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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-12 · Heft 15 (12.4.1881) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 15 (12.4.1881)
Date
1881-04-12
Page
Seite 245 (sequence 13)
Language
German
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245 Verblichene, welcher mit seltenen Geistesgaben ausgerüstet war,! hat die hiesige jüd. Gemeinde als treuer Seelsorger mit sel-! teuer Toleranz geleitet, so daß er sich bei allen Confessionen! die Liebe und Achtung im vollsten Maße erworben. Dies gab sich auch bei seiner heutigen Beerdigung vielfach kund, j indem ihm zahlreiche Freunde aus allen Confessionen und! Volksschichten zur letzten Ruhestätte folgten. Auf den Ber-! ewigten, der die theilweisen schroffen Gegensätze des alten und modernen Judenthums so versöhnlich auszugleichen wußte, ist wohl das Wort des Propheten anwendbar: p-s-. rprp inncsi und zum Schluß rufen wir mit Elisas dem Verklärten zu tst. „So wisse, daß Friede Deine Heimstätte ist." Der Friede, den er in seiner Gemeinde gestiftet und stets gefördert, er folgt ihm (wie die rege Theilnahme an seiner Bahre dies allseitig bekundet hat) auch in's Grab nach! J. H. L. —. Man berichtet uns von Trier, daß daselbst Rabb. I)r. Zuckermandel, bis jetzt in Pasewalk, zum Rabbiner einstimmig gewählt worden. — Aus Pest wird geschrieben: Wegen unbefugten Bettelns wurde hier ein alter Jude, Namens Salomon Schauer, verhaftet; bei der Lber- Stadthauptmannschaft wurden in seinen Taschen circa 3OO0 Gulden, theils in Baarem, theils in Werthpapiercn vorgefunden. Bonn, 3. April. (Literarische Notizen.) Aus Jerusalem schreibt man dem Athenäum: Herr Schapira ist von seiner zweiten Reise nach Themen zurückgekehrt, von wo er 120 hebräische Manuskripte milgebracht hat, die größtentheils einen großen Werth besitzen. Eines von ihnen handelt über die Bokalzeichen und reicht zurück bis zu dem Jahre 045. Andere enthalten Auszüge aus den Commentareu von Saadia und Maimonides. Herr Schapira hat auch ein arabisches Manuskript mitgebracht, das sehr wichtige und sehr merkwürdige genealogische Details in sich schließt. — Ter Präsident der k. Akademie der Wissenschaften zu Turin sendet uns ein „Programm für den dritten Breffa'schen Preis" mit dem Ersuchen zu, es auch in unserem Blatte zu besprechen. Vom I. Januar 1879 ist „der Concurs für den dritten Breffa'schen Preis eröffnet, zu welchem, dem Willen des Stifters entsprechend, die Gelehrten und Erfinder aller Nationen zugelaffen sein werden. Dieser Concurs wird bestimmt sein, den Gelehrten oder Erfinder beliebiger Nationalität zu belohnen, der im Laufe des Quadrienniums 1879-82, „nach dem Urtheite der Akademie der Wiffenschaften in Turin, die wichtigste und nützlichste Erfindung gethan, oder das gediegenste Werk veröffentlicht haben wird auf dem Gebiete der physikalischen und experimentalen Wiffenschaften, der Naturgeschichte, der reinen und angewandten Mathematik, der Chemie, der Physiologie und der Pathologie, ohne die Geologie, die Geschichte, die Geographie und die Statistik auszuschließen". Der Concurs wird mit dem 31. December 1882 geschloffen sein. Die zum Preise bestimmte Summe wird 12000 (zwölftausend) Lire betragen." K e u i l Finanzielle Fragen. Schreiben eines alten jüdischen Kleinstädters. Dein jüngster Brief, mein Sohn, hat mich überrascht. Man ist es jetzt von der Jugend gar nicht gewohnt, daß sie die Alten um Rath und Meinung fragen, sie meint vielmehr, daß sie Alles besser verstünde, da die bejahrten Personen doch nur in verjährten und abgethanenen Gedanken lebten. Und nun noch dazu in so großen und schwierigen Fragen, mit denen sich die bedeutendsten Männer, ohne zum Ziele zu kommen, plagen, und über welche so verschiedene Meinungen ausgesprochen werden. Ich kann mir dies nicht anders erklären, als daß Dir eine Ahnung gekommen, alle j diese Streitfragen über direkte und indirekte Steuern, Finanzj und Schutzzölle, Privilegien und Monopole doch nur wieder j ausgewärmter Kohl sind, der schon vor einem Jahrhundert! auf den Tischen der Staatskünstler stand, und den man schon j für beseitigt hielt. Da könnte man doch versucht sein, auch l e t o n. einmal bei der Ersahrung der Alten anzufragcn, und deren Sprüchlein zu hören. Nun, daß ich mich nicht crdreisten werde, über den Werth oder die Verwerflichkeit des ganzen Wirrwarrs von Zöllen, Steuern und Projekten znr Verbesserung der Gesellschaft, zur Abschaffung aller Noth und Sorge zu urtheilcn, kannst Du Dir denken. Ich will Dir vielmehr nur etwas aus den früheren Zeiten der jüdischen Gemeinden erzählen, das mit den obigen Fragen einige Berührung hat. Kleines ist zwar noch lange nicht Großes, die Bedürfnisse und Bedingungen kleiner Körperschaften sind nicht die der großen; zuletzt läuft aber alles Leben nach denselben Gesetzen ab. Die Aehnlichkeit liegt immer nahe. Nun, in den alten jüdischen Gemeinden hatte man direkte nnd indirekte Steuern, Privilegien und Monopole. Tie direkten Steuern waren nach dem Vermögen und Einkommen abgeschätzte regelmäßige Kultussteuern, die freilich nach dem damaligen geringen Besitz und hohen'Werth des baaren Geldes nur sehr mäßig auferlegt werden konnten. Daher noch eine Menge anderer — direkter Steuern auf die Mitgift, auf die

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