliche Alwnmr und H».mbu,gei Blauer. Corr. ten die Bezirksrabbinate Portos».eiheit nur in Correspondenzen mit den betreffenden Bezirksämtern. Nun hat die Kgl. Generaldirection der Verkehrsanstalten zur Kenntniß und Beachtung an die Kgl. Postanstalten Folgendes erlaffen: „Nach Ansschreiben vom 7. Januar 1ü60 haben die Kgl. Pfarrämter u. s. w. amtliche Erlasse an Gemeinden, an Cantoren und Schullehrer durch die Post zu versenden und find diese Erlasse als Kirchen- und Schuldienstsache portofrei zu behandeln. Die gleiche Function des staatlichen Auffichtsrechts haben auch die Bezirksrabbinate in Hinsicht auf das isr. Schulwesen und den isr. Religionsunterricht zu üben, sonach nicht nur mit den Kgl.- Bezirksämtern, sondern auch mit den Schullehrern und Bürgermeisterämtern in dienstlichen Verkehr zu treten. Es sind daher auch die Correspondenzen der Bezirksrabbinate an die Schullehrer oder Vorstände der betreffenden Gemeindebehörden portofrei zu behandeln, wenn sie neben den durch 8 2 der Allerh. Verordnung vorgeschr. Merkmalen auf der Adresse mit der Bezeichnung „Schuldienftsache" versehen sind." — So unscheinbar diese beiden Zeichen der Anerkennung seitens der Kgl. Behörde auch erscheinen, so sind sie doch geeignet, die Regelung der rel. Verhältnisse in Schule und Gemeinde zu fördern. Es bleibt nur zu wünschen, daß auch anderswo die Einheit des deutschen Staates in dieser Beziehung sich gellend mache. F. Stuttgart, 3. April. (Privatmitth.) Bei der am 28. April stattgefundenen Wahl von Mitgliedern des isr. Kirchenvorsteheramts hier haben von 453 Wahlberechttgten 317 abgegesttmmt, was eine recht lebhafte Theilnahme an den jüdO schen Interessen erweist. Bankagent Gustav Maier in Ulm hat von Sr. Kgl. Hoheit dem Kronprinzen des deutschen Reichs für Uebersendung seiner Brochüre „Mehr Licht" ein sehr anerkennendes eigenhändiges Schreiben erhalten. Lehrer Hühnlein in Hall hat vorige Woche im dortigen „Historischen Verein für Franken" einen sehr inhaltsreichen Vortrag über den „Talmud" gehalten, in welchem er gerade die Momente hervorhob, die dem so viel geschmähten Buche in den Augen der meist christlichen Zuhörer, darunter auch Geistlichen, Achtung und Sympathie erwecken mußten. Am 1. April hatten wir auch die Ehre, Hrn. Hofprediger Stöcker über sein Lieblingsthema „Die christlich-conservativen Ziele der Gegenwart" in einer von ca. 3000 Personen zählenden Versammlung zu hören, und „damit man nicht meine, er fürchte sich darüber zu reden," berührte er am Schluffe auch die „Judenfrage". „Nicht den jüdischen Reichthum bekämpfen wir, son-! dern die jüdische Uebermacht, die uns in unserer christlichen > Entwickelung hindert und die nothwendigen Reformen hemmt.! Die jüdische Presse in Berlin übergoß die christliche Kirche! Tag für Tag mit Spott und Hohn, und als zuletzt zwei Israeliten sich in comn»unale Aemter drängten und sich in